„Wo man liebt, wird es niemals Nacht“

Nicht der Roman hat sich dem Leben anzupassen … und jetzt quäle ich mich, das kleine Verbindungsstück, diese letzte Brücke, diese wenigen Worte zum letzten Kapitel zu finden. Werde ich es heute schaffen, oder mich wieder ablenken lassen, abwaschen, Kaffee kochen, dumme Gespräche führen, nur um mich vor dem letzten Abschnitt zu drücken?

Im Geiste bin ich in Afrika, physisch in Hamburg, ich tanze in Dakar mit den bunt gekleideten Frauen Voodoo Tänze … Die Brücke muss gebaut werden – heute (oder doch morgen?). Ich fühle mich nicht mehr frei, bin Gefangener meiner eigenen Geschichte. Frei bin ich erst wieder wenn …

Plötzlich taucht Sira auf, eine senegalesische Sängerin und Gitarristin – eine  Teuflin, die verführen will. Sie kennt Europa, sie kennt die westlichen Freiheiten, die es im Senegal so nicht gibt. Trotzdem will sie hier bleiben, in Dakar und versucht es den beiden zu erklären: es sei was Körperliches, das es in Europa so nicht gäbe.

Ja, Cate und Melissa sind in Dakar, eigentlich auf der Durchreise weiter in den Süden, auf der Spur des alten Onkels. Und tatsächlich im letzten Kapitel haben sie ihn gefunden – im letzten Kapitel, was schon geschrieben wurde

Das Leben dem Roman anpassen: zweitausend Kilometer bin ich hin nach Amalfi gefahren, saß auf einem Berg in Pontone, um weiter am Roman zu schreiben. Zweitausend Kilometer fuhr ich wieder nach Hamburg zurück, weil die Einsamkeit mich dort erdrückte. Mit dem Schreiben bin ich zugleich auf der Suche nach einem geeigneten Platz auf der Welt, den ich nicht gefunden habe. Der geeignete Platz ist die Fiktion, ist der Roman selbst. Eine Welt erfinden, die es noch nicht gibt – eine in der ich mich wohlfühle und machen kann was ich will, eine, die mich vom Alltag entfernt. Wenn das Schreiben still steht, stehe ich gleichfalls bewegungslos vor einem Abgrund, bin ich dem Alltag  ausgeliefert. Also: es gibt kein zurück – ich werde von meiner Reise – und auch der von Melissa und Cate – weiter berichten.

„Wo man liebt, wird es niemals Nacht“ (afrikanische Weisheit)

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Die Nomadin …

Können wir durch die Zeit gehen, fragt sie mich und ich halte ihre Hand, bleibe stehen, blicke zurück, sehe unsere verwehten Spuren hinter uns; Wind bläst mir ins Gesicht. Stehende Schritte führen in die Leere und jetzt, also jetzt – mehr Jetziges kann es unmöglich geben – da die Wimpern krachend auf und nieder gehen, das Licht neu in die Augen fällt, ist sie einfach fortgegangen. Vor mir blickend, sehe ich, ihre Fussabdrücke, so klein, so zierlich, im weißem Sand der Düne. Meinen Kopf in den Nacken werfend eile ich, um der Verlassenheit die Nahrung zu entziehen, ihr hinterher, suchend eine goldene Antwort auf ihre Frage zu finden.

Wir könnten doch, rufe ich ihr atemlos hinterher, den Punkt, der auf die Dinge gebracht wird, eskalieren und die Kriterien ins Bodenlose stürzen lassen.

Tief vergraben sich meine Schritte in den weichen Untergrund, Langsamkeit überfällt mich, da dreht sie ihr Gesicht, auf das sich das Licht der Sonne bricht, hin zu mir um.

Hoffnungsvoll, ihren Blick, der auf mich gerichtet ist, auszunutzen, grabe ich nach Worten, um ihr nahezukommen, schleppe mich, meine Hände zur Hilfe nehmend zum Hügel, auf dem sie steht, zu ihr hin.

Das Freiheitlichste gedanklich für sie zu finden, ein Meer, was die Inseln trägt, ein Flügel erfinden, der schweigend uns in die Lüfte trägt, stehe ich vor ihr, nehme ihre Hand, streiche mit meinen Fingern darüber. Ihr seidig glänzendes, dunkles Haar, fällt sanft auf ihre Schultern, ein unergründliches Lächeln liegt auf ihrem Gesicht und wie in einem Spiegel leuchtet mir in ihren Augen die ganze Welt entgegen.

Die Haut, so entströmen ihr die Worte zwischen ihren Lippen, sei das Tiefste, es seien nur Körper die leiden könnten. Sie fühle geradezu, setzt sie ihre Erkenntnis fort, wieviel wahrer die Weite und die Oberfläche als der Grund der Dinge sei. Ob es nicht mehr von Leben zeuge, fragt sie, statt in seine eigenen Abgründe zu fallen, statt aus der Liebe ein Grab zu machen, sich weg – und fortzubewegen und jeden Tag zu einem Ereignis werden zu lassen.

Wenn wir geboren werden, so spricht sie zu mir mit einem eigenartigen abwesenden Blick, seien wir das was wir wirklich sind: Ein leeres Gefäß, ohne Bezeichnungen, unabhängig von allen Kategorien, Religionen und Ideologien, nicht einmal ein Individuum seien wir, sondern Lebewesen, berührt und durchdrungen von reiner Wirklichkeit.

Fragend schaue ich sie an, den Sinn ihrer Worte zu erfassen. Doch zögere ich, mit einer Frage oder überhaupt mit Worten das Gefühl, was sie mir beschreibt, zu zerstören.

Wenn ich wachsen will, sagt sie und kommt auf mich zu, muss ich nackend durch ein Blumenfeld gehen um das Ungeheuerliche spüren zu können, was die Blüte zu einer Blüte macht.

Zart streicht sie mit ihrer Hand über mein Gesicht, und als sie sagt, an den Berührungen, die von Außen kämen würden wir uns als Lebewesen selbst verstehen, fühle ich, wie tief meine Haut, von der sie sprach, tatsächlich ist. Stumm stehe ich vor ihr, jedes Wort von mir würde zur Gefangennahme in einem Sinn führen, zu einer Unterbrechung des reinen Seins, indem wir uns gerade befinden.

Weite, flüstert sie mir ins Ohr, so als sei es ein Geheimnis, was niemand, außer uns in dieser menschenleeren Gegend hören soll. Himmel, Sand und Horizont, sie und ich, ein lebendiger Körper, das spüre ich, kein Gestern, kein Heute, kein Morgen – ohne Zeit, den Tod gibt es nicht, Leben durchdringt unsere Poren.

Langsamen Schrittes und das laute Schweigen vernehmend, ziehen wir über den weißen, heißen Sand der Düne entlang. Körper, die sich auf der Erdoberfläche bewegen, fernab von Tiefe und Grund.

Seeluft dringt durch meine Nasenflügel und als wir den Hügel überschreiten, entfaltet sich vor unseren Augen ein weites Meer. Fest drückt sie meine Hand, ängstlich ahne ich was geschehen würde und ziehe sie dicht an mich heran. Befestigt an einem Pfahl, mitten im Wasser, liegt ein, von hohen Wellen zum Schaukeln gebracht, kleines Boot.

Entsetzt rufe ich aus, das würde nicht gehen, niemand könne sich vom Dreck seiner Kultur befreien, Zeit, Tod, Kategorien und all die fürchterlichen Dinge seien in unsere Seelen gebrannt, zu unserer Geburt gäbe es keinen Weg zurück.

Lächelnd schaut sie mich an, Freude steht in ihrem Gesicht und sie entzweit mein Hemd, streicht mit ihren Händen über meine Brust, als will sie darauf Flüsse ziehen, auf denen ich eines Tages zu ihr hin rudern könnte.

Wenn wir nicht in den Mutterschoß zurückkehren können, haucht sie mir entgegen, müssen wir versuchen, wiedergeboren zu werden. Eine Insel, sagt sie, möchte sie finden, getrennt vom Kontinent der Gesetze; eine Insel, die keine Termini kennt, wo die Schöpfung jeden Tag neu beginnt, wo Elemente sich vereinigen, feurige Glut aus Vulkanen mit dem Wasser der Meere spielen. An einem Seil, befestigt am Nirgendwo, möchte sie den Himmel erklimmen; aus ihrem beengten Kokon brechen und schön und bunt, wie ein Schmetterling, sich von Winden und Stürmen treiben lassen.

Lebhaft flammt ihr Antlitz auf, Glück steht darin geschrieben und sie löst sich von meiner Hand, bereit fortzugehen, fort von mir und fort von hier. Barfuss, im dünnen weißem Leinenkleid geht sie hinein in die brausende See, erreicht und steigt in das Boot, löst das Tau, die Verbindung, was sie am Festland hält, hebt triumphierend die Ruder in die Höhe. Noch einmal dreht sie ihren Kopf hin zu mir, ich halte, dort wo sie mich berührte, meine Hand auf meine Brust, verbeuge mich, am Ufer stehend, ihr Respekt zollen tief vor ihr.

Innerlich sage ich zu mir, in dem Glauben, sie könnte es noch hören: gehe hin, flüchtendes Mädchen, wandere ohne je zu finden und erblühe in deinen Bewegungen zu neuem Werden.

Am Ufer stehe ich und sehe zu, wie Meereswogen das kleine Boot auf und nieder drücken, wie die Ruder ins Wasser stechen und das weiße Kleid, das ihren Körper bedeckt sich zu einem Punkt verkleinert und schließlich gänzlich am Horizont verschwindet.

Bis in die Nacht, von sehnsüchtigen Schmerz erfüllt, bleibe ich am Rande des Meeres stehen und vom nächtlichen Himmel, der über mir mit seinen Kristallen leuchtet, pflücke ich einen Stern, den ich ihr, über das inzwischen still gewordene Meer, hinterher werfe.

Die Augen geschlossen, ziehe ich die Meeresluft durch meine Nase, helle Gedanken, duftend wie aufgehende Lilienblüten, durchströmen mein Gemüt; Gedanken, dass sie und ich, umschlossen in Armen der Wiedergeburt, uns wiederfinden mögen.

Das Wrack …

Oh, wie vernachlässigt, verwahrlost diese Seite doch ist.

Festgesurrt an Seilen und Ketten ist das Traumschiff am Ufer bekannter Fremde gestrandet. Still ist der Januarwind, einfallslos der Himmel, Frostigkeit hat sich über die Gräser gelegt.

Doch fortan, so der Wille, wird das Wrack wieder flott gemacht, um mit brennenden Sinnen, der unter dem harten Asphalt entschlummerten Blüte, neue Wärme und Lebenskraft zu schenken.

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Gefaltete Seele

Als ich erwachte, die Augen öffnete und das Licht durch mein Fenster erblickte, überkam mich ein eigenartiges, ichbezogenes Weltgefühl, eines, was manchmal Menschen zu sich empfinden, eben weil sie Menschen und in der Lage sind, ihr Dasein in verschiedene Richtungen zu denken. Der lichte Tag brach in jenem Moment herein, der zwischen Traum und Erwachen stand, jener also, wo man nicht so recht weiß, in welcher Realität man sich real befindet; in der des Taumelns oder der, der vermeintlichen Beständigkeit. Es dauerte nicht lange, da war die Traumwelt – diese schöne Braut – wie mit einem Schwamm von der Tafel des Bewusstseins gewischt und verloschen, und ich fand mich dort wieder, wo meine nächtliche Reise begann, in meinem Bett, mit dem Kopf auf einem zerknitterten Kissen.

Ich ordnete das Kissen, auf dem ich lag, bog es zurecht, sodass ich den Baum vor meinem Fenster erblickten konnte und sah, wie auf einem Ast sich eine Taube niederließ und mit flatternden, ungeschicktem Flügelaufschlag sich wieder entfernte. Verschwommen waren bis dato meine Sinne, noch nicht im Getriebe der Alltäglichkeiten eingepasst, frei noch und fern von beklemmenden Verpflichtungen, die Zeit irgendwie ausfüllen zu müssen.

Da brach die Idee, wie ein Fötus aus mir heraus, der Gedanke, dass das Morgenlicht, der Baum, die Äste und auch die Taube ein Teil von mir seien, dass, wenn ich nicht erwacht, diese Welt mit mir im Schlaf versunken geblieben wäre.

Wie könnte, so mutmaßte ich dreist, die Erde sich ohne mich weiterdrehen, wie das Blatt des Baumes auf dem die Taube saß, sich bewegen, das Licht durch mein Fenster scheinen? Sind denn nicht mein Atem, mein Herzschlag, das pulsierende Blut in meinen Adern an die Erde gebunden? Und der Kosmos, verstieg ich mich egomanisch weiter, ist er nicht auch für mich erschaffen worden. Der Stern, der am nächtlichen Himmel funkelt, hab ich ihn wohlmöglich selbst erfunden? Der Beweis, dass alles so ist, wie es ist, kann doch nur erbracht werden, wenn ich es bin, der ihn aufnehmen kann, wenn ich ihn verstehe. Wer schon könnte mir den Nachweis erbringen, dass alles Leben und Treiben, jede Melodie, jeder Herzschlag, jeder Glanz in den Augen, jede Welle, die sich in den Ozeanen erhebt, jede Katze, die auf die Mauer springt, jeder Laut und jede Stimme, die ich höre … fortbesteht, blieben an dem Morgen meine Augenlider verschlossen?

Vielleicht war dieses Gefühl, was mich an diesem Morgen beherrschte, banal, aber dennoch blieb ich regungslos im Bett liegen, um ja nichts von dieser Ungeheuerlichkeit zu abzuschütteln.

Ich könnte, so sinnierte ich, während ich ängstlich die Bettdecke hoch zu meinen Schultern zog, durchaus den Gedanken verfestigen, dass alles, was ich fühle, höre und sehe, einzig meiner Einbildung entsprungen sei. Vielleicht ist meine Phantasie derartig mächtig, diese Bilderwelt, in der ich lebe, mir vorzugaukeln. Vielleicht ist sie so gewaltig, mich Glück und Schmerz fühlen zu lassen. Vielleicht sind Feuer, Wasser, Menschen, Tiere und die verschiedenen Kontinente nur Fiktion und alleinig aus meiner Idee hervorgebracht. Wer schon könnte mir die Entkräftung erbringen, dass ich mich nicht im Traum befinde, dass wenn ich erneut erwachen würde, diese sogenannte Realität wie Nebelschwaden verschwinden würde. Könnte es nicht sein, dass mein formidabler Geist, mich von einer Welt zur nächsten treibt, dass das Reale die Fiktion ist und der Traum Wirklichkeit?

Mein Gott“, flüsterte ich in mich hinein, in welch einem großartigen Betrug wäre ich hineingeraten!

Stille. Kein Wind bewegte mehr die Blätter der Bäume, keinen Laut konnte ich mehr vernehmen. Wer nur, fragte ich mich, war es, der die Hände gen Himmel erhob, wer sprach das erste Gebet, um der Ungeheuerlichkeit des Gedankens, allein in dieser Welt zu sein, zu entkommen? Wer war der erste Mensch, der sich einen Gott erfand, um wieder festen Boden unter die Füsse zu bekommen? War ich es? Ich musste grinsen. Mein Bett wurde zum Raumschiff, mein Kopf ins Kissen gepresst, flog ich durch das Gestrüpp, durch die Blätter, mit den Vögeln hin zum Licht.

Aber die Liebe? Ja, die Liebe, so dachte ich: zeigt nicht ausgerechnet sie, dass ich nicht alleine bin? …

Es klingelte, ich erschrak, krachend landete das Raumschiff wieder dort, wo es gestartet war. Ich sprang aus dem Bett, zog mir was über, eilte den Korridor entlang und Schritt für Schritt, wie bei einem geöffneten Gefäß, verlor sich das Gefühl, was ich zuvor noch auf dem Kopfkissen hatte. Ich öffnete die Tür und da stand sie vor mir, ihr blondes Haar war aufgewühlt, wahrscheinlich vom Wind. Sie blickte und lächelte mich an, sagte etwas, ich erinnere nur ihre Stimme. Ich bin nicht sie und sie ist nicht ich, schwer zu glauben, meine Phantasie hätte sie erfunden. Ihre Arme umklammerten meine Schulter, ihre Lippen drückten sich auf meinen Mund. Traum oder Wirklichkeit, ich weiß es nicht – das eine so richtig wie das andere. In den Falten der Seele liegt schlummernd und im Dunkeln die Erkenntnis, sie ist unendlich, genauso wie es die Falten sind. Wenn man sich entfalten will, muss man sich nur immer hin zum Himmel strecken.

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Paradise Is Here …

Heute, am „Tag der Erde“, da erinnere ich mich, als ich auf einer Terrasse einer Villa auf Procida saß, auf das Meer und in den Himmel blickte und dies hier niederschrieb. Es sollte ein Satz ohne Punkt werden, man sollte beim Lesen nur noch ausatmen können; es sollte keinen Anfang und kein Ende geben – ein ewiges Stottern und Stöhnen werden. Ich war verliebt: 

Die lebendige Sonne scheint in vollen Zügen auf mich herab, ich schaue auf das Meer, wie spiegelglatt es vor mir liegt und sehe wie die Strahlen sich darin bewegen, wie das Blau des Himmels eintaucht in das Türkisblau der See, sehe die Wellen an den Ufern sich brechen, erblicke gegenüber von mir die Insel Capri liegen, umhüllt von einem leichten weißen Schleier, als habe sie sich als Braut zurechtgemacht, als erwarte sie sehnsüchtige Erfüllung, als wollte sie sich solange in Unschuld kleiden, sich bedecken, bis meine Gedanken Engelsflügel bekämen, um sie zu erreichen und den Schleier zu durchbrechen, jedoch tastet mein Blick noch weiter die Landschaft ab, und aus dem Toilettenfenster – wer kann das schon – könnte ich beim Scheißen den sich drohend aufbäumenden Vesuv erblicken, einem Vulkan, ähnlich einem Venushügel, mit einer faszinierenden Kraft; in ihm tobt und brodelt ein Lavasee von der Größe einer Stadt und ist jederzeit zum Unheil verkündenden Ausbruch bereit – ja, das alles kann ich sehen aus dieser alten Villa, in der ich wohne, gebaut auf einem hohen Hügel, hin zum Meer und ich wohne in jenem Zimmer, in dem einst Bourbonenherrscher schliefen, jede Ecke dieses Hauses hat eine Geschichte zu erzählen, wo auf einem dieser Kachelböden ein Mosaik von Dionysos, es ist ein Kindheitsbild, dem alten griechischen Gott der Freude, des Weines und der Ekstase, als Mosaik auf dem Fußboden gelegt wurde und bezeugt, wie nahe man doch dem Griechischen hier ist, wie nahe dem Leben, einem Leben, das übervoll selbst zur Eruption bereit ist und wie Stolz man doch auf diese wesenhafte Tradition hier ist, und ich fühle mich jetzt selbst, gesetzt in diese Umgebung, wie ein König, nein besser noch wie ein Gott, ein Gott meiner selbst, ein Gott, der nur über mich herrscht und nur über mich steht, hier, wo das Meer blauer als nirgendwo ist, hier, wo ich näher am Himmel bin, näher noch als in der Ägäis, näher als ein Astronaut in seinem Raumschiff, und während ich dies erdenke und erfühle, währenddessen mein Herz höher schlägt, während ich fast regungslos da sitze und eine Flut meine Sinne durchspült, ist die Zeit vergangen und der Abendhimmel hat sich in einem blauroten Kleid der Dämmerung zurechtgemacht, mit einer Mondsichel sich für mich geschmückt – mein Himmel wie schön du doch bist – und ein kleines Boot, durchquert in diesem Moment das Meer, kleine Wellen hinter sich herziehend und bildet eine perfekte Ouvertüre zwischen mir, dem ruhigen Meer, dem Himmel und dem gegenüber liegenden Land, auf dem nun Lichter angehen, die wie kleine Kerzen wirken, als wären sie angezündet worden, um ein Fest einzuläuten, als würde die Welt gleich einen Tanz beginnen und ich frage mich, hab ich etwa Drogen genommen, alles erscheint so unwirklich und doch zum Greifen nahe, was jetzt noch fehlte in dieser kitschig schönen Kulisse, ist vielleicht ein Coca-Cola-Gott oder ein Lied, das über allem schwebt, ein Lied, das aus dem endlosen Meer sich erhebt, übergreift auf Himmel und Land und mehrstimmig ein Konzert anschlägt, indem auch ich meine Stimme erheben werde und wir, Land, Himmel, Meer du und ich – ja wir, die wir alle verschieden, eigenständig, unabhängig sind, ein Erd -Choral anstimmen, das Erdenlied singen, wo im Tanze wir uns solange drehen, bis jeder lästige Gedanke von uns gewichen ist und alles was dann noch fehlen würde, in dieser Ungeheuerlichkeit, wäre der Satz, der niemals endet, wäre der Satz, der in einem Atemzug sagen kann, was ich will, der Satz ohne Punkt und ohne Endung, der Satz, der sagen will, ich liebe dich, du Welt – Schmerz ist in mir entstanden.

Gespeist meinen Körper, meine Sinne mit den Bildern aus diesen späten Oktobertagen, am Abhang zum Meer, auf wackeligem Boden, hier, wo furchteinflößende Ikonenbilder von den Wänden blutüberströmt dich begrüßen, wo Traum und Alptraum dicht beieinander liegen, wo Freudentaumel und Desaster sich die Hände geben, wo Frieden sich mit Chaos kleidet, hier, wo ein Ende scheinbar unbeweisbar ist, so als wollte man gar nicht wissen, wann etwas zum Abschluss gerät, als wollte man gar nicht hören, wann und ob die Schöpfung sich vollendet und wie die Zukunft sich gestaltet, erigieren mit einem Male meine Gedanken, als wollten sie Leben einfangen, und eine Erkenntnis – schrecklich, aber dennoch schön – durchfährt blitzartig meine Sinne: WIR SIND IM PARADIES!

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Pfad der Entscheidung …

Carlos Castaneda lässt seinem Don Juan sagen, dass man besser mit leeren Händen einen Weg entlang gehen sollte. Auch sollte man dabei die Finger spreizen, um den dazwischen fließenden Windzug zu spüren.

So, wie Don Juan es empfiehlt, mache ich es öfters. Es kann ja nichts schaden. Niemand wird meine komische Fingerhaltung bemerken und so kann ich unbemerkt mir erdenken, wie Energie mich dabei durchdringt. Ich mache es nicht, weil ich davon felsenfest überzeugt bin, ich bin überhaupt kein Castaneda – Jünger. Ich mache es einfach nur, weil ich mich dann der Figur Don Juans nahe fühle und in der Phantasie mit ihm durch mexikanische Wälder streife, auf geheimnisvollen Pfaden wandere und selbst ein Stück dieser Romanfigur dabei werde.

Es ist der 11. April. Zum 10. April hatte ich mir vorgenommen eine Entscheidung zu fällen. Entscheidungen sind Gefängnisse – Nichtentscheidungen aber auch – und so ging ich spazieren in der Hoffnung die Gitterstäbe der Entschlüsse ein wenig auseinander biegen zu können.

Die Sonne schien – das ist die Bedingung, damit sich irgendetwas in meinem Gefühl regen und vielleicht nach oben, in den Verstand, dem Zentrum der Entscheidung, dringen kann. Genaugenommen finden Entscheidungen im Solarplexus statt, dort entsteht ein spezieller Affekt, der mir kundtut, ob etwas richtig oder falsch ist. Logik ist kein guter Ratgeber, Vor – und Nachteile abzuwägen, heißt meist, sich gar nicht mehr zu bewegen. Ich mag lieber die Brüche; sie sind wie innere Revolten, sind wie Segel setzen durch stürmische Gefilden und hin zu einer neuen Morgensonne.

Gestern fragte mich ein Freund, was Glück bedeute und ich überlegte, ob es vielleicht eine Form von Verengung und Ausdehnung sei, vergleichbar mit der Bewegung des Herzens, der Lunge, der Pupille des Auges oder des Universums: alles zieht sich unerträglich zusammen und weitet sich aus. Unerträglich ist es die Luft in seinem aufgeblähten Brustkorb anzuhalten, genauso wie es unerträglich ist, in sich zusammengezogen, gar nicht mehr zu atmen. Es könnte sein, so meinte ich, dass das Glück sich verhielte wie der Blitz bei Heraklit: er kommt plötzlich vom Himmel geschossen, erhellt voller Schrecken das Firmament und lässt anschließend alles wieder im Dunkeln zurück. Weder die Helligkeit, noch die Dunkelheit, so mutmaßte ich, sei Glück, sondern es sitzt dazwischen, tritt nur in einem kurzen Moment auf und ist schnell wieder verschwunden. Es ist wie ein Parfum, das verfliegt, wie ein Geruch der Erinnerung, nach dem man strebt.

Ich setzte mich nieder auf die Bank, auf der ich mit ihr einmal saß, schaue hier oben von dem Hügel auf den sich bewegenden Fluss. Er fließt und fließt und mit jedem Moment ändern sich auch die Gesichter, die vor ihm stehen und ihn betrachten.

Wieso, so dachte ich, als ich hinunter zum Elbstrand ging und die kleinen Wellen, hervorgerufen durch die Fahrt eines Schiffes, sich am Ufer brechen sah – wieso hatte das Publikum Beifall geklatscht als ein achtzigjähriger Talk-Show-Gast verkündete, er sei seit sechzig Jahren mit der gleichen Frau verheiratet? Entnahmen die Beifallspender daraus eine Form des Glücks?

Welle für Welle betrachtete ich, Sehnsucht nach einem weiten, tosenden Meer kam in mir auf und ich fühlte, wie angenehm mich Unzufriedenheit durchströmte. Wie oft stand ich hier schon, gegenüber einem Wald voller Kräne und versuchte mit der Hilfe von Himmel, Sonne und Wasser irgendwelche Probleme zu lösen. Probleme, so las ich bei Bergson, seien Dinge an denen man sich entwickle – stelle man das Problem richtig, beinhalte es bereits die Lösung. Also ging ich weiter, man kann wahrscheinlich nichts anderes tun, als gehen und gehen, bis sich endlich etwas löst und in einem Aha-Effekt aufbricht. Ja, ich glaube fest an die Bewegung, früher nahm ich mir sogar einmal vor, solange die Elbe entlangzugehen, bis mir eine zündende Idee komme. Ich tat es dennoch nicht.

Sechzig Jahre verheiratet! Das werde ich nicht mehr schaffen. Nicht schaffen werde ich es, mit meiner Geliebten, wir beide aus dem Frühling kommend, gebrechlich und hinkend, im Winter unserer Gefühle, mit einer Plastikeinkaufstüte in der Hand, nebeneinander herzugehen. Nicht schaffen werde ich es, dass wir uns solange die Hände reichen, bis uns der Sabber aus dem Mund fließt, bis all unsere Leidenschaft sich einfriert in Alltäglichkeit und das Schwert der Emotionen stumpf geworden ist.

Liebe ist doch nur ewig, solange noch Wind in die Segel weht und jede Begegnung ein Rendezvous ergibt. Warum also klatschte das Publikum? Weil es allein das stoische Verharren miteinander als selig machende Form empfand? Unweigerlich musste ich an Sartre und Simone de Beauvoir denken, sie waren in ihrem Zusammensein getrennt – sie waren ein Paar, zweier sich eigenständig bewegender Menschen.

Ein kalter Wind blies mir in den Rücken, die Sonne hatte sich hinter einer Wolke versteckt, mein Haar geriet mir durcheinander, fiel mir von hinten ins Gesicht. Ich lief schneller, die Kälte wurde mir unangenehm und ich bog ab vom Strand hin zu einem windgeschützten Gehweg. Ich hörte mal, Erfrieren sei kein so schrecklicher Tod, man würde einfach einschlafen und nicht wieder aufwachen. Furchtbar. Müsste ich mir mal ein Ende bereiten, ich wollte lieber, so wie ein griechischer Philosoph, vom Kraterrand des Ätna in die Glut der Lava springen und dort verpuffen und als Wolke in den Himmel steigen. Cioran, der Todesphilosoph, meinte, man müsse sein Leben zu einem Zeitpunkt beenden, solange man noch die Handlungsfreiheit darüber hat. Er starb, welch eine Katastrophe, schließlich umnachtet in einem Altersheim. Es gibt keinen richten oder falschen Weg, jede Weisheit ist eine Illusion. Das Glück ist schwer zu erfassen, es ist der kleine Moment, der sich zwischen Blitz und Dunkelheit erzeugt.

Der Wind wurde weniger, ich strich meine Haare wieder nach hinten. Entlang ging ich den Weg zwischen den alten Kapitänshäusern, sah bunte Blumen in den Gärten, sah wie das Grün aus den Zweigen brach. Die dunkle Wolke am Himmel zog weiter und Sonnenstrahlen beschienen mein Gesicht. Wo sind all jene geblieben, mit denen ich einst hier entlang gegangen bin? Wo ist die behinderte Frau geblieben, die ich mit ihren Stöcken und schnellen Schritten damals öfters sah, wenn ich mit dem Fahrrad, jonglierend zwischen all den Menschen, hier entlangfuhr? Sie war immer alleine und soviel Freude stand in ihrem Gesicht. Wo sind all die Wörter geblieben, die ich hier in die Gegend warf? Selbst die Orte bewegen sich, sind nicht mehr die gleichen, die man mal verlassen hatte. Auch sie atmen irgendwie ein und aus, dehnen und ziehen sich zusammen, verändern sich bis zur Unkenntlichkeit.

Auf einem Gartenbeet sprossen bunte Tulpen und als ich um die Ecke bog, passierte es: Eine schwarz-weiß gemusterte Katze, streckte ihren Kopf zwischen Gitterstäben, ich beugte mich zu ihr hinunter. Ein Flohhalsband trug sie und sie quetschte sich elegant durch die Stäbe, kam zu mir hin. Ich streichelte sie, sie schnurrte, ein warmer Strom durchzog mein Gemüt. Und als die Katze in der Türöffnung eines Hauses verschwand, da wusste ich plötzlich, was ich zu tun hatte: Die Entscheidung brach aus mir heraus, als ich mit meinen Fingern das Katzenfell berührte.

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Rebel Yell …

Sie sitzt am Fenster, das Licht der Morgensonne bescheint ihr Gesicht und dringt durch ihr durchwühltes, blondes Haar.

Weißt du …“, sagt sie zwischen ihren vollen Lippen, ich schaue sie an, aber ihr Blick ist hinausgerichtet, vielleicht hin zum Baum, der gegenüber vom Fenster im Hinterhof steht, vielleicht aber auch gen Himmel – ich kann es nicht erkennen.

Sie werden Rebellen genannt, aber das sind sie nicht“, setzt sie fort und ich lausche gespannt was kommen wird. Ihr weißes Hemd, das über ihre Knie gezogen ist, hängt zart über ihre Schultern, läßt die Arme frei. Ihre entblößten Füsse, mit ihren brüchig, rot lackierten Zehnnägeln, sind auf der Fensterbank abgestützt.

RE-BELL-ION“, sagt – nein singt sie fast schon, lässt genüsslich lang das Wort über ihre Zunge gleiten. Schlafsand entdecke ich in ihren Augen – und sie dreht ihren Kopf wieder hin zum Licht, als solle es, während sie denkt, ihr Gesicht wärmen.

Die Rebellen sind Poeten des Lebens und sie erheben sich, weil die Ketten, die sie zu brechen versuchen sich ständig verändern. Sie müssen die Herzschläge fühlen können, sie müssen wissen, wie der Vogel fliegt, fühlen, wie die Kelche der Blumen sich öffnen, hören wie die Knospen der Blätter an den Bäumen sich öffnen. Rebellen tragen ewig die Kindheitstage in sich und haben die Tränen des Schmerzes und der Freude in ihre Herzen geschlossen. Nächtens stehen sie still am Meeresrand, beobachten, wie Sterne in ihrem Schein sich widerspiegeln, lauschen dem Lied des Rauschens, sehen wie die Wellen sich brechen, sich zurück ziehen und wieder vergehen – nie ist eine Welle dieselbe, genauso wenig wie der Mensch es ist.

Die Rebellin …“, sie sagt tatsächlich ‚Rebellin‘, als will sie damit das Weibliche, oder einfach nur sich selbst unterstreichen, und wendet ihren Blick ab vom Fenster, hin zu mir.

… erinnert sich an die Nächte der Liebe, an jene, in denen überschäumende Lebenskräfte, begrenzende Dämme lustvoll durchbrechen.“

Eine Kunstpause wirft sie ein, ich will ihre Gedanken nicht unterbrechen. Freudige Nachdenklichkeit hat sich über ihr Antlitz gelegt. Gespannt lausche ich ihren Gedanken, die sie mir, trotz Heiserkeit des Klanges, mit engelsgleicher Stimme offeriert. Meine Augen sind auf sie gerichtet, hypnotisiert schaue ich auf die Bewegung ihrer Lippen und den Glanz ihrer Augen, die ebenfalls zu mir reden. Ihre Worte zusammen mit ihrer Erscheinung, wirft sie aus, wie Fischernetze, die ihre Wirkung bei mir nicht verfehlen. Und so denke ich, in diesem bewegenden Moment, dass nicht nur entscheiden ist, was gesprochen wird, sondern auch, wer da spricht, dass die gleichen Worte, weniger wahr sein können, kämen sie von einem anderen.

Wir Rebellen …“, sagt sie, erhebt sich von der Fensterbank, betritt mit ihren nackten Füssen das Holz des Bodens des Raumes, indem wir beide, wie in einem Raumschiff und über die Dinge schwebend, zusammen sind. Ich zünde mir eine Zigarette an, Stolz und Freude erfüllt mich, dass mit dem ‚wir Rebellen‘, sie mich scheinbar mit einbezieht.

Auf mich zukommend, lächelt sie mich an – unter ihrem weißen Hemd, das ihr knapp über ihre Knie reicht, sehe ich ihre Brüste sich bewegen – und nimmt mir die glühende Zigarette aus der Hand, zieht daran und geht damit, eine Rauchwolke hinter sich herziehend, den den Raum entlang.

Wir Rebellen, bevor wir etwas auf unsere Fahnen schreiben, bevor wir zur Schlacht aufrufen, sollten all die Sinne der Welt – und nicht nur die, sondern auch noch all der Sterne und all der anderen Galaxien – in uns empfinden können … mehr als nur das Unrecht herauszuschreien, mehr als nur die Finsternis wie einen Dauerregen niederprasseln zu lassen, sollten wir Licht in die Dinge bringen.“

Aber …“, unterbreche ich hüstelnd ihren Gedankenfluss – ein Kloß hat sich irgendwie in meinen Rachen gelegt, „… wenn das Unrecht nicht benannt wird, wie sollten wir es dann abschaffen können?“

Niederbrennen!“, erwidert sie kurz und knapp, zieht erneut an der Zigarette bläst den Rauch in meine Richtung und drückt sie anschließend , neben mir im Aschenbecher aus.

Niederbrennen?“, frage ich erstaunt zurück.

Ja, richtig“, sagt sie, ihr Tonfall klingt euphorisch. „Wenn wir alle Ströme der Sinnlichkeit aufnehmen, wenn wir mit all unseren Organen, mit all unserem Körper es einatmen … dann, ja dann genügt es nicht allein, es muss in unsere Blutbahnen dringen und unsere Herzen entflammen:“

Aufgebracht läuft sie im Raum umher, so als sei sie schon selbst von ihrem erschaffenen Rebellenblut infiziert, als poche es sehnsuchtsvoll in ihren Adern.

Ich bin nicht nur Wunde, ich bin auch das Messer!“, ruft sie, als stünde sie auf einer Barrikade, händehebend aus. Mir ist, als habe ich den Spruch schon einmal in einem anderen Zusammenhang gehört. Kleinlaut und Respekt vor ihrer Begeisterung zollend, gebe ich zu bedenken, dass das, was sie gerade auf ihre Fahnen schreibt, ein Traum sei, wenn auch ein schöner, aber in der Realität nicht Stand halten könne.

Ich will es aber!“ erwidert sie trotzig, setzt sich auf meinen Schoß und legt einen Arm um meinen Nacken.

Versprichst du mir, dass wir mit den Flammen unserer Herzen, Licht in die Welt bringen werden?“, sagt sie mit sanfter Stimme zu mir, so als könnte ich, alleine mit ihr, die Welt von ihren Ketten befreien.

Ich verspreche es dir. Ich verspreche es dir aus meinem schon glühenden Herzen.“

Das ist schön“, erwidert sie auf meine fast schon unbewusst herausgebrachten Worten. Und während sie ihre Lippen zart auf die meinigen legt, sagt sie, sodass ihr Atem in mir dringt: „Dann sind wir Rebellen, abgemacht?“

Abgemacht!“, hauche ich zurück, in vollster Überzeugung, dass von nun an unser Licht all die Finsternis durchbrechen und unser Traum stärker als alles andere sein wird.

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Space Oddity – Gedanken zu David Bowie

Was ist schon der Schmerz gegen die Leere, gegen die Kälte, die das Gemüt durchfriert. David Bowie ist tot.

