Kadee Mazoni

Autor

Wiegelied der Seelen …

Bombenteppich, U-Boot Jagd, Einkaufszentren schön gemacht. In der Vegan – Abteilung halte ich ihre kalte Hand. Die Welt ist aus den Fugen, der Tisch umgekippt, die Teller zerbrochen. Die Götter sind zurück und kotzen uns ins Gesicht.

Ich könnte Dieb werden, sage ich ihr, ich würde für sie das Feuer stehlen. Das Feindselige ist draußen, dort liegen die Wolken tief. Auf einem Schaukelpferd fährt ein dickes Kind durch unser Paradies und jeder neue Tag zerteilt mich noch mehr. Ich bin verwirrt, schaue zur Uhr, ahne, wo die Sonne hängen müsste.

Könnten wir nicht die Traurigkeit besiegen, fragt sie mich und löst ihre kalte Hand von mir, wenn wir Worte neu erfinden würden. Sie läuft durch das Labyrinth der Regale, ich sehe sie kaum mehr. Jeder imitiert das Gute, jeder hat eine Richtung nur die Kriege werden mehr.

Es müsste eine neue Sprache geben, ruft sie von weit hinten, ich sehe ihr Kajal ist unter ihren Augen verschmiert, Schwarzes läuft ihr übers Gesicht. Aber rufe ich, renne ihr hinterher, wenn alles Lügen auch Wahrheit ist, wie können wir da noch einen Sinn erfinden. Hinter dem Tresen, wo wir stehen, grinst ein Mann mit blutiger Schürze uns an. In der Spiegelung der Glasscheibe vom Tresen, hinter dem zerstückelte tote Tiere liegen, sehe ich mein Gesicht und erschrecke mich. Falten haben sich auf mein Gemüt gelegt, die Zeit ist zwischen meinen Fingern zerronnen, ich werde noch verdammt ohne Licht in den Abgrund gehen müssen. Wo ist nur die Sonne, frage ich sie, sie war doch unser ganzes Glück, ausgerechnet sie hat uns verlassen. Die Sonne kommt zurück, erwidert sie, tröstet mich und tätschelt mir die Wangen. Aus dem Lautsprecherboxen erklingt ein Lied, es singen kleine, nackte Engel danach herrscht kurze Stille.

Von Seele zu Seele, sagt sie jetzt, sie hat nachgedacht, so müsste die neue Sprache reden. Mit einem lauten Knall hackt der Schlachter hinter uns ein Schwein entzwei. Ein Preisschild wird ins rohe Fleisch gestochen und ich gehe auf sie zu, drücke sie fest an mich heran.

Das wäre schön, gebe ich ihr zurück und hülle sie in meinen Mantel. Wir könnten dann das Leben pochen hören, sage ich ihr und streiche mit meinem Finger über ihre Lippen – das wäre eine Sprache wie sanftes Wiegen der Seelen, nichts könnte mehr passieren.

fish-mazoni

7 Kommentare zu “Wiegelied der Seelen …

  1. achlys128
    12. Dezember 2015

    Könnten wir nicht die Traurigkeit besiegen, wenn wir die Worte neu erfinden würden…. deine Worte sind auch so voller Wahrheit. Falls du jemals vorhast, diese Sprache zu erfinden und noch Hilfe brauchst, schreib mir. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Kadee Mazoni
      12. Dezember 2015

      Oh ja, eine Sprache, die Augen hätte, die mit dem Herzen s

      Gefällt mir

    • Kadee Mazoni
      12. Dezember 2015

      Oh ja, eine Sprache, die Augen hätte, die mit dem Herzen reden würde … Dafür brauche ich Dich unbedingt. Wie Kriegerinnen und Krieger würden wir mit Schwertern kämpfen – nicht um zu töten, sondern um zu leben.

      Gefällt 2 Personen

  2. sugar4all
    12. Dezember 2015

    Wie schön du doch schreibst…………….

    Gefällt 1 Person

  3. Devote Romantikerin
    12. Dezember 2015

    Zauberhaft. Frau und Mann sind im Einkaufzentrum und machen sich Sorgen. Und du, der einfach unnachahmlich über die Zärtlichkeit zwischen den Zeilen, die Hoffnung unter den Buchstaben, die Wärme der Liebe sprechen kann.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 12. Dezember 2015 von in Allgemein, Geschichten und getaggt mit , , .

Top-Klicks

  • -
%d Bloggern gefällt das: