F***** für den Frieden …

Wie wäre es, all unser Handeln würde nur aus der Lust entspringen – was nicht feucht macht oder keine Erektion hervor bringt, ließen wir bleiben …Wie wäre es, wenn wir uns fragen würden, ob wir die Arbeit auch dann noch täten, wenn es keine Bezahlung dafür gäbe, wenn wir nur noch das erschaffen würden, was uns die größte Lust spendet …

Wie wäre es, wenn statt der Gesundung der Ökonomie, wir darauf achten würden, dass die Seele keinen Schaden nähme …

… ja, wenn all dies unser Denken und Tun bestimmen würde, gäbe es dann keine Politik mehr und keine Kriege? Wären wir dann frei und könnten einfach nur mal leben – einfach nur mal so? 

BERLIN …

Base -Ball -Bine aus Berlin – zusammen lagen wir am Fenster, blickten hinunter auf die Strasse, laut dröhnte die Musik aus den Boxen. Oranienstrasse, bunte Lichter, schönste Strasse der Welt. abends spielte sie mit ihrer Band in Kneipenkellern, sang Lieder, ich kam zu ihr auf die Bühne.

Oranienstrasse, besetztes Haus, geschmückt mit Transparenten: „Es ist besser unsere Jugend besetzt Häuser als fremde Länder!“

Berlin, Kebabstände, Blaulicht und Tränengas – ewig auf Adrenalin. „Lass uns rennen, die Bullen kommen.“

Punkkonzerte waren verboten, nicht aber so im SO36 , das befand sich auch – wo sonst – in der Oranienstrasse, in Kreuzberg, in Westberlin, im Paradies.

Dann, der 1. Mai, brennende Barrikaden, für eine Nacht war Kreuzberg befreit, rings herum leuchtendes Feuer, die Supermärkte hatten geöffnet, zerbrochene Scheiben statt Ladenschlusszeiten, Getränke und Nutella-Schnitten gab es umsonst. Wir tanzten auf den Strassen, sie und ich und all die anderen, wir waren frei – es war eine Revolte hungriger Herzen. Anwohner strömten aus den Häusern –  Gefühle der Gemeinsamkeit, egal welcher Hautfarbe, welcher Nation – es war ein Fest … die Mauerstadt wurde in jenem Moment zum Nabel der Welt.

„Ich steh auf Berlin!“, sagten wir uns, gingen zusammen ins Bett, was immer am Fenster stand, umarmten uns, blicken hinaus auf die lebendigste Strasse, die ich je gesehen hatte.

Rebellion aller Sinne …

Vielleicht wird der Tag kommen, da es den Menschen wichtiger erscheint, miteinander zu vögeln, als zu Töten.

Vielleicht wird der Tag kommen, da man erkennt, dass all das Geld, all die Macht nutzlos ist, wenn die LIEBE fehlt.

Vielleicht braucht es eine Rebellion des Unterleibs, eine Entgrenzung aller Sinne.

Vielleicht – es ist ein Traum! – wird der Tag kommen, wo ein jeder nur noch mit der Lust am Leben beschäftigt ist –  Vielleicht dann wird es keine Kriege mehr geben.

WAR IST OVER IF YOU WANT

John Lennon (1940 - 1980) and Yoko Ono pose on the steps of the Apple building in London, holding one of the posters that they distributed to the world's major cities as part of a peace campaign protesting against the War. 'War Is Over, If You Want It'.   (Photo by Frank Barratt/Getty Images)
John Lennon and Yoko Ono pose on the steps of the Apple building in London, (Photo by Frank Barratt/Getty Images)

Lesen macht sensibel …

„Gut lesen,
das heißt langsam,
tief, rück- und vorsichtig,
mit Hintergedanken,
mit offen gelassenen Türen,
mit zarten Fingern und Augen lesen …“ (Nietzsche)

gutlesen-mazoni

 

Axt …

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Franz Kafka

schreiben-mazoni

Die Wunde …

Wir sitzen zusammen in diesem weißen Raum – meine Ärztin und ich. Ich versuche ihr Gesicht zu entschlüsseln, etwas Markantes darin zu finden, an dem ich mich festhalten könnte, aber es gelingt mir nicht, mein Blick gleitet, wie auf einer glatten Oberfläche, an ihr ab. Ein Lächeln, an dem ich mich festhalten könnte, eins, welches mir die Tür zu ihr öffnen könnte – es fehlt. Sie, die mir was mitteilen möchte, etwas, was mich betreffen sollte, hat sich sonderbarerweise absorbiert, ist gar nicht vorhanden.
„Nein, nein – so ist es nicht“, sage ich ihr, dieser Person, die vor mir, wie hinter einer Festungsmauer, an ihrem Schreibtisch sitzt. Mein Hemd ist noch aufgekrempelt und ich befühle die Stelle an meinem Ellenbogen, diese Wunde, um die sich alles dreht, dieses Übel, wie alle meinen, weswegen ich hier sitze.
Aus welchen Gründen ich mit dieser Lappalie den Weg zur Arztpraxis gefunden habe, ist mir unerklärlich. Soviel ich weiß, drang man mich, es untersuchen zu lassen, doch nun erweist sich der Gang dahin so, als sei ich geradewegs in die Höhle eines hungrigen Tieres geraten. Vielleicht sollte ich den Ärmel wieder herunter krempeln, die Wunde verstecken, unsichtbar werden lassen und damit den Grund der Diagnose überflüssig machen.
„Sie haben diese Krankheit und Sie werden daran zu Grunde gehen, wenn wir es nicht behandeln.“
Ihre Stimme mit der sie die Bestimmtheit ausspricht ist widerwärtig, vielleicht schaut sie mich dabei an, aber wie soll ich es erkennen können, wo ich nicht einmal ihr Gesicht sehe. Wie aus einer weißen Nebelwand streckt sie den Arm mir entgegen. Ich sehe ihre Hand, am Mittelfinger trägt sie einen zierlich schmalen goldenen Ring mit einem Herzchen drauf, hält mir eine Röntgenaufnahme entgegen – sie sagt, es sei der Befund, der alles beweisen würde, der Befund der mein Urteil sei.
„Lassen Sie es mich erklären“, versuche ich mich zu verteidigen, Einspruch einzulegen. Meine Stimme klingt ungewollt vibrierend, wahrscheinlich vor Aufregung über die scheinbare Ausweglosigkeit der Diagnose. Ich habe meinen Arm mitsamt der Wunde auf ihren Schreibtisch gelegt, will mich abstützen, um weiter fortfahren zu können.
„Hören Sie, es ist eine Erklärung, für die es keine Worte gibt und deswegen auch schwer ist, es darzulegen. Seit Jahren versuche ich zu erfassen, was es mit dieser Wunde auf sich hat, doch all die vielen Worte, selbst dann, wenn ich glaubte, sie hätten den Sinn getroffen, stürzen immer wieder ins Leere. Die Wunde war schon immer da und ich glaube, sie bildete sich seit meiner Geburt oder sogar schon davor. Bislang war sie immer verschlossen und schmerzte nur innerlich. Sie war vom Schmerz her vergleichbar mit einer Traurigkeit, wie man sie zur Welt empfindet. Verstehen Sie? Sie sollen es verstehen, auch wenn es nichts zu verstehen gibt, nichts, was auszusprechen wäre, nichts, was einer Krankheit oder Gesundheit zuzuordnen wäre, nichts wofür es einen Begriff gäbe.“
Aus der Nebelwand mir gegenüber huscht mit einem Male ein Lächeln heraus, springt mir bei meinen Worten entgegen. Es ist kein freundliches Lächeln, es ist ein gemeines, ein verständnisloses, sich auf eine Ordnung berufendes, überhebliches Grinsen, eines, das mir entgegen stürzt, mich entwaffnen will und nachdem mir dieses Grienen entgegen geschleudert wurde, folgten Worte ihrer hellen und festen Stimme:
„Dann dürfte es Sie freuen, dass die Suche ein Ende gefunden hat, denn jetzt haben wir die Diagnose ihres Leidens und können es beheben.“
„Das Ende?!“, rufe ich ihr laut entgegen, beuge mich noch weiter hin zu ihr, lasse den Arm aber weiter auf ihrem Tisch ruhen. All die ursprüngliche Helligkeit des Raumes wirkt plötzlich so dunkel, so als hätten selbst die spärlichen Sonnenstrahlen, die durch die Jalousien drangen, sich gegen mich gerichtet.
„Wie kann es ein Ende geben, wenn ich Ihnen doch sagte, dass es nicht einmal einen Anfang gab“, rufe ich in ihre Richtung hinein, während das Bild, die Röntgenaufnahme, die das Innerste meiner Wunde zeigen sollte, vom Tisch auf den Boden fällt.
„Das, was ich da habe“, sage ich und deute damit auf meinen Arm, „ist nichts Gesellschaftliches, ist kein Symptom was Sie medizinisch benennen könnten. Es ist was Geheimes, vielleicht sogar was Ewiges, ein Strom, eine Energie, die nur mir zu eigen ist. Ja, es ist in irgendeiner Form die eigentliche Wahrheit, eine, die mich bewegt und das aus mir macht, was ich bin. Das, Verehrteste, was sie Krankheit nennen, das bin ich. Verstehen Sie, das, was Sie beabsichtigen aus mir heraus zu nehmen gedenken, ist meine Persönlichkeit – eine die in den Tiefen in mir ruht und mich von all den anderen Menschen unterscheidet. So verstehen Sie doch bitte, was ich meine! Gerne sage ich ‚Guten Tag‘, ‚Guten Abend‘, halte mich an Gesetze, bin freundlich und mache meine Arbeit. Aber all dies bin ich nicht, das ist nur eine Maske, die ich gebrauche, um mit den Menschen auszukommen. Mein Herz schlägt nur so ähnlich, wie das Herz der anderen, auch mein Kreislauf ist ein anderer – ich bin ein Anderer, ich bin die Wunde …“
„Ach sehen Sie es doch ein“, entgegnet sie, „Sie wollen der Tatsache nicht ins Auge sehen. Sie reden von Wahrheit und flüchten davor, weil sie Ihnen nicht gefällt. Sehen Sie einfach ein, Sie sind krank, Sie müssen versorgt werden. Was soll das Geschwätz – Sie sind genauso wie alle Anderen. Ihr Herz schlägt gleich, ihre Muskeln bewegen sich wie all die Muskeln all der anderen Menschen. Und Ihre Gedanken …“
„Stopp, stopp!“, will ich schreien, doch meine Stimme schafft es nicht lauter zu werden, prallt ab an der Nebelwand hinter der sie sich verbirgt. Erregt erhebe ich mich, ziehe die Wunde von dem Schreitisch weg. Der Stuhl auf dem ich saß, kippt zur Seite. Dunkler noch ist der Raum geworden, durch den ich torkele, und mühsam versuche ich mich mit all meiner Kraft hin zum Ausgang zu bewegen. Ein Ständer, an dem eine leere Infusionsflasche hängt, kippt um, fällt krachend zum Boden.
„Flüchten, ja genau Flüchten werde ich“, stottere ich in den undurchschaubaren Raum hinein.
„Sie werden daran sterben …“, ruft sie mir aggressiv zu.
„Weglaufen werde ich vor Ihrer Diagnose. Ich werde mich nicht auf den Seziertisch der Allgemeinheit begeben – ich renne davon, so wie man rennt, wenn Feuer ausbricht. Und wenn es eine Lüge sein sollte, an der ich umkomme, so bleibt es immer noch meine Wahrheit … hören Sie mich: meine Wahrheit, die nur mir gehört, meine eigene, so wie jedes Wesen eine eigene hat … Ich bin stolz auf meine Wunde … Hören Sie mich, hören Sie…“
Schallendes Gelächter dröhnt durch den Raum, vervielfacht sich, wird zum Hall. Ein grausames Gelächter ist es, eins mit ihrer Stimme. Mein Herz rast, ich suche die Tür zum Ausgang, versuche zu laufen, komme nicht voran, komme nicht raus aus dem klinisch – dunklen Raum. Meine Wunde juckt, das Gelächter wird lauter, ich versuche mich zu kratzen, schreie, als müsste ich mich befreien, schreie gegen das hässliche Gelächter an …
„ICH BIN EIN ANDERER!“
Ruckartig wache ich auf, höre meine Stimme, Sonnenstrahlen dringen durch den Raum, Helligkeit kündigt den Morgen an und sanft bewegen sich die Blätter des Baumes vor meinem Fenster. Mein schwarzer Kater liegt neben mir, reibt seine raue Zunge an meinem Ellbogen, will dass ich wach werde und mit ihm spiele. Die Wunde! Ich schrecke hoch, nichts ist an meinem Arm zu sehen, der Kater schnurrt, schaut mich mit leuchtend grünen Augen an und schlaftrunken streichle ich ihm übers Haupt. Alles nur ein Traum? Auf meine Brust legt er sich nieder, stupst mit seiner Pfote mir ins Gesicht, ich kraule seine Ohren, Speichel tropft aus seinem Mund
„Wir werden uns unsere Wunden nicht nehmen lassen“, flüstere ich dem Kater ins Ohr. Er schmiegt sein Kopf an mein Gesicht, tief berührt von seiner Zärtlichkeit nehme ich sein Kopf in meine Hände und drücke ihm schmatzend einen Kuss zwischen seine Augen. Er hat Hunger!

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Heroes …

„I, I wish you could swim
Like the dolphins, like dolphins can swim
Though nothing, nothing will keep us together
We can beat them, forever and ever
Oh we can be heroes, just for one day.“ (David Bowie)

Foto: Martin Aigner

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Der Gesang der Sirenen …

„We don’t need a flowery season

Love is love December or June

We can make our own weather …“

Halblaut singe ich mit, hold ist der Tag, die Sonne steht in der Himmelsmitte, strahlt jeglichen Kummer heraus, macht dumm und glücklich. Und endlich, da ist die Kurve erreicht. Vor uns öffnet sich die See in der sich kaum das Wasser bewegt – türkisblau und kristallklar liegt es vor uns: das Mittelmeer. Ich drehe die Musik leiser, beginne mit der Geschichte der Sirenen. Immer fange ich an dieser Stelle damit an, es ist der Anfang der Amalfitana entlang der Küste hier beginnt die Geschichte der Weiblichkeit.

Die Sirenen, hier saßen sie, beginne ich und schaue in den Rückspiegel, und sehe wie mit großen Augen Mutter und Tochter meinen Worten lauschen. Neben mir sitzt Papa, ihm ist heiß, er ist dick, Nichtraucher und hat was mit den Knien, heute hat er sich zurechtgemacht, als wollte er hohe Berge ersteigen, trägt eine Baseballmütze auf der „Australia“ steht. Er solle doch das Fenster öffnen, die mediterrane Luft genießen, sage ich zu ihm und ich lenke das Steuer, fahre langsam in die nächste Kurve.

Ihre Gesänge waren so bezaubernd, erzähle ich, auch ihre Erscheinung, sie lockten damit Männer hin zu sich. Doch Odysseus erkannte die Gefahr, die von den diesen weiblichen Wesen ausgingen. Seht ihr sie, frage ich seitlich und nach hinten, dort liegt sie die Insel Li Galli.

Papa schaut mich an, ein winziges Lächeln huscht über seine faltigen Lippen und auch in seinem Ohrläppchen sehe ich eine dicke Falte, die wahrscheinlich in all den Jahren entstanden ist, seitdem er mit dem Kopf Nacht für Nacht auf dem Kissen liegt. Ich lache ihn zurück an und erzähle weiter, dass die Sirenen bezaubernd sangen, doch Odysseus und seine Männer sich Wachs in die Ohren stopften und so dem Zugriff der weiblichen Wesen entkamen.

Jetzt schaut auch er hinunter auf die Insel, die unter uns liegt und hört meiner eigenwilligen Erklärung der homerischen Sage zu. Die Tochter, die ich im Rückspiegel erkennen kann, hat ihr Telefon in der Hand, schaut ebenfalls aus dem Fenster, versucht ein Foto zu schießen. Wie die Insel nochmal hieße, fragt sie nach, ich nenne ihr den Namen.

Homer – ob sie schon je von ihm gehört haben, vergewissere ich mich und, ich habe es mir schon gedacht, niemand kennt etwas von der griechischen Sage. Mein Glück!

Odysseus und seine Männer schafften es jedenfalls, den Sirenen zu entkommen, fahre ich fort. Warum nur tat Odysseus das, frage ich rhetorisch. Ja, er hatte zu Hause, in Griechenland eine Frau, die auf ihn wartete. Aber ist das ein Grund sich den bezaubernden Wesen zu entziehen? Vielleicht sind sie ja gefährlich, diese weiblichen Geschöpfe, vielleicht ist es besser sich ihnen fernzuhalten, sagte ich hin zum Papa, der jetzt breiter lacht und sagt, Frauen seien schon ein Problem. Seine Frau klopft ihm von hinten auf die Schulter lacht laut auf, sagt die Frauen seien gewiss nicht das Problem, eher doch die Männer.

Ich fahre die nächste Kurve entlang, die Insel ist jetzt nicht mehr zu sehen, doch Papa schaut trotzdem noch dahin, wirkt nachdenklich und es ist als will er sie wieder finden, diese Insel, wo angeblich die Geschichte begann.

Zur Strafe – erzähle ich weiter – dass die Sirenen Odysseus und seine Männer nicht ans Land locken konnten, befahl ihnen Zeus, sich ins Meer zu stürzen. Die Tochter schaut auf das Display ihres Smartphones, hört nicht mehr zu, der Vater schaut aus dem, inzwischen geöffneten Fenster. Die Sirene Parthenope wurde an das Ufer von Neapel angespült. Man fand dort ihren schönen Körper liegen und die Bevölkerung wurde herbeigerufen, ihr eine schöne Beerdigung zu geben.

Ein Bus kommt uns entgegen, ich muss an die Seite fahren und halten, klappe den Seitenspiegel ein und nur wenige Zentimeter von mir entfernt, zwängt sich der Bus an mir vorbei.

Parthenope wurde in ein weißes Leinentuch gehüllt, und so blieb sie bis zur Beerdigung an dem Ufer liegen. Ein großes Fest sollte ihr zu Ehren gegeben werden, doch als man sie zu Grabe tragen wollte, war ihr Körper verschwunden.

Es ist zuviel, ich spüre es, es ist immer zu viel mit dieser Geschichte, niemand hört mehr zu. Die reizende Tochter fährt gelangweilt mit dem Zeigefinger über ihr Telefons. Die Geschichte aber muss weiter gehen und eigentlich erzähle ich sie mir selbst und erfinde neue Dinge hinzu.

Der Körper war also verschwunden, setze ich fort, aber und das ahnten die Bewohner noch nicht, der Geist Parthenopes bliebt bestehen. Sehr viel später erst gründeten die alten Griechen eine Stadt und gaben ihr den Namen dieser Sirene. Sie erbauten sie, wo einst die Sirene angespült wurde, hoch auf einem Berg, mit dem Blick auf das ewig blaue Meer. Später entstand drum herum eine neue Stadt sie hieß „Neue Stadt“ – im griechischen „Neapolis“. So wurde daraus Neapel oder Napoli. Neapel, geschaffen aus dem stummen Gesang – noch heute spukt der Geist dort von Parthenope umher. Nächtens, wenn man die Promenade entlang geht, die ihren Namen trägt, wird der Mensch, der sein Herz geöffnet hat, ihr begegnen. Sie macht, so die Sage, die Leute liebestoll, tanzt mit ihnen hinein ins Land der Phantasie …

Wen interessiert schon die Geschichte von Parthenope, ich blicke in fragende Gesichter, drehe die Musik wieder lauter und fahre weiter.

