Fluchtlinien …

Ich glaube an Gott, ich glaube an Darwin, ich glaube an Nietzsche, an den Weihnachtsmann, an den Osterhasen, an das sozialistische Vaterland. Fuck off! Ich glaube an das, was mir am meisten Spass macht, was eine tolle Geschichte ergibt. Ich picke mir aus allem die schönsten Rosinen heraus. Wann war der Urknall vor 40 oder 60 Milliarden Jahren. Scheiß der Hund drauf, wen interessiert es schon. Was muss ich tun, damit ich gesund bleibe und reich werde? – es langweilt mich. Märchen erzählen, die den Märchenerzähler selbst interessieren. Soll ich darüber nachdenken, wie die Welt besser werden kann? Blockade! – die entsteht immer dann, wenn die Geschichte falsch gesponnen wird. Wenn die Blockade entsteht muss die Geschichte weggeschmissen werden, dann taugt sie nichts und eine neue muss gesponnen werden. Fluchtlinien bilden!! – in die Geschichte flüchten, die man am liebsten für sich erzählen möchte, die einen am meisten interessiert.

Die Maske gehört zu mir …

Man solle keine Maske tragen, sondern ehrlich und authentisch sein – so hört man es von überall her. Sei du, fordert man uns auf; versuche herauszufinden, wer du im Grunde deines Herzens bist. Die Medien sind voll mit derlei Weisheiten und Sprüchen. Und immer geht es darum: du musst dich ändern; am besten dorthin, wer du wirklich bist.

Wie erfrischen wirkt es da, wenn Rimbaud sagt:“Ich bin ein Anderer.“

Wie auch soll es möglich sein, in den unendlichen Abgründen seiner Selbst, den Kern des Seins zu finden?

Ich habe Bewusstsein und besitze die Möglichkeit, ein Bild von mir zu machen. Doch dieses Bild bleibt trügerisch, denn ich werde nie in der Lage sein, all mein Denken und Fühlen in die Außenwelt zu tragen, demzufolge die anderen ein anderes Bild von mir haben. Selbst wenn ich spreche – man kennt es von Tonaufnahmen – ist der Klang meiner Stimme, die ich in mir trage, eine andere als die in der Außenwelt.

Ich bin ein Anderer, wenn ich an der Kasse mit der Kassiererin kommuniziere, ein Anderer, wenn ich mit Freunden rede. Das Schöne am Sex ist nicht, derjenige zu sein, der man in der Gesellschaft ist, sondern erregend ist es, eine Art Tier zu werden. Im besten Fall sind wir im Orgasmus Andere und haben gesellschaftliche Konventionen entgrenzt.

Vielleicht ist das das Problem der Psychiatrie: nicht die Notwendigkeit anzuerkennen, dass man verschiedene Masken benötigt.

Als ich „Serena“ schrieb war ich weder die eine noch die andere Figur in dem Roman – ich war nur ein Anteil davon, eine Vielheit. Genauso wie jetzt in dem Roman „Africa“. Wenn ich mich hinsetzte und schreibe setzte ich mir eine Maske auf, um überhaupt Worte rausbringen zu können. Der Akt des Schreibens ist ein Werdungsprozess – ich schreibe aus dem heraus, der ich noch nicht bin; ich befinde mich nur auf dem Weg. dorthin

Als man Henry Miller fragte, ob er das, was er schrieb, wirklich alles erlebt habe, antwortete er knapp: es sei ein Roman. Bei ihm ist das „Ich“, mit dem er schreibt, eine Kunstfigur.

Nietzsche setzte sich die Maske des Dionysos auf, nur so war er, der mit Krankheiten zu kämpfen hatte, in der Lage eine Philosophie der Gesundheit und des Lebens zu entwickeln.

Keine Frau wird als Mutter geboren, sie wird es erst, wenn das Kind zur Welt kommt. Sie ist aber auch eine Liebhaberin, eine Professorin, eine Sekretärin, ein Freundin, eine Tochter, ein Mädchen, eine Weltbürgerin. Der Vater könnte vielleicht ein Säufer sein, aber wenn er nach Hause kommt, ist er ein braves Familienmitglied.

Kleidung machen Leute – doch nicht nur das, sie verändern auch das Selbstwertgefühl. Wer häufiger sein Aussehen verändert, wird spüren, wie sich was verändert. Die meisten Jugendbewegungen waren durch Fashion geprägt – durch eine besondere Kleidung, die sich von der Norm abhebt – sei es Punk, Gothic, oder Rock n Roll, erst durch das Aussehen, durch die Maske konnte was Neues entstehen – an der Bruchstelle von gestern zum jetzt ereignet sich was. Ja, das ist das Verhängnis der Psychologie; dass sie ständig auf das Innere verweist oder auf die Vergangenheit, auf die Kindheit.

Das große ICH und das kleine ich (Moi und je), davon spricht Kant. Das Moi, nachdem irrsinniger Weise gesucht wird, ruht wie ein körperloses Organ in uns, ist passiv und nimmt nur auf, ohne sich in irgendeiner Form zu verändern. Das kleine „je“ hingegen, ist unentwegt der Veränderung durch die Zeit ausgesetzt und produziert ständig, was in der Zeit geschieht. Während das Moi still in einem ruht, entfernt sich das kleine ich – Moi und je sind durch die Zeitlinie getrennt. Nochmals Rimbaud: „Schlimm genug für das Holz, das als Geige erwacht … Wenn das Kupfer als Trompete erwacht, ist es nicht seine Schuld.“

Es ginge gar nicht: wenn wir alle Masken ablegen und zu dem Moi vorstoßen könnten, wären wir quasi tot. Weder könnte uns das ICH etwas sagen, noch könnte es atmen oder handeln. Es wäre eine Aufforderung, die nicht machbar wäre und nur zur Verzweiflung triebe.

Warum immer der Verweis auf die Innerlichkeit, warum immer auf die Tiefe, als wollte man uns begraben? Run, Baby, run – auf der (Erd-) Oberfläche spielt sich das Leben ab. Alles geschieht dort, wo sich was mit anderem verbindet – sei es Frau mit Frau, Frau mit Mann oder seinen es Rassen. Die Maske kann ein probates Mittel sein, um aus dem Alten zu etwas Neuem zu sprechen – ein Mittel kann sie sein, um das Denken zu etwas anderem hin zu lenken. Die Masken suchen, die wie ein Kleidungsstück die Haut umschmeicheln –  immer neue Masken der Liebe finden.

Und siehe, jetzt wo ich das hier schreibe, bin ich ein Anderer, ein Agitator, ein Läufer, mit einer zerfetzten Fahne in der Hand, keuchend nach Luft schnappend. Jetzt renne ich wie Jesus übers Wasser und schreie in den Himmel: lass es Masken regnen, unendlich viele – ich setzte sie alle auf.

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Aus dem Kokon entfliehen …

Auch das ist Bewegung: „Ich schreibe anders als ich rede, ich rede anders als ich denke, ich denke anders als ich denken soll und so geht es weiter bis ins tiefste Dunkel.“ (Kafka)

Das Buch „Africa“ hat nun (ohne Korrektur) 777 Seiten. Welch eine schöne Zahl. Und nun stehe ich vor dem Abgrund – Schreibblockade. Ich gehe umher, durchkreuze unter grauem Himmel den Park, laufe auf dem Laufband im Fitnessstudio, stemme Gewichte – nur um die Worte wieder zu finden, die ich verloren habe. Bewegung, Bewegung … so wie die Erde sich um ihre eigene Achse dreht. Im Stillstand bin ich der Koma Patient, der mit letzter Kraft versucht, seine Blutbahn in Schwung zu halten. Schreiben ist der Schutz vor der Gesellschaft wie sie ist . Warum sonst, wenn ich mit ihr klar kommen würde, muss ich all die unzähligen Wörter zwischen ihr und mir stellen. Schreiben ist das rettende Ufer eines keuchenden Ertrinkenden, der nicht im Alltäglichen umkommen will. Es ist ein ständiges Aufbäumen und rebellieren gegen das was stattfindet – es ist Geburt einer Insel aus einem tosenden Meer  – es ist Schaffung einer möglichen Welt, die erst in Jahrtausenden von Menschen besiedelt werden kann. Es ist ein Traum, indem ich nicht einmal leben wollte, denn würde er wahr werden, hätte er keine Bedeutung mehr. Insofern ist Schreiben das wunderbarste dafür, den Grundstein seiner eigenen Niederlage zu legen für ein Fundament, das zusammen stürzen wird.  Wenn etwas „fertig“ geschrieben ist, fühlt man sich wie ein gestrandeter Fisch der mit jämmerlichen Bewegungen versucht ins Wasser zurück zu kommen.