Space Oddity: Der Astronaut als das Sinnbild des Menschen in der sich verlierenden Unendlichkeit, träumend von Freiheit, kann er nur überleben im engsten Raum. Es ist die Tragik, dass die Realität stärker erscheint als der Traum, dass die Freiheit kleiner ist, als das was sie verspricht.

Träume sind aus Klängen gewebt, Wellen tragen dich davon und dort wo Liebe ist, ergreift die Musik dich mit Tentakel-Armen. Wenn Traum und Musik den Hochzeitstanz eingehen, ist die Realität im Sternenstaub versunken, der Ernst vernichtet – ein Lächeln auf den Lippen verschönert das Gesicht.

Als Kind wollte ich Astronaut werden – irgendwie entfliehen. Aus dem Raumschifffenster wollte ich bessere Welten erblicken und in der Unendlichkeit schweben. Wenn ich schwerelos durchs All gleiten würde, so dachte ich, dann hätte ich nur meine eigenen Probleme zu lösen, dann gäbe es kein „du musst“, kein „du sollst“, kein dick, kein dünn, kein Alter und keine Zeit – dann würden die Blumen in meinem Kopf ewig blühen und die Bäume immer fette Früchte tragen. Zwischen gestern und morgen gäbe es keine Grenze mehr, eins wäre ich und verschmolzen in Unsterblichkeit.

Major Tom steigt einfach aus, will das Glühen der Sterne spüren, doch sehnsuchtsvoll blickt er zurück auf den blauen Planeten, vielleicht auch auf die Wellen, die sich in Ozeanen regen.

Als ich „Space Oddity“ das erste Mal hörte, war ich längst kein Kind mehr, da war es eigentlich zu spät, da hatte David Bowie Ziggy Stardust schon lange zu Grabe getragen. War es nötig Ziggy sterben zu lassen, dieses Kind eines metrosexuellen Traumes?

Doch das Raumschiff, das in meinem Inneren pochte, in unendliche Weiten fort fuhr, die Astronautensehnsucht, die nie verblasste, all das war ergriffen von diesem Lied. Es war, als ginge ich den Regenbogen auf und ab, als bildeten sich neue Fluchtlinien:

I’m stepping through the door. And I’m floating in a most peculiar way. And the stars look very different today.“

EinesTages jedoch, ich stand vor der „Sagrada Familia“ in Barcelona, da musste ich an Major Tom denken. Liebesschmerz trieb mich dorthin und in meinem Wahn wollte ich alles auf einmal von der Welt entdecken. Als ich vor der Kathedrale stand – im gleichen Wahn, in dem ich mich befand, von Gaudi erschaffen – wurde mir schwindelig und ich musste mich setzen. Sonne schien auf das Wunderwerk herab und ein tiefblauer Himmel untermalte die Kulisse. Spitz ragten die Türme wie hinein in die Ewigkeit und als ich es sitzend und tiefatmend vor mir sah, war mir als befände ich mich tiefer im Kosmos als jedes Flugzeug und als jedes Sternenschiff. Major Tom, so durchglühte es mich, hätte hierher kommen müssen, berührt von der Wunde der Liebe, um das Paradies, das er suchte, zu finden. Fern war mir nun der Gedanke im Dunkeln der Unendlichkeit umher zu irren – Sonnenkrieger wollte ich werden und selbst im Schatten dem Lichte hinterher jagen.

David Bowie ist tot. Zurück bleiben Märchen. Ziggy Stardust ist am Leben! Alles ist im Kopf, alles in der Phantasie und es wird wichtig sein, dem Traum an den richtigen Platz zu bringen. Die Realität ist nur ein kleines Werkzeug den Traum zu justieren, ihn zu verfeinern, ihn mit noch mehr Bildern zu füllen.

I want eagles in my daydreams, diamonds in my eyes“

David Bowie: Er wusste, dass er sterben wird, aber er wollte entkommen. 18 Monate kämpfte er mit dem Krebs, doch die Krankheit hat ihn nicht besiegt. Er hat die Flucht nach vorne, mit dem Raumschiff seiner Träume, angetreten:

„Look up here, I am in heaven/ I’ve got scars, that can’t be seen/ I’ve got drama, can’t be stolen/ everybody knows me now“. „Black Star is waiting for me“, „You know, I’ll be free“, „Oh, I’ll be free/ just like that bluebird/ Oh, I’ll be free/ ain’t that just like me“ (aus seinem letzten Album, erschien am 8. Januar)

Lebe wohl David, wo immer Du auch bist – ich halte Ziggy Stardust tief in meinen Armen fest.

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Wiegelied der Seelen …

Bombenteppich, U-Boot Jagd, Einkaufszentren schön gemacht. In der Vegan – Abteilung halte ich ihre kalte Hand. Die Welt ist aus den Fugen, der Tisch umgekippt, die Teller zerbrochen. Die Götter sind zurück und kotzen uns ins Gesicht.

Ich könnte Dieb werden, sage ich ihr, ich würde für sie das Feuer stehlen. Das Feindselige ist draußen, dort liegen die Wolken tief. Auf einem Schaukelpferd fährt ein dickes Kind durch unser Paradies und jeder neue Tag zerteilt mich noch mehr. Ich bin verwirrt, schaue zur Uhr, ahne, wo die Sonne hängen müsste.

Könnten wir nicht die Traurigkeit besiegen, fragt sie mich und löst ihre kalte Hand von mir, wenn wir Worte neu erfinden würden. Sie läuft durch das Labyrinth der Regale, ich sehe sie kaum mehr. Jeder imitiert das Gute, jeder hat eine Richtung nur die Kriege werden mehr.

Es müsste eine neue Sprache geben, ruft sie von weit hinten, ich sehe ihr Kajal ist unter ihren Augen verschmiert, Schwarzes läuft ihr übers Gesicht. Aber rufe ich, renne ihr hinterher, wenn alles Lügen auch Wahrheit ist, wie können wir da noch einen Sinn erfinden. Hinter dem Tresen, wo wir stehen, grinst ein Mann mit blutiger Schürze uns an. In der Spiegelung der Glasscheibe vom Tresen, hinter dem zerstückelte tote Tiere liegen, sehe ich mein Gesicht und erschrecke mich. Falten haben sich auf mein Gemüt gelegt, die Zeit ist zwischen meinen Fingern zerronnen, ich werde noch verdammt ohne Licht in den Abgrund gehen müssen. Wo ist nur die Sonne, frage ich sie, sie war doch unser ganzes Glück, ausgerechnet sie hat uns verlassen. Die Sonne kommt zurück, erwidert sie, tröstet mich und tätschelt mir die Wangen. Aus dem Lautsprecherboxen erklingt ein Lied, es singen kleine, nackte Engel danach herrscht kurze Stille.

Von Seele zu Seele, sagt sie jetzt, sie hat nachgedacht, so müsste die neue Sprache reden. Mit einem lauten Knall hackt der Schlachter hinter uns ein Schwein entzwei. Ein Preisschild wird ins rohe Fleisch gestochen und ich gehe auf sie zu, drücke sie fest an mich heran.

Das wäre schön, gebe ich ihr zurück und hülle sie in meinen Mantel. Wir könnten dann das Leben pochen hören, sage ich ihr und streiche mit meinem Finger über ihre Lippen – das wäre eine Sprache wie sanftes Wiegen der Seelen, nichts könnte mehr passieren.

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Ein Sonntagmorgen in St.Pauli

Als ich aufwachte und den grauen Himmel aus meinem kleinen Fenster sah, anschließend die niedrige, weiße, mit Raufasern tapezierte Decke über mir erblickte, kam mir mit einem Male die Frage in den Sinn: Bin ich glücklich?

Ich konnte mir keine Antwort darauf geben. Wie denn auch? Ist Glück ein breites Grinsen im Gesicht, ein guter Fick, ein Jauchzen bevor man einschläft, ein Klopfen auf die Schulter, ein Liebesgefühl, ein gelungener Text, ein wunderbares Buch, das man liest – ist es die Sonne, das blaue Meer, eine Zigarette, sind es Augen in die man blickt und dabei den Mund sich bewegen sieht, ist es das Gefühl: dieser Tag gehört mir allein oder ist es die Blume zu der man sich niederkniet, ist es der Vogel, der auf einem Ast singt – ist Glück sehnlich erwünschte Hoffnung, ist es ein Volk, das es noch nicht gibt, oder ist es nur die Freude darüber, dass das Herz noch schlägt?

Noch am Abend, bevor ich einschlief, nahm ich mir vor, diesmal, am sonntäglichen Morgen, aus dem Bett zu schnellen, mich zu reinigen und anzuziehen, innere Euphorie in mir zu erzeugen und raus zu gehen, um den Tag mit einem Lächeln auf den Lippen zu begrüßen.

Untersagt hatte ich es mir, noch vor meiner Aktivität, Nachrichten zu lesen, die mich niederdrücken und lähmen könnten. Heute wollte ich nichts von der großen weiten Welt wissen, klein sollte alles bleiben und erquicklich.

Voller Tatendrang betrat ich die Küche, traf dort beim Kaffeekochen meinen Wohnungsgenossen, der blass und mit dicken Rändern unter den Augen mich begrüßte. Die Küche ist immer kalt, weil, so wurde mir gesagt, es unnötig sei, sie zu beheizen.

Der Grund für sein verkatertes Aussehen war nicht, dass er die Nacht über durchmachte; nicht zuviel Alkohol war im Spiel – im Gegenteil es war zuwenig. Normalerweise trank er gerne sehr viel, doch nun hatte eine strenge, weibliche Hand, nämlich die seiner Geliebten, ihm klar gemacht, er möge doch bitte weniger zu sich nehmen. Es sei Scheiße, erklärte er mir, ohne Alkohol mache das Leben weniger Spaß und das er sich jetzt einschränken müsse, bereite ihm unnütz viel Schmerzen.