Das ist doch die Insel? , fragt mich die Tochter wir haben Halt gemacht an einer Aussichtsplattform, wo wir von oben über die Küste schauen können. Ja, bestätige ich und sie ruft die Mutter herbei, sie solle sich neben sie stellen, an der Mauer, die die Plattform, auf wir stehen, vom Abgrund trennt. Mache ein Foto von uns Beiden, fordert sie mich auf, die Mutter steht daneben,,ich bekomme einen kleinen Fotoapparat in die Hand gedrückt. Schön sehen sie aus, Mutter und Tochter und sie lächeln mich hell an, neben ihnen die eindrucksvolle Kulisse der Felsenschluchten der Amalfiküste, hinter ihnen das Meer, in dem die Sonne sich spiegelt und worin die Insel liegt, auf dem einst die Sirenen sangen. Papa kommt so schnell nicht hinterher, hat einen Rucksack auf seinem Rücken und wirkt leicht abgekämpft. Ich halte den Fotoapparat in die Höhe, neben uns stehen andere fotografierende Touristen, die auch festhalten wollen, wo sie sind und ich schaue auf das Display, versuche den richtigen Ausschnitt zu finden. Schwarze, geschmackvolle Kleider tragen die beiden Frauen und große Hüte, die vor Sonnenstrahlen schützen, unendlich viele Menschen haben genau an diesem Punkt gestanden, und ich drücke auf den Auslöseknopf, habe sie festgehalten, mit den Felsen, dem Meer und der Sonne, habe ihre Schönheit gefangen genommen, mit ihrem Lächeln und der Insel im Hintergrund. Papa kommt hinzu, ein neues Bild wird gemacht, mühsam versucht er einen freundlichen Gesichtsausdruck hinzubekommen. Wieder drücke ich ab, aber die Magie des ersten Bildes ist verschwunden.

Wohin wir jetzt fahren, fragt aufgeregt die Tochter, und ich antworte, nach Positano, dort wo die bunten Häuser sich in die Felsen wie festgekrallt haben, dort wo auf dem Friedhof Essad Beey begraben liegt. Wir steigen ein, das Auto fährt los, schließt sich der Kolonne der Busse und Autos der anderen Touristen an. Neue Leute kommen, stellen sich an den Platz, wo wir vorher standen, schießen Fotos, wie wir sie schossen… Wissen sie, wie die Sirenen hier sangen?

Aus den Lautsprecherboxen singt Dean Martin zusammen mit einem Frauenchor heraus:

(Til the roses turn to ashes)

Til the organ turns to rust

(If you never come I’ll still be there)

Til the moonlight turns to dust …

Unser Auto fährt weiter, schlängelt sich die Strasse entlang, rotes Licht am Heck beim Bremsen, wird kleiner und kleiner, wird zum Punkt, verschwindet, löst sich auf im Blau, zurück bleibt die Erinnerung.

If you never come I’ll still be there

Til the moonlight turns to dust

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Der Schleier …

Maja – Göttin und Schöpferin des Universums – Welt-Mutter. Doch sie trägt einen Schleier –  diese wunderbare Heilige – denn sie ist im Hinduismus auch die Göttin der Illusion. Den Schleier, den sie trägt, offenbart uns, alles was wir sehen ist auch nicht wahr. Die Welt, wie wir sie betrachten ist eine Täuschung und Wahrheit ist nur, dass alles eine Lüge ist.

Der Schleier: Symbol für den Kreislauf ewiger Selbsttäuschung und doch auch Symbol für die Hoffnung. Wollten wir den Schleier zerreißen, in der Absicht, der vermeintlichen Wahrheit in die Iris zu blicken, zerstören wir auch den Traum – den Traum, der uns über alle Dinge schweben lässt.

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I love Marla Singer …

„You know, the condom is the glass slipper of our generation. You slip it on when you meet a stranger. You dance all night then you throw it away. The condom, I mean. Not the stranger.“(Marla Singer – „Fight Club“)

Die schwarzen Augen von Neapel

An einem heißen und grell sonnendurchfluteten Tag, da spiegelte ich mich in dem Blick ihrer schwarzen Augen wider. Stehen blieb die Zeit, kein Zeiger bewegte sich, in diesem Augenblick, wo ich mich in der Weite ihrer Dunkelheit verloren hatte.

Sanft und still, wie eine Nacht, wo der Lärm der Menschenseelen verstummen, war es, als ich in ihre unergründliche Tiefe schaute, war dieser Moment, als mich wie eine unsichtbare Zauberhand, hin zu dieser unscheinbaren Bar führte.

Ein warmes Lächeln benetzte ihre vollen Lippen, Helligkeit bestrahlte ihr Gesicht und wie aus einem Traum gerissen, fragte sie mich, was ich trinken möchte.

Ihr langes dunkles Haar ruhte auf ihrer schmalen Schulter und benommen von der Sommerhitze und ihrer Erscheinung, von dem Aufschlag ihrer langen Wimpern, orderte ich in kurzen Worten „un caffé“ und durchbrach damit gleichfalls die kurze Stille, die mich umgab.

Einer Katze gleich, mit geschmeidigen Bewegungen drehte sie sich um, gab mir ihre Rückansicht zu sehen. Der Lärm der Mühle, in dem sich die Kaffeebohnen befanden und die sie betätigte, vermischte sich mit den Geräuschen der Musik aus einem Fernseher und den lauten Stimmen der anderen, mit Händen gestikulierenden, Anwesenden.

Wie vor einer glänzenden silbrigen Metallwand stand sie vor der gewaltigen Espressomaschine, mir war, als könnte ich jeden einzelnen Muskel an ihrem Körper dabei bewegen sehen und mit präzisen Griffen, gleich einem Uhrwerk, so als sei sie für einen Moment selbst zum Teil der Maschine geworden, drehte sie den Arm, indem sich der Siebträger befand, heraus, klopfte den alten Kaffeerest auf einem Behälter aus, presste das neue Kaffeemehl hinein und drehte den Arm fest wieder in die Öffnung zurück.

Alles war vorbereitet wie zu einem Fest, eine Untertasse und ein Glas mit Mineralwasser stand bereit vor mir, da schob sie den Hebel der Maschine nach oben, ein gewaltiger Druck, den ich glaubte zu hören, baute sich auf – kurz noch sah ich, wie ihr Gesäß sich dabei aufregend in ihrer engen Hose bewegte – sie sodann den Hebel herunter schob und eine zähflüssige Kaffeemasse sich in eine kleine Tasse presste. Damit der Kaffee sich nicht verdünne, wurden die letzten verwässerten Tropfen von einem kleinen Löffel abgefangen. Die Produktion war vollbracht! Vorsichtig nahm sie, mit rotlackierten Fingernägeln, die heiße, kleine Tasse, stellte sie vor mich hin, drehte sie so, dass der Henkel zu meiner rechten Hand zeigte.

„Prego!“, sagte sie, wieder trafen sich unsere Blicke und ließ mich mit dem, was sie geschaffen hatte, alleine.

Wie ein roher Diamant, frisch abgeschlagen aus einer Höhle, so stand er vor mir, der „Caffé“, geformt aus ihrer Hand.

Sanfter Schaum benetzte seine Oberfläche und seitlich neben mir, geordnet in einem Gefäß, nahm ich mir eine kleine Zuckertüte, öffnete sie und schüttelte langsam die weißen Zuckerkristalle auf die schwarze Masse, wo sie auf der Krone des Kaffeeschaumes liegen blieben.

Einem Drama kommt es gleich, so wie es sich millionenfach jeden Tag in Neapel vollzieht. Der Protagonist in diesem Schauspiel ist der Kaffee, stolz wie ein schwarzer Schwan schwebt er über die Bühne. Voller Bitterkeit ist er noch, zu bitter, um dem Genuss die nötige Leichtigkeit zu verleihen. Dieser schwarze, bittere Königsvogel, voller Kraft, Energie und Triebe, muss sich mit der hellen Unschuld – die eigentlich gar keine ist – vereinen, damit seine breiten Flügel des Genusses über den Gaumen schwebe. Süsslich ruhen die funkelnden, weißen Zuckerkristalle noch unschuldig auf der dunklen, schwarzen Hölle. Es ist ein Kampf des Guten gegen das Böse. Wenn alles richtig läuft, wird das Weiße sich mit der bitteren dunklen Macht vermählen und Beide werden nicht mehr sein, was sie einmal waren: das Bittere wird süßlich sich geben und das Weiße das Kleid der Hölle sich überziehen.

Doch noch war es nicht soweit, noch beugte ich mich herunter, das Schauspiel zu betrachten. Langsam verdunkelte sich die Helligkeit des Zuckers, zurück blieb nur eine kleine Insel, die wie auf einem heißen Vulkan ruhte. Dann jedoch, als hätte eine nimmersatte Glut eine paradiesische Unschuld in den Abgrund gezogen, glitt der Zucker auf den Tassenboden.

Es war nun an mir, die Vereinigung zu vollenden und mit einem Löffel stach ich hinein in das Spiel, rührte darin umher, erhob das Gefäß und trank es leer. Bitter-süßlicher Geschmack verbreitete sich auf meiner Zunge, Unschuld und Sünde vermengten sich, mein Herz schlug höher und der Schleier der Benommenheit zerteilte sich. Einen kurzen Moment ließ ich meinen Gaumen an dem Ereignis sich ergötzen, leerte sodann das Glas mit dem Wasser, legte ein Fünfzig-Cent-Stück als Geste der Dankbarkeit und Anerkennung für die Schaffung dieses Genusses auf den dunklen, gefleckten Marmor Tresen.