Wie kann auch etwas fertig sein, wo es schließlich kein Ende gibt. Selbst die Geburt eines Leben hat keinen Beginn, sondern platzt mitten in einer unendlichen Geschichte herein, ist eine Wurzel, die sich mit anderen Wurzeln verbindet und etwas Neues entwickelt – ist eine Erzählung, die die große Geschichte – die Geschichte des Menschseins – fortsetzt. Aus unserer Verschiedenheit bilden wir ein Band der Bruder – und Schwesternschaft, das sich um die Erde legt – Schwestern und Brüder, die sich lieben oder hassen, aber sich nicht töten.

Wenn das Gefühl der Liebe aufhört, wenn man in einer Blume, Pflanze oder Meereswelle, in dem Himmel, der Sonne oder dem Ficken, keine Bedeutung mehr empfinden kann, wird man nur noch existieren, in die Rentenversicherung investieren und auf ein Ende hoffen. Oder man wird zum Mörder ohne Leidenschaft, wie all die Soldaten, Generäle und Politiker, die töten und töten lassen ohne je die Getöteten gekannt zu haben, ohne je die wundervollen Körper zu schätzen aus denen sie die Seelen gebombt haben.   

Der Orgasmus ist ähnlich dem Moment, wo der Kokon aufbricht und ein Schmetterling entsteht, die Berührung zweier Zungen ist wie eine Wespe, die die Orchidee befruchtet. Alles findet im Äußeren, in der Fremde statt, dann wenn es für einen winzigen Moment zur eigenen Innerlichkeit wird und wenn ein einziger Satz es vermag, die Konsistenz der Seelenträne des Anderen zu beschreiben. Es ist wie das Paradies, nach dem man sucht, aber es nicht fassen kann, es ist die Seifenblase, die, will man sie in der Hand behalten auseinander bricht. Und doch ist dieses kurze, winzige erfahrbare Glück ausschlaggebend für das eigene Weltgeschehen – der Schmerz der Sehnsucht ist der Motor, der es ermöglicht den wackligen Boden unter den Füssen auf und ab zu gehen.

Ab einer gewissen Stelle kann man nicht mehr aufhören, weil es notwendiger zum Leben ist, als die Wirklichkeit. Ein Gedicht vielleicht –  wäre es nie geschrieben worden, die Welt zum Stillstand gebracht hätte. Eine Melodie, die wichtiger als die Nahrung ist und die Nahrungsaufnahme nur deshalb von Wichtigkeit ist, damit das Lied unaufhörlich gehört werden kann.

Kafka war heilfroh todkrank zu sein – erst jetzt, vom Arbeitsleben befreit, konnte er weiter schreiben. Dostojevski versuchte niemals seinen Kopf vom Blatt zu heben, damit nie der Strom abreißen kann und erschuf damit ein unfassbar umfangreiches Werk. Als Hemingway glaubte nicht mehr schreiben zu können, hatte er sich erschossen. Nietzsche litt zeit seines Lebens an einer Krankheit und schaffte es nur so, eine Philosophie der Gesundheit zu entwickeln. Die Gebiete die er dabei schuf, werden erst jetzt zaghaft betreten. Balzacs Motor war die Liebe zu einer Unbekannten – als er sie schließlich bekam und heiratete, verendete er noch auf der Hochzeitsreise.

Die Leere ist ein fürchterliches Ungeheuer, was vielleicht eines Tages den Planeten vernichtet – der Psychotiker  sollte das am meisten fürchten.

Glaubt mir oder glaubt mir nicht (am besten ihr tut es nicht) – das beste Ziel ist, sich eines zu erfinden das niemals zu erreichen ist. So wie dieser Versuch, mich wieder an eine Blutbahn des Unerklärlichen anzuschließen, in dem lächerlichen Unterfangen eine neue Menschheit zu gründen.

angel-bird

 

„Wo man liebt, wird es niemals Nacht“

Nicht der Roman hat sich dem Leben anzupassen … und jetzt quäle ich mich, das kleine Verbindungsstück, diese letzte Brücke, diese wenigen Worte zum letzten Kapitel zu finden. Werde ich es heute schaffen, oder mich wieder ablenken lassen, abwaschen, Kaffee kochen, dumme Gespräche führen, nur um mich vor dem letzten Abschnitt zu drücken?