Ich ging hinaus, ließ ihn alleine, er wollte auch nicht viel reden. Nieselregen und Wind fegte mir um die Nase und ich verschränkte vor Kälte meine Arme über meine Brust. An der Strassenecke hatte sich ein Bullenauto aufgebaut. FC St. Pauli spielte. Schutzhelme sah ich durch die Windschutzscheibe und auch Schlagstöcke. Der Fahrer trank aus einem Becher ein Heißgetränk, der Motor lief und auf der Rückbank erkannte ich trotz abgedunkelter Fenster andere Männer, die sich für den Ernstfall bereit hielten. Es war kalt, der Asphalt glänzte, Scherben und Kronkorken hatten sich von der Samstagnacht auf der Strasse verteilt. Der Himmel war verschwunden und eine eigenartige, bedrückende Sonntagsstille hatte sich über die Gegend gelegt. Ich beschloss in ein Café zu gehen, um das mitgenommene Buch, weiter zu lesen. Ich lese gerne an anderen Orten, oftmals erinnere ich mich an die Orte wieder wenn ich lese und an das Gelesene wenn ich die Orte wieder betrete.

Heute jedoch waren alle Cafés in der Umgebung überfüllt. Menschen, meist verkatert vom Vortage, drängten sich um die Tische. Hastig bediente das Personal die zischende Espressomaschine, um dem Fluss des geforderten Koffeins in Bewegung zu halten. Ich verzichtete darauf, ein schmales Plätzchen in all dem Stimmengewirr noch zu finden und beschloss, beim Bäcker mir Brötchen zu holen. So suchte ich jene kleine Bäckerei auf, die seltener Weise noch selber Brot und Brötchen backt.

Die Bäckerei ist kaum noch auszumachen, weil groß daneben, als sollte sie erdrückt und verdrängt werden, ein größerer Backshop sich breit gemacht hat. Heute war sie fast menschenleer.

Eine ältere Dame, elegant gekleidet, wollte mir gerne den Vortritt geben. Gewiss war sie nur gekommen, sich mit den ebenso älteren Frauen, die mit schlürfenden Schritten hinter dem Ladentresen hin und her wandelten, Unterhaltung zu führen.

Ich bedankte mich bei ihr über die Freundlichkeit und suchte mir, irritiert über das große Brot-Angebot drei Brötchen aus. Deutschland ist das Land der Brote.

Mit einem zarten Lächeln auf ihren leicht geschminkten Lippen, beobachtete mich die ältere Lady bei meiner Bestellung. Ein Croissant solle ich doch noch kaufen, meinte sie zu mir, das hätte sie früher auch gemacht. Etwas Sehnsuchtsvolles klang in ihrer Stimme und erstaunt fragte ich, ob sie denn nun nicht mehr frühstücke. Nein, nein, antwortete sie mir und schenkte mir erneut ihr bezauberndes Lächeln, das sei vorbei. Eine Scheibe Schwarzbrot und eine Tasse Tee, das sei nun alles, mehr gäbe es nicht mehr in ihrem Leben. Sekundenschnell kreuzten sich unsere Blicke, sodann aber wandte sie sich ab, hin zur Verkäuferin, die mit ernster Miene und gekrümmten Rücken meine Bestellung in die Papiertüte packte. Ein Croissant solle sie noch mit hinzu tun, rief ich der Verkäuferin zu und sah wie die Lady dabei zustimmend lächelte.

Ich ging hinaus, in meinen frierenden Händen die Tüte. Eine junge Mutter schob an mir ihren Kinderkarren vorbei, St. Pauli Fans hatten sich vor einem Kiosk versammelt und tranken Bier aus Flaschen. Sie aber hatte aufgehört zu Frühstücken! Versammelten sich vielleicht einst die Männer um ihren gedeckten Tisch, brachten ihr Blumen mit und sie legte, mit ihrem reizenden Ausdruck im Gesicht, jedem, als Überraschung, ein Croissant auf den Tisch? Ihren Stolz, ihr anmutendes Wesen, ihre Schönheit und ihre Eleganz, das alles konnte ich, als sie mit geradem Rücken vor mir stand, erkennen. Irgendwann war alles vorbei, kein Gentleman kam mehr vorbei, all die Vasen blieben leer, kein Rot der Rosen, die ihr Herz einst beglückten, gab es mehr. Was war nur geschehen, fragte ich mich, während ich den Weg nach Hause ging. Sie hätte es nicht tun sollen, schlussfolgerte ich – sie hätte nie aufhören sollen zu Frühstücken.

Alleine und mit diesen Gedanken im Kopf, ging ich zurück in meine Wohnung, kochte mir Kaffee, belegte meine Brötchen. Es war vierzehn Uhr, von Weitem hörte ich aus dem Stadion die Menge grölen, blickte aus dem Fenster hinein in den Nieselregen, ging hin zum Spiegel, zog Grimassen und stellte mir dabei erneut die Frage: Bin ich glücklich?

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Tod in Neapel …?

Ich dachte Neapel beschützt uns alle. Das Ei von Virgil liegt im Untergrund. Der römische Dichter tat es hinein, dort wo das Castel, dell’Ovo sich befindet – es war ca. 70 vor Christi – und solange es dort liegt, bleibt die Stadt vor Unheil beschützt. So dachte ich.

Wir hätten diesen Weg nicht entlang gehen sollen, wir hätten gar nicht mit diesen Engländern die Tour machen sollen. Es war ein Zeichen, es fing alles schon nicht gut an.

Aber Angst entsteht auch aus der Schwäche heraus. Angstbürger gleich schwache Menschen, Angst alles könnte anders werden, nicht mehr so, wie es vorher war, Angst es könnte was passieren, ein Unglück … Doch es geschah.

Hatte sie vielleicht einen falschen Schritt getan? War sie unachtsam in dieser Sekunde, als das geschah? Sie sah nicht gut aus, ihr Rücken war krumm, ihr Gesicht sah sowieso sehr leidend aus, ihre Mundwinkel hingen tief herunter.

Wenn es in der Liebe Zeichen gibt, sie nur von Zeichen lebt, warum nicht auch im übrigen, alltäglichen Leben? Vielleicht sieht man die Zeichen nicht, weil man nicht ständig verliebt ist, weil man zum Beispiel beim Zähneputzen es vergisst oder beim Kochen der Suppe. Das Unglück sticht immer in Normalität hinein, wahrscheinlich stirbt man in jenem Moment, wo man es am allerwenigsten vermutet – stirbt man dort, wo man nicht dagegen versichert ist.

Nein, ich hab an das Ei nicht geglaubt, nicht im Kopf, mein Gehirn ist dazu zu deutsch – aber als Option hatte ich es in Betracht gezogen. Genauso, wie man viele Ausgänge braucht, viele Hintertüren, so denke ich, braucht man auch viele Optionen. Eine wichtige, nicht realistische Option hatte ich mir einst erdacht, nämlich, dass man gar nicht sterben könne. Ich dachte mir, tot sein, das geht nicht – tot ist man, wenn man für tot erklärt wird, immer nur für die anderen und niemals für sich selbst. Es ist eine wichtige Option, eine Erfindung, die mir einen großen Teil der Angst nimmt. Man sollte immer was für sich erfinden, ein Märchen, eins, das nur einen selbst betrifft. Da man ja nur für sich selbst lebt und auch gar nicht sterben kann, halte ich das für eine passable Methode.

Die Englander hatten zuvor schon ihr Schiff verpasst und wir mussten zwei Stunden auf sie warten. War das ein Zeichen? Als sie endlich da waren, zogen wir mit ihnen los. Sie und er, ein sonderbares Paar. Zuerst redeten sie nicht viel und ich dachte, sie würden überhaupt nie viel sprechen. Doch je mehr wir gingen, desto gesprächiger wurden sie. Er musste mir unbedingt, während ich was über Neapel erzählte, mir erklären, wie es aussieht, woher sie kommen. Ich konnte nicht alles verstehen, mein Englisch ist nur mittelmäßig, mein Italienisch sehr schlecht. Eigentlich bin ich ein Alien, ein Fremder, ein Ausländer – und an diesem Tag ein Touristenführer. Ich überbrückte seine Worte, die ich kaum verstand, mit einem freundlichen Gesicht, tat so, als könnte ich ihm folgen.

Aber wir mussten doch durch diese Strasse gehen, es führte kein Weg daran vorbei. Außerdem ist es die Strasse, die mir am besten gefällt. Ich will auch das Beste zeigen, mich selber immer wieder von meiner eigenen Begeisterung treiben lassen. Aus Nottingham kamen sie, nicht direkt, sondern aus der Umgebung. Es soll da ein Schloss stehen, was sehr alt und wunderschön ist, wahrscheinlich, so vermutete er, entstamme es aus dem Mittelalter. Das sagte er mir, während wir durch die engen Gassen des spanischen Viertels gingen, die kleinen Läden geöffnet hatten und ihre Waren feil boten, Roller an uns vorbeifuhren, Wäsche auf den Leinen hingen und Musik aus den Wohnungen dröhnten. Dies sei ein ärmeres Viertel, sagte ich, Neapel würde sein Gesicht alle hundert Meter wechseln. Robin Hood sei in seiner Gegend zu Hause gewesen und das Schloss hätte mehr als hundert Zimmer. Das Pflaster, auf dem wir gehen, fuhr ich fort, sei aus Vulkangestein. Ich hatte ihn nicht recht verstanden, dachte, sie Beide würden in dem Schloss mit den vielen Zimmern wohnen und fragte nach, ob sie die Zimmer vermieten würden. Nein, nein, sie haben nur ein kleines, sehr kleines Haus in unmittelbarer Umgebung.