Da kam sie wieder aus irgendeiner Ecke zurück, nahm das Geldstück, warf es in einen Becher, räumte Tasse, Glas und alles andere ab, wischte mit einem Lappen über die Fläche, wo zuvor mein Kaffee stand, reinigte alles, so als wollte sie damit den Schlussakt des Schauspiels einläuten. Gestärkt und voller Hoffnungstriebe, machte ich mich bereit zum Fortgehen, schickte der Barista einen Abschiedsgruß hinter den Tresen, den sie willig erwiderte und ging, jetzt mit festeren Schritten, hin zur Ausgangstür und drehte mich, während ich den Messinggriff der Tür in der Hand hielt noch einmal zurück. Sie hatte noch ihr Wischtuch in der Hand, fuhr damit über die steinende Platte und für einen winzig kurzen Augenblick, kürzer noch als der Blitz auf die Erde trifft, verfingen sich wieder unsere Blicke. Die Ausgangstür öffnete sich, ich ging hinaus, blauer Himmel, Hitze und greller Sonnenschein empfingen mich, aus der Schachtel fingerte ich eine Zigarette, steckte sie an, genoss es, wie der Rauch meine Lungenflügel stimulierte, ein Lächeln huschte ungewollt über mein Gesicht – die Welt ist weiblich, dachte ich – und setzte meinen Weg fort, auf der staubatmenden, mit Autos befahrenden Strasse, ging den schmalen Gehweg entlang, wo die Sonne unbarmherzig nieder ging und rettete meinen Blick neben mir in das regungslose, undurchdringliche Bambusfeld.

Blau, so blau war der Himmel an diesem Tag, so voller Licht, doch die Helligkeit, die wahre, die mich umgab, das waren schwarze Augen, Tiefe in die ich blickte – schwarze Augen abgründig, leuchtend und bittersüß.

Die schwarzen Augen von Neapel

Auflösung …

„Wenn das Wissenwollen heute seine größten Ausmaße annimmt, so nähert es sich nicht einer universellen Wahrheit; es verleiht dem Menschen keine sichere und ruhige Herrschaft über die Natur; im Gegenteil, es vervielfältigt die Gefahren, es zerstört die schützenden Illusionen; es vernichtet die Einheit des Subjekts; es befreit in ihm alles, was auf seine Auflösung hinarbeitet.“ (Michel Foucault)

Wissen, Bewusstsein

Verlassener Bahnhof …

Hochgekrempelt der Kragen, festgeschnürt der Mantel, sitzend auf der Bank der verlassenen Bahnhofsmitte. Wie vergessen, flackert aus verrosteten Lampen spärlich noch das Licht. Wieviel Zeit ist vergangen – die Zeiger der Uhr sind abgefallen; keine Stunde, die mehr schlägt.
Zerbrochene Gleise: hinter mir die Ankunft des Vergangenen, vor mir das, welches in die Zukunft trägt.

Wird der Zug je kommen? Nein, er ist umgeleitet worden, hin zu unruhigen Zielen.

Starr bleibe ich zurück, mit der Lüge und der Wahrheit in dieser Mitte, hineingefallen in eine stille, zeitlose Welt. Über mir das morsche Dach; gibt mir den Blick frei in eine kristallene Sternennacht – Klarheit bescheint meine Sinne. Frischer Wind kühlt mein Gemüt und voll des schmerzlichen Glücks lehne ich mich befriedigt zurück; die Wüste der Verlassenheit umspült ein Lächeln meine Lippen. Was gestern ankam ist morgen wieder verschwunden. Stolz empfanden einst die Erbauer über den Bau, in dem ich sitze. Nun ist er zerbrochen und die Gleise führen nirgendwo mehr hin. Die Hoffnung ist die Niederlage des Augenblicks.

(inspiriert v. Eisscherbens „einsamen Bahnsteig“)

„Angst essen Seele auf“- oder: Don’t Heidenau me!

„Angst essen Seele auf“, so ein Film von Fassbinder und was in Heidenau geschah, ist treffend mit diesen Worten zu vergleichen.

ANGST – sie hat die Dümmsten auf die Strasse getrieben, jeglicher Hauch von Menschlichkeit ist auf der Strecke geblieben. ANGST – alles Zivilisierte ist verloren gegangen, sie haben sich schlimmer wie Schweine benommen, aus Heidenau haben sie einen Saustall gemacht und intelligentes Leben mit Dreck beworfen.

ANGST – ist des Kleinbürgers liebste Eigenschaft, ANGST hat den Faschismus an die Macht gebracht und nun sehen wir wieder einmal, ANGST ist gefährlich und aggressiv.

Nein, Ausländerfeindlichkeit ist kein deutsches Phänomen, Großbritannien und die USA liegen an einsamer Spitze, Deutschland sogar nur im unteren Mittelfeld. Nur zu sagen, „die Deutschen mal wieder“ wäre auch ungerecht gegen all diejenigen, die sich gegen Rassismus engagieren.

ANGST-Bürger sind meist diejenigen, die mit Ausländern am wenigsten in Berührung kommen, ihre ANGST ist irrational, sie glauben, weil ihre Köpfe leer sind, es könnte was Schlimmes passieren. Es sind charakterlose Loser, die ewig nach Schuldigen suchen, warum sie so Scheiße sind. Verharmlost diese dummen Verlierer nicht, sie sind gefährlich! Sie sind die Säulen autoritärer Systeme.

Vielleicht würde es helfen, um sie eine Mauer zu bauen und sie zu zwingen Bücher zu lesen. Vielleicht müsste man z.B. jeden Heidenauer an die Hand nehmen, über den Kopf streicheln und langsam, langsam an einen Fremden heranführen und ihnen sagen, guck mal, ist doch alles gar nicht so schlimm.

Ja, dieser ödipale Prozess mit diesen bierbäuchigen, glattköpfigen Idioten würde vielleicht helfen. Doch statt dessen sperrt man die Flüchtlinge weg und schiebt sie ab in Ghettos. Integriert gefälligst die Ausländer und schließt sie nicht aus!

Ausländerfeindlichkeit trifft man dort, wo das Bildungsniveau am niedrigsten ist. Das ahnte ich schon, wenn man so einige Angstbürger reden hört. Bildung also! Aber genau dort wird am meisten gespart, so als sei dieser Bereich gar nicht mehr nötig. In der PISA Studie schnitt Deutschland, als reichstes Land in der EU jedenfalls am schlechtesten ab. Das sagt doch alles.

Ha! Und dann die Männer: sie sind am empfänglichsten für Fremdenfeindlichkeit. Wundert es? Welcher Mann liest überhaupt noch, außer Sport- oder Politiknachrichten in Tageszeitungen …? Welcher Mann liest noch Literatur, liest Romane? Frauen sind es zum größten Teil und der Abstand zu den Männern nimmt ständig zu. Den starken Ritter mit dem Schwert in der Hand, der Liebe im Herzen und goldenen Worten auf der Zunge gibt es kaum noch mehr. Nicht dass dies die alleinige Ursache der geistigen Entwurzelung ist – aber es ist eine. … Nun, das ist ein anderes Thema.

Fazit: wollen wir nicht auf der Stufe der Zivilisation herabsteigen, müssen wir den Flüchtlingen helfen. Wir müssen es auch alleine deswegen, um der Dummheit Schaden zuzufügen.

Man stelle sich Deutschland ohne Ausländer vor, man stelle sich vor sie hätten die Deutschen mit sich alleine gelassen – das käme einer Katastrophe gleich, das wäre wie Heidenau. Nicht nur Angst, sondern auch Dummheit frisst die Seele auf und deswegen muss Bildung her und zwar die Richtige, denn Dummheit ist schließlich die böse Schwester der Angst.

Natürlich ist dies hier alles ziemlich allgemein, es ist nicht meine Absicht, eine wissenschaftliche Abhandlung  zu verfassen. Das sollen andere machen

Wer sich weiter über Ursachen der Fremdenfeindlichkeit informieren möchte, darf sich gerne durch den Wust einer Statistik von Umfragen durchwühlen:

http://www.blogs.uni-mainz.de/fb02-arbeit-und-betrieb/files/2014/05/KrausPP.pdf

Interessant ist auch folgender Artikel über das Leseverhalten von Frauen und Männern:

 NZZ Leseverhalten  

Ciao, Kadee

Der Popel als Erinnerung an die verlorene Zeit

Jahre über Jahre ist es her, da hielt Heinz einen Vortrag über interessante, politische Dinge und wir hörten ihm dabei fasziniert zu. Was er zu sagen hatte, war enorm wichtig – so jedenfalls empfand ich es damals – wenn Heinz sprach, war es von Bedeutung. Doch dann passierte etwas, was seinen Inhalt gänzlich relativierte: Im Eifer seiner Rede löste sich aus seiner Nase ein dicker, fetter, schleimiger Popel, den er, als er ihn bemerkte, wegwischte und, weil kein Taschentuch vorhanden war, ihn sich – mit der linken Hand die untere Gesichtshälfte verdeckend – mit der rechten Hand in seinen Mund schob und herunterschluckte. 

Vielleicht glaubte er, niemand würde es bemerken – alles ging ziemlich schnell – aber ich tat es, meine Aufmerksamkeit war vollends auf diese Altion gerichtet und weg von dem, was er noch weiter sprach.

Jetzt noch – eine gefühlte Ewigkeit später – wenn ich an Heinz denke und mir sein Gesicht vorstelle, sehe ich auf seiner Oberlippe diesen grünlich-gelben Fleck kleben. Mir ist, als gehöre dieser Popel zu seiner Persönlichkeit, als würde er sich immer wieder neu bilden, als wäre Heinz nichts anderes als eine Person, die sein Naseninneres immer wieder aufs Neue verdaut. 