Im Geiste bin ich in Afrika, physisch in Hamburg, ich tanze in Dakar mit den bunt gekleideten Frauen Voodoo Tänze … Die Brücke muss gebaut werden – heute (oder doch morgen?). Ich fühle mich nicht mehr frei, bin Gefangener meiner eigenen Geschichte. Frei bin ich erst wieder wenn …

Plötzlich taucht Sira auf, eine senegalesische Sängerin und Gitarristin – eine  Teuflin, die verführen will. Sie kennt Europa, sie kennt die westlichen Freiheiten, die es im Senegal so nicht gibt. Trotzdem will sie hier bleiben, in Dakar und versucht es den beiden zu erklären: es sei was Körperliches, das es in Europa so nicht gäbe.

Ja, Cate und Melissa sind in Dakar, eigentlich auf der Durchreise weiter in den Süden, auf der Spur des alten Onkels. Und tatsächlich im letzten Kapitel haben sie ihn gefunden – im letzten Kapitel, was schon geschrieben wurde

Das Leben dem Roman anpassen: zweitausend Kilometer bin ich hin nach Amalfi gefahren, saß auf einem Berg in Pontone, um weiter am Roman zu schreiben. Zweitausend Kilometer fuhr ich wieder nach Hamburg zurück, weil die Einsamkeit mich dort erdrückte. Mit dem Schreiben bin ich zugleich auf der Suche nach einem geeigneten Platz auf der Welt, den ich nicht gefunden habe. Der geeignete Platz ist die Fiktion, ist der Roman selbst. Eine Welt erfinden, die es noch nicht gibt – eine in der ich mich wohlfühle und machen kann was ich will, eine, die mich vom Alltag entfernt. Wenn das Schreiben still steht, stehe ich gleichfalls bewegungslos vor einem Abgrund, bin ich dem Alltag  ausgeliefert. Also: es gibt kein zurück – ich werde von meiner Reise – und auch der von Melissa und Cate – weiter berichten.

„Wo man liebt, wird es niemals Nacht“ (afrikanische Weisheit)

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Märchen erzählen …

Ich glaube an Gott, ich glaube an Darwin, ich glaube an Nietzsche, an den Weihnachtsmann, an den Osterhasen, an das sozialistische Vaterland. Fuck off! Ich glaube an das, was mir am meisten Spass macht, was eine tolle Geschichte ergibt. Ich picke mir aus allem die schönsten Rosinen heraus. Wann war der Urknall vor 40 oder 60 Milliarden Jahren? Scheiß der Hund drauf, wen interessiert es schon. Was muss ich tun, damit ich gesund bleibe und reich werde? – es langweilt mich. Märchen erzählen, die den Märchenerzähler selbst interessieren. Soll ich darüber nachdenken, wie die Welt besser werden kann? Blockade! – die entsteht immer dann, wenn die Geschichte falsch gesponnen wird. Wenn die Blockade entsteht muss die Geschichte weggeschmissen werden, dann taugt sie nichts und eine neue muss gesponnen werden. Fluchtlinien bilden!! – in die Geschichte flüchten, die man am liebsten für sich erzählen möchte, die einen am meisten interessiert.

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Gefaltete Seele

Als ich erwachte, die Augen öffnete und das Licht durch mein Fenster erblickte, überkam mich ein eigenartiges, ichbezogenes Weltgefühl, eines, was manchmal Menschen zu sich empfinden, eben weil sie Menschen und in der Lage sind, ihr Dasein in verschiedene Richtungen zu denken. Der lichte Tag brach in jenem Moment herein, der zwischen Traum und Erwachen stand, jener also, wo man nicht so recht weiß, in welcher Realität man sich real befindet; in der des Taumelns oder der, der vermeintlichen Beständigkeit. Es dauerte nicht lange, da war die Traumwelt – diese schöne Braut – wie mit einem Schwamm von der Tafel des Bewusstseins gewischt und verloschen, und ich fand mich dort wieder, wo meine nächtliche Reise begann, in meinem Bett, mit dem Kopf auf einem zerknitterten Kissen.

Ich ordnete das Kissen, auf dem ich lag, bog es zurecht, sodass ich den Baum vor meinem Fenster erblickten konnte und sah, wie auf einem Ast sich eine Taube niederließ und mit flatternden, ungeschicktem Flügelaufschlag sich wieder entfernte. Verschwommen waren bis dato meine Sinne, noch nicht im Getriebe der Alltäglichkeiten eingepasst, frei noch und fern von beklemmenden Verpflichtungen, die Zeit irgendwie ausfüllen zu müssen.

Da brach die Idee, wie ein Fötus aus mir heraus, der Gedanke, dass das Morgenlicht, der Baum, die Äste und auch die Taube ein Teil von mir seien, dass, wenn ich nicht erwacht, diese Welt mit mir im Schlaf versunken geblieben wäre.