Nicht, dass ich Touristen nicht mag – meisten mag ich sie schon. Freue mich, wenn sie sich über die Stadt freuen , wenn sie neue Eindrücke mitbekommen. Es immer richtig, sich aus seiner angestammten Heimat, sei es auch nur einen Augenblick, zu entfernen. Es ist wie in einer Beziehung, um Nähe zu genießen, muss man sich auch mal entfernen. Vielleicht reden viele deswegen von ihrem Zuhause, weil sie jetzt erst die Möglichkeit haben, es von außen zu betrachten – was man verlässt, wird erst richtig geschätzt.

Warm war es an diesem Tag und wir zogen unsere Jacken aus. Die Sonne schien aus einem knallblauen Himmel und auch das Meer leuchtete türkisblau. In wenigen Tagen werde ich Neapel verlassen, nach Berlin oder Hamburg gehen. Es machte mich ein wenig traurig, das, was ich heute zeigte, bald selber nicht mehr zu sehen. Ja, ich werde wieder nach Deutschland gehen, in meiner Sprache mich bewegen, ich werde die Menschen wieder verstehen können, jeden Schwachsinn aufnehmen können. Ich werde mir Probleme anhören und mir selber welche schaffen, die ich vorher, hier, nicht hatte. Aber ich werde auch an der Bar sitzen und wenn wir angetrunken sind, mich nett unterhalten, mich köstlich amüsieren. Ich werde mich imAuto anschnallen, auf jeden Polizisten achten, der lauernd darauf wartet, mich zu belehren, wenn ich mich falsch verhalten habe. Ich werde ins Sicherheitsland zurückkehren, brav auf dem Zebrastreifen die Strasse überqueren …

Die Motorrollerfahrer sind die Helden hier, sagte ich, sie fahren kreuz und quer, fast fliegen sie über all dem Verkehr. Vielleicht sind sie ja Engel. Hätte ich das sagen sollen?

Als am Ende der Krippenstrasse ein Mann auf seiner Gitarre traurige neapolitanische Lieder spielte, hielt ich an, hörte zu. Die anderen waren verschwunden. Ich warf ihm ein Geldstück in seine Mütze, er spielte einfach weiter, ohne sich zu bedanken. Das gefiel mir. Als das Lied zu Ende war, rief ich laut „Bravo“ – da lachte er und freute sich. Leute, schräg gegenüber auf der Bank, wahrscheinlich Anwohner, klatschten ebenfalls – es waren alles Frauen. Die Engländer kamen zusammen mit Alex zurück und wir gingen weiter. Gerne hätte ich dem Gitarrenspieler weiter gelauscht – Lied für Lied. Wir alle hätten es machen sollen, dann wäre alles anders gekommen. Wir hätten ihm Geldstück für Geldstück, so viel wir in den Taschen hatten, ihn zuwerfen sollen, nur nicht um die Ecke biegen müssen. Doch wir taten es, bogen in die Via Tribunale ein. Die Strasse war voll, es war Samstag.

Es geschah vor dem Eingang, wo ich gewohnt hatte. Ein Zeichen? Ich ging voran, bahnte mir den Weg durch die Menge. . Ich weiß nicht, was ich gedacht hatte, aber ich hatte Hunger.

Hörte ich noch das Geräusch oder glaubte ich nur im nach herein es gehört zu haben? Der Roller – er drängte sich durch die Menge. Dann: Atemlose Stille. Er, der Fahrer mit dem Roller, der Engel der Strasse – es war nur ein Bruchteil von Sekunden – flog im Zeitlupentempo, flog hinein in die Stille. Kurz darauf ein lautes Krachen, zeitgleich mit lautem Geschrei. Neben einem Eisenpfeiler blieb er regungslos liegen. Geschockt von dem, was ich sah, rief ich „nein!“ in die Menge hinein, so als könnte ich damit verbieten, was vor meinen Augen geschah. Schnell wollte ich zum Liegenden eilen, doch bevor ich die Strasse überqueren konnte, war er schon von anderen Leuten umringt. Ich wollte was tun, helfen, irgendetwas, da sein für ihn, aber schon bildete sich um ihn herum ein Kreis von Menschen. Entsetzt sah ich ihn dort liegen, er bewegte sich nicht, hatte sein Gesicht auf den Boden gedrückt, während die Räder des Rollers sich weiter drehten. Die ganze Strasse war im Nu verstopft, andere Rollerfahrer hupten, um durch die Menge zu kommen – Menschen traten aus ihren Läden heraus. Vor dem Kopf des Gefallenen der Eisenpfeiler, an dem er sich wahrscheinlich gestoßen hatte und noch immer lag sein Körper bewegungslos auf den Jahrhunderten alten Pflastersteinen. Tot? Seine Beine waren ausgebreitet, auch in ihnen gab es keine Regung mehr. Tot? Wieso, wenn er lebte, war sein Gesicht unter seinem schwarzen Helm auf den Boden gedrückt? Er müsste doch atmen wollen, schlussfolgerte ich entsetzt, in all diesen kurzen Sekunden. Weitere Menschenmassen versammelten sich an dem Unfallort, drängten sich in dieser schmalen Strasse zu ihm hin.

Tot? Endlich glaubte ich, zwischen der Lücke all der Menschen, sehen zu können, wie sich unter seiner grauen Jacke seine Schulter hob. Doch ich war mir nicht sicher, ob von fremder Hand die Schulter angehoben wurde oder er es aus eigener Kraft tat. Die Bewegung seines Körpers, wie auch immer sie zu Stande kam, verschaffte mir Erleichterung und ich drehte mich um, zu schauen, wo meine Leute abgeblieben waren. Da hörte ich Alex‘ Stimme, entsetzt rief er aus: „Oh my god!“. Er umfasste die Engländerin, stützte sie ab, ich hörte ihn noch sagen, sie müsse sofort ins Krankenhaus. Es war, als hätte sich eine dunkle Wolke des Unheils über die Umgebung gelegt, ein Virus voller Katastrophen sich ausgebreitet. Blässe hatte sich auf das Gesicht der Engländerin gelegt ihr Gesicht, es war als hätte sie einen Schwächeanfall bekommen und würde jeden Moment zum Boden sinken. Wir sollten schnell weiter gehen, sagte ihr Mann, noch ehe ich begriff, was geschehen war. Dann erst sah ich, ihr Arm war angeschwollen und in hektischen Worten klärte mich Alex auf, dass sie vom Roller erfasst wurde, durch die Gegend geschleudert wurde und ihr Mann sie noch rechtzeitig auffangen konnte. Alles sei nicht so schlimm, redete ihr Mann auf uns ein, er kenne es, sie schwelle schnell an, es sei schlimmer als es aussieht, sprach er für sie.

Wir sollten zumindest eine Salbe aus der Apotheke für sie besorgen, meinte ich. Jetzt auch sprach sie, die Blasse, die zuvor Verstummte und meinte, dass alles gut sei und sie keine Salbe brauche, das würde nichts bringen.

Um den liegenden Motorradfahrer hatten sich noch mehr Menschen versammelt, Polizisten bahnten sich den Weg durch die Menge und wir bogen in die Seitengasse ein, wo es ruhiger war, führten unsere Engländer weg vom Geschehen, versuchten sie zu beruhigen. In der schmalen Gasse bewegte sie die Hand des geschwollenen Arms, um uns zu demonstrieren, dass nichts gebrochen sei. Zwischen mittelalterlichen Gassen und morbiden Häusern, in denen kaum Sonne dringt, setzten wir unseren Gang fort. Vorbei gingen wir an einem Eingang, indem eine alte, gebeugte Frau stand, uns ihre verkrüppelten Fingern entgegen streckte und uns mit markerschütternder, gebrochener Stimme etwas zurief, was wir nicht verstehen konnten.

Endlich bogen wir ein, hin zum lichteren Kirchenplatz, als uns ein bärtiger Mann mit verwittertem Gesicht den Weg versperrte. Rote Plastikpeperoni – Neapels Glücksbringer – schwenkte er uns entgegen und schrie dabei laut „Fortuna, Fortuna!“. Wir wollten an ihm vor kommen, er aber ließ nicht locker, kam uns hinterher. Da erinnerte ich mich an die Zeichen, kaufte ihm ein Glücksbringer ab, nahm diesen und hängte der Engländerin ihn an ihre Tasche. „Per Fortuna“, sagte ich ihr, sie freute sich, strahlte über das ganze Gesicht.

Fortuna – wir können es alle gebrauchen.

Fortuna – für den Rollerfahrer, dem hoffentlich nicht an diesem Tag sein Leben genommen wurde. Fortuna – für alle gefallenen Engel, damit ihnen nie Flügel gebrochen werden.

Fortuna – das uns beschützt vor dem Unglück, das hinter jeder Ecke lauert.

Vielleicht braucht jeder Mensch ein Symbol, eins, was er für sich selbst erfunden hat – vielleicht braucht jeder einen Glauben, einen, der nur ihm gehört.