Tragisch, dass Heinz nicht ahnt, wie ich ihn sehe und sich gewiss nie daran erinnern wird, was er an jenem Tag, die meine Sichtweise zu ihm veränderte, tat. Es wäre sehr absurd ihm zu schreiben, dass, wenn ich an ihn denke, immer diese Situation vor meinen Augen hätte. 

Erstaunlich ist es, dass ich alles, was er einst sagte, vergessen habe, dass ich nicht einmal mehr ansatzweise weiß, um welches Thema es sich handelte, obwohl es doch so wichtig war. 

Interessant auch, dass sich die Worte in der Erinnerung viel schneller verlieren, als das Äußerliche. Ich erinnere mich an das Klack Klack ihrer Absätze, wenn sie meinen Raum betrat, an ihr Kleid, an ihren Lippenstift, erinnere mich genau an die Formen ihres Gesäß … Doch weiß ich noch jedes Wort, was sie sprach? Es sind nur wenige Worte der Erinnerung, Worte die wie scharfe Klingen, Worte, die wie Explosionen sind.

Heinz‘ Popel ist immerhin die Brücke hinein in eine Zeit, die, ohne dass dieser an seiner Oberlippe geklebt hätte, wahrscheinlich vergessen gewesen wäre. Heinz, wenn er sich im Spiegel betrachtet, würde sich niemals so sehen, wie ich ihn sehe, würde sich als was anderes erkennen. Aber so ist es wohl immer: jeder von uns ist für den Anderen ein Fremder. 

Nackte Schulter …

Sie sagte, sie könne nicht in diese Kirche gehen, ihre Schultern seien nicht bedeckt. Da wusste ich, dieser Gott, dieser Kirche ist nicht richtig – er kann unmöglich der Schöpfer dessen sein, was ich am Unbedeckten an ihr sah.naked shoulder

DASS …

Dass …… niemals die Zeit zurück sich dreht,

Dass …

… Du Deine Lippen auf meine legst

Dass …

… der Flügel des Schmetterlings die Welt bewegt

Dass …

… zu meiner Liebe der Himmel sang,

Dass …

… ein Dolch mein Herz durchdrang,

Dass …

… das Wasser ewig den Bach hinunter fließt,

Dass …

… die alte Frau im Sarg das Haus verließ,

Dass …

… der Kopf der Blume auf dem Grab sich senkt

Dass…

… bald niemand mehr den Namen kennt

Dass …

… alles richtig an seinem Platz steht

Dass …

… das Leid das Glückt versteht

Dass …

… es ist wie es ist,

Und:

Dass …

… es Dich gibt, 

Zeigt:  ——- wir sind im Paradies.

  

Halbmond in Italien

Der Halbmond hier, mit seinem bleichen, silbrigen Licht, meine  Dunkelheit durchbricht.
Siehst Du sein narbiges Gesicht, siehst Du, wie er lacht, wie er spricht – mit meinem Herzen Blut in seinen Händen?  

Das Pochen, fühlst Du es in der Ferne, wo immer Du auch bist, hörst Du wie ich an Dich denke? 

Halbmond in Italien –  ein Beben geht durch die stille, klare Nacht, mit Trotz und Stolz hat er die Welt umfasst. 

  

Das Foto …

Da saß er aufrecht im Lotussitz: Sein rechtes Auge geschlossen, das linke ausgehöhlt, seine beiden Unterarme abgefallen, genauso wie sein Leben.
Eine ergreifende Wirkung. Nach 280 Jahren hatte man ihn wieder ausgegraben und ans Licht geholt – „ihn“,den mumifizierte Mönch.
Kein „Ich“ ist bei ihm mehr vorhanden und nichts wäre mehr wahrnehmbar, wäre dieser Mönch in all den Jahren zu Staub und Asche zerfallen. So aber sitzt er aufrecht und benimmt sich wie ein Schlafender, der wieder erwachen könnte. Etwas Geheimnisvolles umgibt ihn, sein ewiges Schweigen erregt die Phantasie.
Diese Stille, diese Regungslosigkeit, dieses für immer verschlossene, versteinerte Gesicht sucht nach Antworten, die nur er geben könnte. In ewige Leere hat er sich geflüchtet, dorthin, wo, wenn wir ihn befragen wollten uns nur selbst die Frage stellen können. Dadurch, dass er als Abbild eines Menschen noch vorhanden ist, berührt er mich. Wie zart, wie gasförmig, so denke ich, muss sein Leben, an jenem Tag vor 280 Jahren, als er beschloss, in eine nicht zurückkehrende Meditation sich zu begeben, aus ihm entwichen sein.
Und ich, der weit nach ihm geboren ist, erblicke ihn in dieser Haltung auf einem Foto in einer Zeitung und schreibe nieder, was ich dadurch empfinde. Nun lebt er wieder durch mich, lebt durch die Empfindungen meiner Betrachtung.
Das ist die Macht des Fotos: es bewegt sich nicht, es spricht nicht. Sobald ich eine Fotografie aus vergangenen Zeiten betrachte, wird mir die Leere des eingefangenen Augenblicks bewusst, die ich nur mit meiner Phantasie füllen kann.
Die Fotografie meiner Mutter, sie sitzt auf einem Stuhl im Garten, trägt einen Hut, der sie vor der Sonne schützt. Auch ihr Lachen, das sie für dieses Foto tat, ist gefangen. Ich höre ihre Stimme, ich glaube sie zu hören, mit der sie mich als Kind rief und erinnere mich an ihre Eckzähne, die oftmals, wenn sie den Mund schloss, sich erst später verdeckten.
Vor langer Zeit schon ist sie aus dem Leben gegangen. Die Schichten der Zeit haben sich über die Erinnerungen gelegt. Jetzt wo ich das Foto wieder sehe, kehrt eine Vergangenheit zurück, die es so nie gegeben hatte. Das Gesicht meiner Mutter, das ich wieder sehe, ist meine Einbildung, aus dem etwas Neues entsteht. Sie – meine Mutter und auch die Vergangenheit – ist nicht das, was sie einmal war, sondern eine Geschichte, die ich neu erzähle.
Wir sind dazu verdammt, niemals einen Moment zurück holen zu können, denn unsere Erinnerungen sind vielleicht schön, aber dennoch trügerisch.
Das Foto ist leer – leer auf eine besondere Art, weil es mir, dem Betrachter, erlaubt alles hineinzulegen. Wollte ich Vergangenes aufschreiben, könnte ich niemals objektiv sein, ich schriebe es gefärbt aus dem „Jetzt“ auf. Das ist das Problem von Biografien oder das Erzählen von historischen Ereignissen – sie können nie stimmen.

Stumm stehe ich vor einem vergilbten Foto aus dem Jahre 1910 : Eine Gruppe von Menschen posieren in einem eingefangenen Augenblick. Das Lächeln eines Mannes, dahinter ein unaufgeräumtes Regal – ein Zeichen von Leben. Die Gruppe sitzt um einen Tisch, ein kleines, junges Mädchen, gewiss vor längerer Zeit verstorben, blickt in die Kamera.
Eine Frau beugt sich zu einem Mann. Ist es die Ehefrau? Was ist aus ihrer Ehe geworden und wie haben sie wohl ihre letzten Stunden verbracht? Vielleicht sind es die Eltern des Kindes, das so klein und unschuldig in die Kamera schaut. Vielleicht wollten die Eltern für alle Ewigkeit schützend ihre Hände über ihr Mädchen legen und wollten nicht, dass ihr was Schlimmes passiere.
Doch die Zeit ist eine Mörderin, reißt alles nieder, raubt den Eltern die Kraft der Liebe, mit der sie das Kind hätten halten können, raubt dem Kinde auch die Jugendlichkeit, nahm sich auch noch die Kinder und Kindeskinder dieses Mädchens, das mich aus dem Bild unschuldig und hoffnungsvoll anblickt. Ich bin weit in ihre Zukunft vorgedrungen und blicke in die Küche hinein, einer Küche in einem Haus, das es schon lange nicht mehr gibt. Beklommenheit macht sich in mir breit, dass einst, in hunderten von Jahren, ein Nachfahre ähnlich mein Abbild auf einem Foto erblicken könnte.
Der Tod hat eine Geschwindigkeit, die nicht gemessen werden kann. Zurück bleibt das Foto von dem, was einmal war. Je unbeweglicher und länger ich davor verweile, desto mehr bewegt es sich und verrät mir eine Geschichte. Die Verstorbenen sind hinausgeschossen ins Irgendwo doch die Lebenden halten den Strom im Gange. Zu jeder Geschichte, die einmal war, wird etwas dazu gesponnen – eine Wahrheit gibt es nicht.
Solange ich bin, trage ich die Welt auf meinen Schultern, forme ich sie in diesem Moment, wo ich hier sitze und es aufschreibe. So wie alles Leben im Universum, sich auf der kleinen Erde versammelt, so bündelt sich alles Leben in diesem kurzen Augenblick – alles was danach geschieht gehört zu einer anderen Epoche.
Ich will nichts über meine Zukunft wissen.