Wie könnte, so mutmaßte ich dreist, die Erde sich ohne mich weiterdrehen, wie das Blatt des Baumes auf dem die Taube saß, sich bewegen, das Licht durch mein Fenster scheinen? Sind denn nicht mein Atem, mein Herzschlag, das pulsierende Blut in meinen Adern an die Erde gebunden? Und der Kosmos, verstieg ich mich egomanisch weiter, ist er nicht auch für mich erschaffen worden. Der Stern, der am nächtlichen Himmel funkelt, hab ich ihn wohlmöglich selbst erfunden? Der Beweis, dass alles so ist, wie es ist, kann doch nur erbracht werden, wenn ich es bin, der ihn aufnehmen kann, wenn ich ihn verstehe. Wer schon könnte mir den Nachweis erbringen, dass alles Leben und Treiben, jede Melodie, jeder Herzschlag, jeder Glanz in den Augen, jede Welle, die sich in den Ozeanen erhebt, jede Katze, die auf die Mauer springt, jeder Laut und jede Stimme, die ich höre … fortbesteht, blieben an dem Morgen meine Augenlider verschlossen?

Vielleicht war dieses Gefühl, was mich an diesem Morgen beherrschte, banal, aber dennoch blieb ich regungslos im Bett liegen, um ja nichts von dieser Ungeheuerlichkeit zu abzuschütteln.

Ich könnte, so sinnierte ich, während ich ängstlich die Bettdecke hoch zu meinen Schultern zog, durchaus den Gedanken verfestigen, dass alles, was ich fühle, höre und sehe, einzig meiner Einbildung entsprungen sei. Vielleicht ist meine Phantasie derartig mächtig, diese Bilderwelt, in der ich lebe, mir vorzugaukeln. Vielleicht ist sie so gewaltig, mich Glück und Schmerz fühlen zu lassen. Vielleicht sind Feuer, Wasser, Menschen, Tiere und die verschiedenen Kontinente nur Fiktion und alleinig aus meiner Idee hervorgebracht. Wer schon könnte mir die Entkräftung erbringen, dass ich mich nicht im Traum befinde, dass wenn ich erneut erwachen würde, diese sogenannte Realität wie Nebelschwaden verschwinden würde. Könnte es nicht sein, dass mein formidabler Geist, mich von einer Welt zur nächsten treibt, dass das Reale die Fiktion ist und der Traum Wirklichkeit?

Mein Gott“, flüsterte ich in mich hinein, in welch einem großartigen Betrug wäre ich hineingeraten!

Stille. Kein Wind bewegte mehr die Blätter der Bäume, keinen Laut konnte ich mehr vernehmen. Wer nur, fragte ich mich, war es, der die Hände gen Himmel erhob, wer sprach das erste Gebet, um der Ungeheuerlichkeit des Gedankens, allein in dieser Welt zu sein, zu entkommen? Wer war der erste Mensch, der sich einen Gott erfand, um wieder festen Boden unter die Füsse zu bekommen? War ich es? Ich musste grinsen. Mein Bett wurde zum Raumschiff, mein Kopf ins Kissen gepresst, flog ich durch das Gestrüpp, durch die Blätter, mit den Vögeln hin zum Licht.

Aber die Liebe? Ja, die Liebe, so dachte ich: zeigt nicht ausgerechnet sie, dass ich nicht alleine bin? …

Es klingelte, ich erschrak, krachend landete das Raumschiff wieder dort, wo es gestartet war. Ich sprang aus dem Bett, zog mir was über, eilte den Korridor entlang und Schritt für Schritt, wie bei einem geöffneten Gefäß, verlor sich das Gefühl, was ich zuvor noch auf dem Kopfkissen hatte. Ich öffnete die Tür und da stand sie vor mir, ihr blondes Haar war aufgewühlt, wahrscheinlich vom Wind. Sie blickte und lächelte mich an, sagte etwas, ich erinnere nur ihre Stimme. Ich bin nicht sie und sie ist nicht ich, schwer zu glauben, meine Phantasie hätte sie erfunden. Ihre Arme umklammerten meine Schulter, ihre Lippen drückten sich auf meinen Mund. Traum oder Wirklichkeit, ich weiß es nicht – das eine so richtig wie das andere. In den Falten der Seele liegt schlummernd und im Dunkeln die Erkenntnis, sie ist unendlich, genauso wie es die Falten sind. Wenn man sich entfalten will, muss man sich nur immer hin zum Himmel strecken.