(Kadee Mazoni)
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Die Wunde …

Wir sitzen zusammen in diesem weißen Raum – meine Ärztin und ich. Ich versuche ihr Gesicht zu entschlüsseln, etwas Markantes darin zu finden, an dem ich mich festhalten könnte, aber es gelingt mir nicht, mein Blick gleitet, wie auf einer glatten Oberfläche, an ihr ab. Ein Lächeln, an dem ich mich festhalten könnte, eins, welches mir die Tür zu ihr öffnen könnte – es fehlt. Sie, die mir was mitteilen möchte, etwas, was mich betreffen sollte, hat sich sonderbarerweise absorbiert, ist gar nicht vorhanden.
„Nein, nein – so ist es nicht“, sage ich ihr, dieser Person, die vor mir, wie hinter einer Festungsmauer, an ihrem Schreibtisch sitzt. Mein Hemd ist noch aufgekrempelt und ich befühle die Stelle an meinem Ellenbogen, diese Wunde, um die sich alles dreht, dieses Übel, wie alle meinen, weswegen ich hier sitze.
Aus welchen Gründen ich mit dieser Lappalie den Weg zur Arztpraxis gefunden habe, ist mir unerklärlich. Soviel ich weiß, drang man mich, es untersuchen zu lassen, doch nun erweist sich der Gang dahin so, als sei ich geradewegs in die Höhle eines hungrigen Tieres geraten. Vielleicht sollte ich den Ärmel wieder herunter krempeln, die Wunde verstecken, unsichtbar werden lassen und damit den Grund der Diagnose überflüssig machen.
„Sie haben diese Krankheit und Sie werden daran zu Grunde gehen, wenn wir es nicht behandeln.“
Ihre Stimme mit der sie die Bestimmtheit ausspricht ist widerwärtig, vielleicht schaut sie mich dabei an, aber wie soll ich es erkennen können, wo ich nicht einmal ihr Gesicht sehe. Wie aus einer weißen Nebelwand streckt sie den Arm mir entgegen. Ich sehe ihre Hand, am Mittelfinger trägt sie einen zierlich schmalen goldenen Ring mit einem Herzchen drauf, hält mir eine Röntgenaufnahme entgegen – sie sagt, es sei der Befund, der alles beweisen würde, der Befund der mein Urteil sei.
„Lassen Sie es mich erklären“, versuche ich mich zu verteidigen, Einspruch einzulegen. Meine Stimme klingt ungewollt vibrierend, wahrscheinlich vor Aufregung über die scheinbare Ausweglosigkeit der Diagnose. Ich habe meinen Arm mitsamt der Wunde auf ihren Schreibtisch gelegt, will mich abstützen, um weiter fortfahren zu können.
„Hören Sie, es ist eine Erklärung, für die es keine Worte gibt und deswegen auch schwer ist, es darzulegen. Seit Jahren versuche ich zu erfassen, was es mit dieser Wunde auf sich hat, doch all die vielen Worte, selbst dann, wenn ich glaubte, sie hätten den Sinn getroffen, stürzen immer wieder ins Leere. Die Wunde war schon immer da und ich glaube, sie bildete sich seit meiner Geburt oder sogar schon davor. Bislang war sie immer verschlossen und schmerzte nur innerlich. Sie war vom Schmerz her vergleichbar mit einer Traurigkeit, wie man sie zur Welt empfindet. Verstehen Sie? Sie sollen es verstehen, auch wenn es nichts zu verstehen gibt, nichts, was auszusprechen wäre, nichts, was einer Krankheit oder Gesundheit zuzuordnen wäre, nichts wofür es einen Begriff gäbe.“
Aus der Nebelwand mir gegenüber huscht mit einem Male ein Lächeln heraus, springt mir bei meinen Worten entgegen. Es ist kein freundliches Lächeln, es ist ein gemeines, ein verständnisloses, sich auf eine Ordnung berufendes, überhebliches Grinsen, eines, das mir entgegen stürzt, mich entwaffnen will und nachdem mir dieses Grienen entgegen geschleudert wurde, folgten Worte ihrer hellen und festen Stimme:
„Dann dürfte es Sie freuen, dass die Suche ein Ende gefunden hat, denn jetzt haben wir die Diagnose ihres Leidens und können es beheben.“
„Das Ende?!“, rufe ich ihr laut entgegen, beuge mich noch weiter hin zu ihr, lasse den Arm aber weiter auf ihrem Tisch ruhen. All die ursprüngliche Helligkeit des Raumes wirkt plötzlich so dunkel, so als hätten selbst die spärlichen Sonnenstrahlen, die durch die Jalousien drangen, sich gegen mich gerichtet.
„Wie kann es ein Ende geben, wenn ich Ihnen doch sagte, dass es nicht einmal einen Anfang gab“, rufe ich in ihre Richtung hinein, während das Bild, die Röntgenaufnahme, die das Innerste meiner Wunde zeigen sollte, vom Tisch auf den Boden fällt.
„Das, was ich da habe“, sage ich und deute damit auf meinen Arm, „ist nichts Gesellschaftliches, ist kein Symptom was Sie medizinisch benennen könnten. Es ist was Geheimes, vielleicht sogar was Ewiges, ein Strom, eine Energie, die nur mir zu eigen ist. Ja, es ist in irgendeiner Form die eigentliche Wahrheit, eine, die mich bewegt und das aus mir macht, was ich bin. Das, Verehrteste, was sie Krankheit nennen, das bin ich. Verstehen Sie, das, was Sie beabsichtigen aus mir heraus zu nehmen gedenken, ist meine Persönlichkeit – eine die in den Tiefen in mir ruht und mich von all den anderen Menschen unterscheidet. So verstehen Sie doch bitte, was ich meine! Gerne sage ich ‚Guten Tag‘, ‚Guten Abend‘, halte mich an Gesetze, bin freundlich und mache meine Arbeit. Aber all dies bin ich nicht, das ist nur eine Maske, die ich gebrauche, um mit den Menschen auszukommen. Mein Herz schlägt nur so ähnlich, wie das Herz der anderen, auch mein Kreislauf ist ein anderer – ich bin ein Anderer, ich bin die Wunde …“
„Ach sehen Sie es doch ein“, entgegnet sie, „Sie wollen der Tatsache nicht ins Auge sehen. Sie reden von Wahrheit und flüchten davor, weil sie Ihnen nicht gefällt. Sehen Sie einfach ein, Sie sind krank, Sie müssen versorgt werden. Was soll das Geschwätz – Sie sind genauso wie alle Anderen. Ihr Herz schlägt gleich, ihre Muskeln bewegen sich wie all die Muskeln all der anderen Menschen. Und Ihre Gedanken …“
„Stopp, stopp!“, will ich schreien, doch meine Stimme schafft es nicht lauter zu werden, prallt ab an der Nebelwand hinter der sie sich verbirgt. Erregt erhebe ich mich, ziehe die Wunde von dem Schreitisch weg. Der Stuhl auf dem ich saß, kippt zur Seite. Dunkler noch ist der Raum geworden, durch den ich torkele, und mühsam versuche ich mich mit all meiner Kraft hin zum Ausgang zu bewegen. Ein Ständer, an dem eine leere Infusionsflasche hängt, kippt um, fällt krachend zum Boden.
„Flüchten, ja genau Flüchten werde ich“, stottere ich in den undurchschaubaren Raum hinein.
„Sie werden daran sterben …“, ruft sie mir aggressiv zu.
„Weglaufen werde ich vor Ihrer Diagnose. Ich werde mich nicht auf den Seziertisch der Allgemeinheit begeben – ich renne davon, so wie man rennt, wenn Feuer ausbricht. Und wenn es eine Lüge sein sollte, an der ich umkomme, so bleibt es immer noch meine Wahrheit … hören Sie mich: meine Wahrheit, die nur mir gehört, meine eigene, so wie jedes Wesen eine eigene hat … Ich bin stolz auf meine Wunde … Hören Sie mich, hören Sie…“
Schallendes Gelächter dröhnt durch den Raum, vervielfacht sich, wird zum Hall. Ein grausames Gelächter ist es, eins mit ihrer Stimme. Mein Herz rast, ich suche die Tür zum Ausgang, versuche zu laufen, komme nicht voran, komme nicht raus aus dem klinisch – dunklen Raum. Meine Wunde juckt, das Gelächter wird lauter, ich versuche mich zu kratzen, schreie, als müsste ich mich befreien, schreie gegen das hässliche Gelächter an …
„ICH BIN EIN ANDERER!“
Ruckartig wache ich auf, höre meine Stimme, Sonnenstrahlen dringen durch den Raum, Helligkeit kündigt den Morgen an und sanft bewegen sich die Blätter des Baumes vor meinem Fenster. Mein schwarzer Kater liegt neben mir, reibt seine raue Zunge an meinem Ellbogen, will dass ich wach werde und mit ihm spiele. Die Wunde! Ich schrecke hoch, nichts ist an meinem Arm zu sehen, der Kater schnurrt, schaut mich mit leuchtend grünen Augen an und schlaftrunken streichle ich ihm übers Haupt. Alles nur ein Traum? Auf meine Brust legt er sich nieder, stupst mit seiner Pfote mir ins Gesicht, ich kraule seine Ohren, Speichel tropft aus seinem Mund
„Wir werden uns unsere Wunden nicht nehmen lassen“, flüstere ich dem Kater ins Ohr. Er schmiegt sein Kopf an mein Gesicht, tief berührt von seiner Zärtlichkeit nehme ich sein Kopf in meine Hände und drücke ihm schmatzend einen Kuss zwischen seine Augen. Er hat Hunger!

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