Saluti,
— Mazoni —

mazoni

Ich hatte heute den Tod gesehen …

… und nichts dabei empfunden. (Fonteanelle, Neapel)

  

Mein Herz so weiß

Das, so finde ich, ist ein wunderbares Intro. Ich mag lange Sätze, weil sie einem den Atem rauben und ich weiß, wie schwer es ist, solche Sätze zusammenzuhalten. Javier Marias ist ein Meister der neuen Literatur. 
„Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe erfahren, daß eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Eßzimmer befand, ihr Herz suchte. Als der Knall ertönte, etwa fünf Minuten, nachdem das Mädchen den Tisch verlassen hatte, stand der Vater nicht sofort auf, sondern verharrte ein paar Sekunden lang wie gelähmt mit vollem Mund und wagte nicht zu kauen noch zu schlucken und noch weniger, den Bissen auf den Teller zurückzuspucken; und als er sich endlich erhob und zum Badezimmer lief, sahen jene, die ihm folgten, wie er, als er den blutüberströmten Körper seiner Tochter entdeckte und die Hände an den Kopf hob, den Bissen Fleisch im Mund hin und her bewegte.“

  

Alma…

„Deine Fehler sind unendliche Güten, Deine Schwächen sind unbegreifliche Schönheiten, Deine Müdigkeiten sind unauskostbare Süssigkeiten“ ( Liebesbrief von Paul Kammerer an Alma Mahler-Werfel)

Dank „sugar4all“ bin ich auf der Spur dieser Frau, die für viele Persönlichkeiten Muse und Ungeheuer war. Alma Mahler-Werfel. 

  

Das „Selbst“ ist ein schlechtes Schauspiel …

Die größte Schwierigkeit bereitet mir, zu bestimmen, wer ich bin. Es ist mir unmöglich so tief in mich hineinzuschauen, um den Kern meiner Persönlichkeit zu finden. Und selbst, sollte ich den Kern all meines Seins finden, würde es mir Mühe bereiten, ihn als Fackel mit mir umherzutragen.

Zwar habe ich mir gewisse Eigenschaft erfunden und Worte dafür zurechtgelegt, doch weiß ich nicht, ob das alles nicht nur ein Schauspiel ist, in einem Spiel, das wir alle spielen.

Erstaunlich empfinde ich es, wenn gesagt wird „Finde zu dir Selbst“. Das hieße ja, in jedem von uns gäbe es was Unveränderliches, etwas Eigenes, ein „Selbst“ ähnlich einer Maschine, die unentdeckt in den Tiefen wohnt und unermüdlich arbeitet. Ein „Selbst“ wäre es, das von Hunger oder Krankheit unberührt bliebe und auch die Leidenschaft, z. B. die einer Liebe, ließe es völlig kalt. Stoisch und ziemlich unbeweglich, thronte dieser Kern im tiefen Untergrund eines Menschen, eines Tieres und sogar jeder Pflanze.

Als ich gestern einen zwölf Jahren alten Jungen sah, da erinnerte ich mich daran, wie ich einmal war; in seinem Alter. Seitdem jedoch, in all diesen Jahren, bin ich schon mehrmals gestorben und längst nicht der, der ich einmal war. Absurd wäre es, dahin zurück zu kommen; in die vergangene Zeit.

Jede Einzelheit, jede Sekunde müsste ich einsammeln, das „Selbst“ das mich als Junge umhüllte, wiederzufinden. Das Läuten der Kirchenglocke, der Ruf der Mutter, die Stimmen und Körper der Freunde, der Deutschlehrer mit dem Glasauge, die Lederhose, die ich trug, die Sonne, die auf meiner Haut brannte, die Mücke, die mich mitten ins Gesicht stach, der Milchladen um die Ecke, das Mädchen mit dem schwarzen Haar … All dies, und Millionen, Trilliarden anderer unbewusster Dinge, müsste ich zusammen tragen, zu einem Ball formen, zu einem Kern, der ich einmal war. Ein sinnloses und unmögliches Unterfangen – würde aus all diesen unendlichen Teilchen nur eines vergessen, wäre das „Selbst“ aus der Vergangenheit dahin.

„Finde zu dir selbst“ – es ist eine Illusion, die nicht mal schön ist. Der Körper ist nur angenehm an seiner Oberfläche, innen aber ist er ein Gefängnis, indem die Seele gefesselt liegt. Und trotzdem, statt die Gitterstäbe aufzubrechen, sehen viele eine Erfüllung darin, in diesem Knast Löcher zu graben, in die sie am Ende selbst hereinfallen – denn außer einen Abgrund werden sie dort nichts finden. Wie denn auch, mit jeder Bewegung, mit jeder Handlung und Ereignis verändert sich das Sein. In mir befindet sich immer was Fremdes, weil das Tier, das in meiner Höhle wohnt sich ständig verwandelt.

Als die Liebe einst unverhofft aus dem Gebüsch sprang und mich packte, da zwang sie mich, nicht mehr das zu sein, was ich vorher war – da starb ich hinein in einen neuen Traum und das „Selbst“ war vergessen. Liebe ist nicht Tiefe – ist nicht das Bohren in sich hinein – Weite ist sie, Geben wollen; eine Flucht ist sie, eine, nach vorn. Ein Traum ist sie, der sich in der Geliebten manifestiert, Entdeckerin ist sie, will erobern, was noch keiner kannte.

„Finde zu dir Selbst“ – es ist eine Scheiß-Moral, die mir nicht behagt. Trägheit ruft sie hervor. Statt in die Tiefe zu gehen suche ich lieber das Weite, lass mich durchfluten von der Welt- statt in den Abgrund meines „Selbst“ zu blicken, fliege ich davon. Und sollte der Psychologe mich suchen , bin ich längst verschwunden.

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Der heilige Orgasmus … oder die Welle, die vor mir bricht

Das Meer hat ein Lied gesungen und versunken am Strand, lausche ich der Musik. Helle Sopranstimmen, wenn die Wellen an das Ufer brechen, weiter draußen der Bariton, das tiefe Rauschen, wie ein Raunen, das aus der Tiefe des Meeresbodens kommt. Weiße, fette Möwen lassen sich vom Wind treiben, stimmen mit quiekenden Vogellauten ein in das Konzert – Kinder spielen Ball, schreien umher: Ein Erd-Choral ist entstanden. Gehen alle Seelen zurück ins Meer?Ich denke an Falten – gerade nun, wo vor meinen Füssen das Meer sich entfaltet, Welle auf Welle entsteht. Niemals wird die Welle, die ich sehe, wiederkommen – nur einmal, an diesem Tag wird sie sich zeigen, untertauchen und verschwinden in der Weite des Ozeans. Kein Lied wird wieder ähnlich klingen, wie dieses – es wurde mir nur einmal gespielt, danach wird ein anderes folgen. Ich denke an die Falte. Wieso? Wären wir im Stande, nur einen Bruchteil einer Sekunde zurück zu drehen, die Welt würde untergehen – sie könnte die Wiederholung der Myriaden von Ereignissen nicht verkraften.   Es ist die Erinnerung, die uns vor dem Wahnsinn bewahrt, dass nichts so ist, wie es einmal war, dass die Brust, die uns säugte sich verwandelte, dass die kleine Welle, dieses Kind, zurückfließt ins Unkenntliche.  Die Erinnerung, sie ist trügerisch, schön gefärbt, niemals wahr, aber immer immer wunderbar. Die Bilder haben sich in ihr gefaltet, das Gesicht der Geliebten strahlt in ihr, Gerüche haben sich dort gesammelt, Stimmen und die Berührung einer Hand. Was erinnert wird, bekommt neues Leben, ein anderes, aus dem es sich speiste. „Der kleine Prinz“ sagt, man müsse mit dem Herzen sehen – in der Falte schlummert die Essenz, liegt das verborgene Gefühl. Die Welt ist gefaltet, sie hat keine Tiefe, die Geheimnisse können nur oberflächlich entfaltet werden. Ein Traum, der kommt, uns berührt und von fremden Dingen berichtet – die Liebe, die unerwartet hereinbricht und alles Denken verändert, Worte, die wie aus einer anderen Welt kommen, Musik oder ein Gemälde, was völlig selbst entsteht, als hätte alles ein Eigenleben – das sind Falten, die aufgebrochen werden, wo, wie aus einer Flasche, ein Geist entspringt.  Auch dieser Text hat sich irgendwie entfaltet – wollte ich doch eigentlich etwas über den „heiligen Orgasmus“ schreiben. Der Orgasmus, indem sich alles entfaltet … die Bilder, die Sinne zum Explodieren bringt, verborgene Gefühle nach oben schwemmt, sich wie die Welle verhält, die krachend ans Ufer bricht. Ich wollte mich zu der gewagten Behauptung hinreißen lassen, dass die Wahrheit im Erotischen liegt. Gerne hätte ich mit nur einem Pamphlet alle Genitalien zum Brennen gebracht. Doch das überdenke ich nun und werde es verschieben.  

Wunsch …

„Wir gelangen nicht dazu, die Dinge nach unseren Wünschen zu ändern, aber ganz allmählich macht unser eigenes Wünschen eine Wandlung durch.“
Marcel Proust

kadee mazoni

I’ll be your mirror …

Artist: Wilhelm Gallhof. „The coral chain“, 1910
„I’ll be your mirror
Reflect what you are, in case you don’t know
I’ll be the wind, the rain and the sunset
The light on your door to show that you’re home“
(Velvet Underground)

kadeemazoni

Alex Zondro …

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Alex Zondro ist der Artist, der das Cover für „Serena“ gestaltet hatte. Hier sind noch mehr Werke von ihm zu sehen: Alexzondroart

Olivetti Underwood

Vierzig wollte er dafür haben, aber ich konnte ihn auf zwanzig herunterhandeln. Und jetzt hab ich sie, die schöne Olivetti Underwood. Welch ein schöner Sing Sang, wenn man die Tasten drückt, es erinnert an vergangene Zeiten. Umlaute gibt es allerdings nicht – ist ja schließlich auch eine Italienerin.