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Gefangen im Geschlecht …

„Für jeden, der schreibt, ist es fatal, an sein Geschlecht zu denken. Es ist fatal, einfach ein Mann oder eine Frau zu sein. Es wäre besser, Frau-männlich oder Mann-weiblich zu sein.“
(Virginia Woolf 1882-1941)

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Terror …

Terror ist Alltag geworden, selbst dann wenn es keinen Terror gibt. Es ist wie im Film „Brazil“, eigentlich weiß man nicht so recht, warum es Terroristen gibt. Sie sind einfach da, religiös hypnotisiert, nicht ansprechbar, nicht umkehrbar – sie sind weder Revolutionäre noch Rebellen, eher wie ein Virus, der die Welt befällt.
Bomben gehen hoch, Menschen schreien, laufen weg, Präsidenten und Minister halten Reden des Bedauerns, versprechen noch mehr Waffen, noch mehr Polizisten, noch mehr Überwachung. Danach wird der Mist weggeräumt, Angst bleibt zurück, aber der Einkauf geht weiter, die Regale sind gefüllt, die Wirtschaft, so ist zu lesen, befindet sich in bester Frühjahrsstimmung – ähnlich wie in „Brazil“.
Terror ist Alltag, längst sind die Zeiten passé, in denen man sich noch gestört fühlte, an Sicherheitspersonal vorbeigehen zu müssen – heute ist die Kontrolle überall präsent, akzeptiert, man wird betatscht, durchröntgt, Individualität ist abgeschafft und selbst der Vermieter, wenn auch anderen Gründen, will wissen wie du dich verhältst. Spuren werden zusammengetragen, Daten gesammelt, Telefone überwacht – zurück bleibt ein devoter, gläserner Mensch.
„Brazil“: Zur Hinrichtung schon bereit gemacht, flüchtet sich Sam Lowry, der Antiheld, in einen Traum einer besseren Welt. Und noch ehe die Henker ihm den Todesstoß versetzten können, stellen sie entsetzt fest: „Er ist uns entkommen.“
Welch ein schönes Ende!

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Axt …

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.
Franz Kafka

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Mein Herz so weiß

Das, so finde ich, ist ein wunderbares Intro. Ich mag lange Sätze, weil sie einem den Atem rauben und ich weiß, wie schwer es ist, solche Sätze zusammenzuhalten. Javier Marias ist ein Meister der neuen Literatur. 
„Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe erfahren, daß eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Eßzimmer befand, ihr Herz suchte. Als der Knall ertönte, etwa fünf Minuten, nachdem das Mädchen den Tisch verlassen hatte, stand der Vater nicht sofort auf, sondern verharrte ein paar Sekunden lang wie gelähmt mit vollem Mund und wagte nicht zu kauen noch zu schlucken und noch weniger, den Bissen auf den Teller zurückzuspucken; und als er sich endlich erhob und zum Badezimmer lief, sahen jene, die ihm folgten, wie er, als er den blutüberströmten Körper seiner Tochter entdeckte und die Hände an den Kopf hob, den Bissen Fleisch im Mund hin und her bewegte.“

  

Olivetti Underwood

Vierzig wollte er dafür haben, aber ich konnte ihn auf zwanzig herunterhandeln. Und jetzt hab ich sie, die schöne Olivetti Underwood. Welch ein schöner Sing Sang, wenn man die Tasten drückt, es erinnert an vergangene Zeiten. Umlaute gibt es allerdings nicht – ist ja schließlich auch eine Italienerin.

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Serena als Buch …

SERENA jetzt auch richtig als Buch, zum anfassen aus Papier, zum umblättern, fürs Bücherregal, fürs Bett, zum Reinkritzeln zum fotografieren. Auch zum Verschenken! HIER! Serena

Bei Rezensions Absichten schicke ich das Buch gerne zu!

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Serena als gedrucktes Buch

Noch allerdings nur auf Amazon.com. Trotzdem (scheinbar) versandkostenfrei. Ich versuche krampfhaft es auf .de zu bekommen. Wird bestimmt bald klappen. Uff.

Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft  (drauf klicken!)

Wenn es auf amazon.de erscheint sage ich Bescheid. Wer Rezensionen schreiben möchte, den schicke ich es zu!

Serena – im Netz der Leidenschaft für 99 Cent

Für kurze Zeit ist Serena als E-Book für 99 Cent zu erhalten. Danach wird es von dem Buch auch eine Printausgabe geben.

Wer also Serena noch nicht kennt und kennenlernen möchte, klickt hier auf den Link: Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft

Teil 2 dieser Geschichte ist eigentlich schon fertig – im Kopf! Muss nur noch niederschrieben werden 😉 Ciao, Kadee

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Schluss mit umsonst …

Fast 700 Leute haben sich das Buch innerhalb von 3 Tagen herunter geladen. Sehr schön! Verdienst bis jetzt: 19,87. Hahaha! Zwei Tage Bestseller Autor. Wunderbar! Jetzt aber brauche ich Geld für Kaffee und Zigaretten, damit der 2. Teil von „Serena“ voran kommt.

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„Lasziv, sinnlich, leidenschaftlich, willenlos, pornografisch!“ – Drei -Sterne-Review

Meine Güte! Fast möchte man glauben, die Rezensentin stand nach der Lektüre in Flammen. Aber vielleicht wurde ihr der Taumel der Gefühle zuviel. Interessant – was sie schreibt und auch, dass sie letztlich nur drei Sternchen vergab und dass sie die Seitenzahl „böse“ mit nur „fast 80“ angab. Was ist da passiert? Lest selbst hier die komplette Rezension : Review von Ute Wilamas

„Das erotische Ensemble brennt lichterloh im Aufschrei orgiastischer Befriedigung.“

“ „Mutter“ ist auch das Seelenschmerz erzeugende Stichwort, das den Rahmen der Erzählung bildet und mit dem Timo zu kämpfen hat.“

„Im Fokus stehen ausschließlich das Wollen und Begehren, das Besitzen und der Hunger nach Lust, das Brennen vor Ungeduld und die Verschmelzung von inneren Feuern.“ 

“ …Schilderung über Sinnlichkeit und Abgründe, über Triebe und Gefühle, über Wahnsinn und Geilheit, über Zähmung und Züchtigung, über Animalisches und sündige Leidenschaft …“

Platz 2 

  • Amazon Bestseller-Rang:
  • Heute morgen ! Ich traute meinen Augen kaum: 
    Nr. 2 in Kindle-Shop > eBooks > Erotik > Romane & Erzählungen
    Platz 2 !!!! Serena lebt!!!!!

Was die Realität nicht vermag …

… können wir uns im Traum erschaffen.

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Freue mich auf Reviews …

Wirklich! Schreibt was darüber, auch wenn es nur wenige Worte sind. Ich will es wissen! Nicht nur das: Rezensionen helfen auch beim Verkauf ;). Helfen unabhängig zu bleiben! 

Demnächst werde ich das Ebook für einen Tag umsonst reinstellen – auch wenn doch 2,99 für über 130 Seiten nicht zuviel sind. Ich werde Bescheid geben.

Also: ich bin auf eure Meinung gespannt! Hier gehts lang: SERENA

Warum …

… ist in meinem „Theme“ hier die Schrift so groß und warum sind die Zeilenabstände so weit auseinander? Gibt’s da nicht einen Trick?

SEREEEENA !!!! Sie ist zum Leben erwacht!

Wow. Mein Herz schlägt höher. Das Ebook steht jetzt bei Amazon zum Kauf bereit. Für Timo und Serena fängt das Leben jetzt an. Nie ist die Realität genug – Geschichten braucht die Welt. Hier könnt ihr euch das Buch anschauen:

Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft

„Serena – Gefangen im Netz der Leidenschaft“ – kurzer Inhalt

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— „Ich will deinen Orgasmus kontrollieren, über deinen Körper Besitz ergreifen. Ich will, dass du spürst, wenn meine Hände in dich eindringen, wenn sie dein Herz umgreifen. Ich will all deine Gedanken auf mich lenken, aus dir einen anderen Menschen erschaffen …“, sagte sie. —

Nach dem Tod der Mutter hat Timo nur eins im Sinn: Aus der Enge der Stadt seiner Kindheit zu entfliehen.
Er verkauft all sein Hab und Gut und begibt sich auf den Weg, einen besseren Ort und eine neue Zukunft zu finden. Er glaubt, damit über den Tod der Mutter hinwegzukommen.
Auf der Suche nach einer Unterkunft in einer anderen Stadt, stößt er auf Serena, die einen Mitbewohner sucht. Noch weiß er nicht, welch Verhängnis diese Begegnung mit sich bringen wird.