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Eifersucht …

… ist der Kern der Liebe. Eifersüchtig ist der Liebende. Ist er es nicht, ist er kein Liebender. Wir lernen am besten von den Dingen, wenn uns etwas zum Denken zwingt – der Liebende gehört dazu, er ist der Ägyptologe, der die Landschaft der Geliebten erforschen MUSS. Sein Eifer, seine Sucht wird für ihn zum Überleben – ein Überleben MÜSSEN in einer fremden Umgebung. Jeder Windstoß des Haares, jede Mimik, jede körperliche Bewegung, jeder Tonfall der Stimme ist geheimnisvoll – jedes Zeichen will er interpretieren. Selbst das Universum, in der sich die Geliebte befindet, bleibt von der Erforschung nicht verschont.

Ja, die ganze Welt stürzt in ein buntes Chaos der Gefühle, all die Zeichen, all die Interpretationen purzeln durcheinander. Es ist zuviel und dennoch nicht genug.

Eifersucht

Neapel – das ist reinste Anarchie und Leidenschaft. Ich liebe die Menschen hier!

„Ich hatte trotz all der Zeit, die vergangen war, Mitleid mit diesem Jungen. Hätte er auch nur ansatzweise für sie so viel empfunden, wie ich für sie empfand, konnte ich seinen Schmerz geradezu spüren.

„Aber du hast ihn doch geliebt, oder?“, fragte ich sie naiv, mir war, als hätte das Foto und die Geschichte mich wie ein Pfeil getroffen.

„Ist Liebe denn nicht unvergänglich?“

Sie lachte laut auf.

„Ja die Liebe ist unvergänglich“, sagte sie und nahm mir das Foto aus der Hand, steckte es zurück in die Schublade.

„Sie ist solange unvergänglich, wie sie wirklich Liebe ist. Verstehst du, sie ist unendlich nur in sich selbst. Ich hatte ihn geliebt. Wirklich! Ich war dreizehn und er war fünfzehn, ich hatte ihn geliebt und er auch mich, wir waren füreinander da, unzertrennlich, mit all unseren kindlichen Gefühlen. Doch dann verließ mich eines Tages das Gefühl, ich sehnte mich nach was anderem, wollte andere Wege gehen. Also hab ich ihn verlassen. Das ist doch nur ehrlich, oder?“

aus:“Serena“ – jetzt als Buch, zum Anfassen und so.

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neapolitanischer Caffe und Buch

„Natürlich wusste ich, welch ein zartes Gebilde diese Liebe ist, und dass sie durch Unachtsamkeit oder Langeweile schnell zerbricht. Aber ich befand mich mitten in ihr, in meiner Liebe zu ihr, und das Gefühl, es könnte mir eines Tages genauso ergehen wie jenem Jungen auf dem Bild, schnürte mir den Magen zu.“

– aus: „Serena“ – jetzt als Buch.

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Serena als Buch

„‚Du willst doch nicht im Ernst sagen, dass die Kriege nur deswegen passieren, weil der Mann zu früh kommt?‘, wollte ich ihr widersprechen.“ aus „Serena“ jetzt als Buch.

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Serena als Buch …

SERENA jetzt auch richtig als Buch, zum anfassen aus Papier, zum umblättern, fürs Bücherregal, fürs Bett, zum Reinkritzeln zum fotografieren. Auch zum Verschenken! HIER! Serena

Bei Rezensions Absichten schicke ich das Buch gerne zu!

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Drama einer Liebenden …

„Aus ihrem schmalen Körper brechen Flammen der Exaltation, ihre Sanftheit löst sich plötzlich in einen bacchantischen Taumel der Leidenschaft, sie preßt sich mit einer unvermuteten Trunkenheit an den Erstaunten, mit einem Durst, als wollte sie von ihm allein alle Seligkeit des Himmels und der Erde trinken. Er will eine Geliebte und findet die Liebende, er begehrt in ihr die Frau, die wunderbare, die vielfältige, die neue, und sie ist die glühende, immer die gleiche. Er will die Lust, und sie gibt ihm die Liebe. Er will Stunden, und sie bietet ihm die ganze Unendlichkeit.“ (Stefan Zweig über die Dichterin Marceline Desbordes-Valmore) 

  

Stummer Schrei …

Nachrichten: ein blutiger Teppich – allmorgendlich – breitet sich vor mir aus. Schreie dringen aus den Schriften, Laute aus der Ferne, Hände strecken sich entgegen. Lautlos und innerlich schreie ich zurück, reiche im Geiste dem Ertrinkenden meine Hand … Doch zu spät, meine Phantasie vermag es nicht, auch nur einen einzelnen zu retten.

Wellen brausen über die Köpfe hinweg, ziehen alle Hoffnungen in gurgelnde Tiefe und die weit aufgerissenen, angsterfüllten Augen werden vom salzigen Meereswasser bedeckt. Das gesegnete Land bleibt unerreichbar, verschwunden ist auch die Heimat.

Der aussichtslose Kampf mit dem Meer beginnt, die Schreie verstummen, füllen sich mit Wasser, wer zuvor seinem Leben nicht viel Wert bemaß, der macht es jetzt. Ewig dauert die Zeit bis zum Tode, länger und unendlich ist sie, länger wahrscheinlich noch, als das Leben zuvor. Dann die Ermattung, ein Aufgeben, ein Nicht-Mehr-Können wollen, die Luft dieser Erde wurde genommen- die Blüten, die Sonne, die Freude, das Leid, die Liebe, die einmal war, die Freunde, die Kindheit, das Spielen, alle Berührungen, die der Ertrinkende einmal empfand – spulen sich ab als Film, als Erinnerung, in diesem Meer voller Rauschen und Luftblasen. Noch einmal wird der Körper an die Oberfläche geraten,  für einen Augenblick verstummt das grausame Gurgeln, die Luft des Lebens,  Balsam unseres Paradies, in dem er leben wollte, berührt sein Gesicht – noch einmal scheint nur kurz die Sonne, trifft das Augenlicht mit hoffnungsvollen Strahlen, vielleicht im Wahn noch ein letztes Lächeln auf den Lippen, ein Bild im Kopf, von dem, was einmal war – dann sinkt der Körper in die Tiefe, das Meer nimmt sich all die Gefühle, all die Gedanken, all die Liebe, nimmt sich den Herzschlag und die Seele, pustet das Leben aus, wie eine Kerze. Ein ganzes Universum geht zugrunde, alle Worte stehen still, alle Erinnerungen sind weiß wie Schnee.

Angespült oder raus geholt wird der Körper, in dem einst ein eigener Gott thronte, ein Körper, indem das Bild der gesamten Menschheit sich befand. Körper über Körper werden ans Land gezogen – Götter über Götter, deren Namen man nicht kennt, Menschen aus einem fernen Land. Jeder einzelne hat eine Geschichte – doch es sind zu viele. Wer wird diese Geschichten je erzählen können?

Der Vorhang zieht sich zu, das allmorgendliche Drama wird mit Werbeeinblendung beendet.  Zurück bleibe ich allein als Nachrichtenempfänger. Mit Tränen im Herzen gehe ich hinaus, öffne die Tür, atme die Luft, atme sie tiefer als zuvor;  diese Luft, die in Übermaßen die Welt erfüllt, diese Luft der Freiheit, die anderen fehlt.

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Oha! Der Lippenstift …

Erigiert in deiner Hand

der Lippenstift:

Unter Eisbergen gebärt sich neues Land.

Nein! Einem Engel gleichst du nicht.

—–

Feuerwellen entzünden mich,

Dein Stolz wird den Himmel zerbrechen.

Auf deinen Mund setzt Du den Strich,

Oh schönes, sündiges Verbrechen.

—–

Wie mattes Mondlicht,

Blondes Haar gefüllt mit fernen Düften,

Leuchtet mir Dein Gesicht,

Darin blühende Verse satanischer Schriften.

—–

Blutrot – gleich Deiner geschwungenen Lippen –

Rennen Lavaströme durch die Lenden.

Gestrandet an Deinen Klippen,

sehe ich am Galgen die Sonne hängen.

——

Ein Kinderhirn will mit Dir spielen,

Das Schmiegen Deiner Hüften umgreifen.

Flammen sollen aus Deinem Rachen sprühen;

Mich mit gefesselten Herzen in den Abgrund treiben.

—–

Stürzen wir uns ins Verderben …

… Du und ich und Dein Lippenstift            —Mazoni —

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Seite 99 …

… eine gute Idee der Betreiber von www.seite-99.de :

Auf Seite 99 sind wir mitten in der Handlung. Der Autor hat die wichtigsten Figuren und Handlungsorte eingeführt und sollte sich also beim Schreiben selbst mitten in der Handlung befunden haben.

Wenn diese Seite spannend, mitreißend und unterhaltsam ist, dann wird man als Leser wissen wollen, wie die 98 Seiten davor waren. Und wie es weiter geht.“

Seite 99 von „Serena“ (klick,klick,klick!)

Serena als gedrucktes Buch

Noch allerdings nur auf Amazon.com. Trotzdem (scheinbar) versandkostenfrei. Ich versuche krampfhaft es auf .de zu bekommen. Wird bestimmt bald klappen. Uff.

Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft  (drauf klicken!)

Wenn es auf amazon.de erscheint sage ich Bescheid. Wer Rezensionen schreiben möchte, den schicke ich es zu!

Rimbaud

„Ich sage, man muß Seher sein, muß sich sehend machen.

Sehend macht sich der Dichter durch eine lange, unermeßliche und planmäßige Ausschweifung aller Sinne. Alle Formen der Liebe, der Qual, des Wahnsinns; er sucht eigens, er erschöpft an sich alle Gifte, um nur ihre Quintessenz zu bewahren.

Unsägliche Tortur, für die er allen Glauben braucht, alle unermessliche Kraft, bei der er unter allen der große Kranke wird, der große Verbrecher, der große Verdammte, – und der höchste Wissende! – Denn er kommt an im Unbekannten!“ (Arthur Rimbaud, 1871)

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Fahren, fahren, fahren …

… dem Horizont entgegen. Kein Tag ist wie der nächste – jeder Morgen ein neuer Beginn. Fahren, fahren, fahren …   niemals ankommen, ein Schleier der Ewigkeit umhüllt unsere Sinne. 

  

William Adolphe Bouguereau und „Serena“

„Es folgt die Nacktheit der Engel: … – sie selbst sind von obszöner Schönheit. Ihre Gesäße sind voller prächtiger Rundungen, ihre Körper sind so zart und klein … nackter noch als nackt sind sie. Sie offenbaren unter ihrer Haut nochmals eine zweite Haut, sie haben sich geöffnet, sind bereit alles von sich zu geben. Sie haben sich frei gemacht bis hin zu ihrer Seele und umkreisen die Schönheit der sitzenden Frau. In wunderbarer Art legen die Engel ihre gesamte Existenz dieser Frau zu Füssen; all ihr Sein opfern sie, nur um einmal von ihr berührt zu werden. Doch die Schöne, in ihrem fast schon göttlichen Antlitz, nur mit einem dünnen, weißen Kleid bedeckt, sitzt stumm da, verloren und doch so präsent. Ihr Blick ist in die Ferne gerichtet, als suche sie dort nach etwas, was noch kein Mensch kennt. Was sucht sie nur? Ist es ein Gefühl? Eine Erleuchtung? Welch ein Geheimnis steckt nur in ihr? Ja, morgens meist, betrachte ich mir das Bild, versuche herauszufinden, nach welcher Erfüllung sie wohl suchen würde und ob je jemand im Stande sei, ihr diese zu geben. Manchmal glaube ich, ich hätte die Lösung gefunden, doch bei der nächsten Betrachtung, verwerfe ich sie wieder. Vielleicht sucht jene Frau in Weiß das Unendliche, das beständiger ist als alles, sucht das, was wir niemals leben können.“ (Babs in: „Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft“)

War der Autor wohl von diesem Bild inspiriert?

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„Keep The Streets Empty For Me“ Fever Ray

I’m laying down, eating snow
My fur is hot, my tongue is cold
On a bed of spider web
I think of how to change myself

A lot of hope in a one man tent
There’s no room for innocence
Take me home before the storm
Velvet mites will keep us warm

Serena – im Netz der Leidenschaft für 99 Cent

Für kurze Zeit ist Serena als E-Book für 99 Cent zu erhalten. Danach wird es von dem Buch auch eine Printausgabe geben.

Wer also Serena noch nicht kennt und kennenlernen möchte, klickt hier auf den Link: Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft

Teil 2 dieser Geschichte ist eigentlich schon fertig – im Kopf! Muss nur noch niederschrieben werden 😉 Ciao, Kadee

fem-kiss2-mazoni

LEIDENSCHAFT …

… ein genialer Begriff, den es so nur im Deutschen gibt. Kaum ein anderes Wort drückt aus, was es mit der Leidenschaft auf sich hat.

Ein Kampf! Gekämpft wird mit den Speerspitzen der Herzen. Ein Spiel, um das sich das gesamte Dasein dreht. Und wie in allen Spielen muss der Kämpfer oder die Kämpferin bereit sein verlieren zu können.

LEIDEN muss für die Eroberung des Himmels in Kauf genommen werden. Dass dies Wort ausgerechnet von den eher stoischen, kühlen Deutschen stammt, wundert, impliziert es doch „Raserei“.

Aber nein: bei näherer Betrachtung wird es klar, warum die Romantik was Deutsches ist. Das Feuer nämlich, anders als bei dem Italiener, brennt innerlich. Der Körper wird zu einem überhitzten Kessel und wirkt nur äußerlich kühl. Sprache muss her, um die Ventile zu öffnen: LEIDENSCHAFT, WELTSCHMERZ …

Es klingt wie ein Kampf der Giganten. Ein Wagnis ist es, sich in die Liebe vorzuwagen, hineinzubegeben. Wie lächerlich wirken dagegen die Kämpfe mit Waffen – die Liebenden müssen millionenfach stärker sein als Soldaten.

Liebe: alle Sinne werden geschärft, goldener Schmerz durchströmt die Glieder. Jeder Grashalm, der sich bewegt, jede Maus, die durch das Loch kriecht, jeder einzelne Sonnenstrahl, jedes ausgeworfene Lächeln, jede fliegende Wolke, jeder Donnerschlag, jeder Regen, das Leuchten des Mondes – alles sind Zeichen, sind Augen, Stimme, Haar, Geist; ja bilden den Körper, die Gesamtheit der Geliebten.

Verbunden mit dem geliebten Wesen, gehört auch das Universum zur Nahrung – Welt und Geliebte werden eins. Unendlich groß ist, was man ergreift und ebenso unendlich ist der Schmerz, wenn alles in eine unglückliche Liebe mündet. Der Kosmos bricht zusammen. Wie tapfer müssen Liebende sein, wenn die ausgeworfene Saat auf unfruchtbaren Boden fällt, wenn die Blume, die mit Blut begossen wurde, nicht blüht und verwelkt. Alle Sinne sind entzündet, Hoffnungen hatten die schönsten Schlösser erbaut, der gepflückte Stern, liegt trostlos, nicht gebraucht auf trockenem, steinigen Boden – beneidet werden die, die nichts fühlen, beneidet werden gar die Toten.

Der Himmel ist niedergefallen, voller Lebensfreude und Euphorie wurde das Feuer entfacht – und nun wollen die Flammen dich fressen.

Enorme Stärke ist nötig, all die Sonnensysteme wieder neu zu errichten.

Doch, es gibt kein Weg zurück. Einmal am Elixier des Paradieses geleckt, ist es schwer in die Normalität zurückzukehren.

Was vielleicht als Niederlage einer unglücklichen Liebe erschien, erweist sich als Gewinn: ein Seher will man werden, hineinschauen in dieWelt.

Sehendend macht sich der Dichter durch eine lange, unermessliche und planmäßige Ausschweifung aller Sinne.“ (Arthur Rimbaud)

LEIDENSCHAFT gewinnt immer.

dance_erotica-mazoni

Montagspoesie #9

meinungskonsum

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube stellt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Enterich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldener Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,

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Voglio vivere lì !!!!

Neapel will mich festhalten. Meine Gedanken waren schon in Berlin, ich richtete mich im Geiste dort schön ein … Immer muss ich mir zuerst Bilder zurechtlegen, die einer Utopie gleich kommen … Da passierte es: Die Villa Donn‘ Anna! Ich saß dort mit Leuten im Café, der Aperitif wurde serviert, da meinte die Kellnerin – ich kenne sie –  ich könnte hier einziehen, eine Etage tiefer – in eben dieser Villa, die für mich das schönste Gebäude der Welt ist. Sie zeigte mir die Terrasse unter uns, mir stockte der Atem, mein Puls beschleunigte sich. Fassungslos schaute ich sie an, ich stammelte nur noch Si, Si, Si ! Voglio! heraus. Villa Donn‘ Anna – Ort der Orgien im Mittelalter, Cosimo Fanzago – blaues Meer, morgens der Blick auf den Vesuv, auf Capri, Sonne, strahlender Himmel, Engel in meinen Sinnen – auf der Terrasse sitzen und ein Gedicht über das Wunder verfassen. Und irgendwann, auf einem Boot, mit geöffneten Segeln und wehenden Haaren, kommt ihr über das ewig blaue Meer gefahren und seht mich mit leuchtenden Augen auf dieser Terrasse sitzen, mit einem Stift in der Hand – und erst dann, wenn ihr euren Anker vor diesem Haus lichtet, werde ich die letzte Zeile des Gedichts niederschreiben. Betet zu allen schönen Göttinnen, dass es wahr wird, dass Träume real sind.   

 Voglio vivere lì !!!!

  

don’t dream be it …

„Es gibt schreckliche Versuchungen, und es erfordert Kraft,

Kraft und Mut, ihnen nachzugeben.“ (Oscar Wilde)

  

Schluss mit umsonst …

Fast 700 Leute haben sich das Buch innerhalb von 3 Tagen herunter geladen. Sehr schön! Verdienst bis jetzt: 19,87. Hahaha! Zwei Tage Bestseller Autor. Wunderbar! Jetzt aber brauche ich Geld für Kaffee und Zigaretten, damit der 2. Teil von „Serena“ voran kommt.

writing-mazoni

„Lasziv, sinnlich, leidenschaftlich, willenlos, pornografisch!“ – Drei -Sterne-Review

Meine Güte! Fast möchte man glauben, die Rezensentin stand nach der Lektüre in Flammen. Aber vielleicht wurde ihr der Taumel der Gefühle zuviel. Interessant – was sie schreibt und auch, dass sie letztlich nur drei Sternchen vergab und dass sie die Seitenzahl „böse“ mit nur „fast 80“ angab. Was ist da passiert? Lest selbst hier die komplette Rezension : Review von Ute Wilamas

„Das erotische Ensemble brennt lichterloh im Aufschrei orgiastischer Befriedigung.“

“ „Mutter“ ist auch das Seelenschmerz erzeugende Stichwort, das den Rahmen der Erzählung bildet und mit dem Timo zu kämpfen hat.“

„Im Fokus stehen ausschließlich das Wollen und Begehren, das Besitzen und der Hunger nach Lust, das Brennen vor Ungeduld und die Verschmelzung von inneren Feuern.“ 

“ …Schilderung über Sinnlichkeit und Abgründe, über Triebe und Gefühle, über Wahnsinn und Geilheit, über Zähmung und Züchtigung, über Animalisches und sündige Leidenschaft …“

Uff!!

Träääääärääääääää!!! SERENA!!
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Platz 2 

  • Amazon Bestseller-Rang:
  • Heute morgen ! Ich traute meinen Augen kaum: 
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    Platz 2 !!!! Serena lebt!!!!!