Serena, ist  eine jugendliche Frau mit Charme und Intellekt, ausstaffiert mit weiblichen Reizen. Für sie ist das Leben ein Spiel. Ihrer Meinung nach haben alle Ideologien und Religionen, entsprungen aus einem männlichen Wahn, versagt. Eine sinnliche und vor allem eine feminine Sensibilität müsse die kalte Maskulinität ersetzen. Die weibliche Kraft sei viel abgründiger und intensiver. – mit ihr erst könne das Chaos der Welt begriffen werden. Nichts sei wahrhaftiger als die Liebe und die sexuellen Triebe, alles andere seien nur Worte – Lügen und Absichtserklärungen. Der Mensch könne sich – so Serena – nur durch die Kraft der Weiblichkeit zum Besseren verändern.
Nach und nach gerät Timo, der eigentlich aus der Enge entkommen wollte, in die Netze Serenas Willens. Betört von ihren Reizen und ihren Ideen begibt er sich in ihre Hände, bis sie ihn schließlich dominiert und ihn sexuell abhängig von ihr macht. Er schwebt zwischen Himmel und Hölle weiß nicht, ob sein aphrodisierendes Gefängnis eine Knechtschaft oder letztlich eine Befreiung ist.

»Serena«- ist eine erotische Liebesgeschichte über weibliche Dominanz.
Das Märchen spielt in einer Zeit, wo die Sexualität noch zur Ware verkommen ist – wo Religionen, Kriege, Hunger und Gewalt Ausdruck einer nach wie vor unterentwickelten Kultur ist.
»Serena« – ist eine explizit sexuelle Erzählung. Triebhaft! Lehrreich? Wer weiß? Vielleicht befreiend. Eine Ich – Erzählung.

Bald ist es soweit!

Morgen kommt die Inhaltsangabe. Jetzt kann ich nicht mehr. Und dann ab zu Amazon (und später zu anderen Plattformen). Ich halte euch auf den Laufenden. Goodnight. Buonanotte. Gute Nacht.

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Ewig weiblich …?

„Macht? Wieso Macht?“, empörte Serena sich.

„Magst du das Wort nicht?“, erstaunte ich mich, „ausgerechnet du, wo du doch …“

„Nein, ich mag diesen Begriff nicht“, unterbrach sie mich. „Jede Weiblichkeit, und sei sie noch so hässlich, trägt Sinnlichkeit in sich. Wenn viele Frauen diese Eigenschaft verloren haben, so doch, weil sie zu wenig das sein wollen, was sie sind. Ewig weiblich müssten sie sein – bis ins hohe Alter. Das aber, mein Lieber, hat nichts mit Macht zu tun, sondern mit Selbstwertgefühl. Die Frau ist nicht mächtig, sondern eigentlich in ihrem Wesen verführerisch. Sie verführt zu etwas Besseren, sie ist der Gegenpol zu abgestumpften Sinnen.“

„Sie verführt zum Besseren?“, fragte ich, ich konnte nicht verstehen, was sie damit meinte.

„Sie erzieht den Mann!“, schrie sie fast schon aus, sodass Heidi noch aufmerksamer unserem Dialog lauschte.

aus: „Serena- Gefangen im Netz der Leidenschaft“

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Und wenn die Welt daran zerbricht …

Serena, sie hatte mich mit ihren zierlichen Händen ergriffen, spielend wie ein Mädchen gefangen genommen, sie trug mich in ihrem jugendlichen Leichtsinn unsichtbar davon, wie eine Herrscherin, und es war ihr nicht wichtig, ob ich oder selbst die ganze Welt daran zerbrechen würde. Spielen wollte sie, mit allem, was ihr zur Verfügung stand.

aus „Serena“

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Gottfried Benn, …

… so sagte er, schrieb die erste Strophe eines Gedichts auf und erst 20 Jahre später schaffte er die zweite. 

Words …

„my words create you a silhouette of love ~“

CrackHeart

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Gesang der Sirene …

Schön siehst du aus“, durchbrach sie die Stille und grinste mich frech an.

Es verunsicherte mich noch mehr, denn ihr Unterton klang ironisch. Ich stand vor ihr, nur mit diesem Handtuch um meine Hüften bedeckt, sie dagegen war gekleidet wie eine Dame, es machte mich vor ihr irgendwie kleiner. Noch ehe ich überlegen konnte, wie ich am geschicktesten in mein Zimmer käme, um mir etwas überzuziehen, nahm sie sich meine Hand und forderte mich auf, mit ihr zu kommen.

aus: „Serena-Gefangen im Netz der Leidenschaft“
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Kalte Finger …

… bringen Gedanken nur sehr träge in Bewegung.