Märchen erzählen …

Ich glaube an Gott, ich glaube an Darwin, ich glaube an Nietzsche, an den Weihnachtsmann, an den Osterhasen, an das sozialistische Vaterland. Fuck off! Ich glaube an das, was mir am meisten Spass macht, was eine tolle Geschichte ergibt. Ich picke mir aus allem die schönsten Rosinen heraus. Wann war der Urknall vor 40 oder 60 Milliarden Jahren? Scheiß der Hund drauf, wen interessiert es schon. Was muss ich tun, damit ich gesund bleibe und reich werde? – es langweilt mich. Märchen erzählen, die den Märchenerzähler selbst interessieren. Soll ich darüber nachdenken, wie die Welt besser werden kann? Blockade! – die entsteht immer dann, wenn die Geschichte falsch gesponnen wird. Wenn die Blockade entsteht muss die Geschichte weggeschmissen werden, dann taugt sie nichts und eine neue muss gesponnen werden. Fluchtlinien bilden!! – in die Geschichte flüchten, die man am liebsten für sich erzählen möchte, die einen am meisten interessiert.

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Das Wrack …

Oh, wie vernachlässigt, verwahrlost diese Seite doch ist.

Festgesurrt an Seilen und Ketten ist das Traumschiff am Ufer bekannter Fremde gestrandet. Still ist der Januarwind, einfallslos der Himmel, Frostigkeit hat sich über die Gräser gelegt.

Doch fortan, so der Wille, wird das Wrack wieder flott gemacht, um mit brennenden Sinnen, der unter dem harten Asphalt entschlummerten Blüte, neue Wärme und Lebenskraft zu schenken.

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Pfad der Entscheidung …

Carlos Castaneda lässt seinem Don Juan sagen, dass man besser mit leeren Händen einen Weg entlang gehen sollte. Auch sollte man dabei die Finger spreizen, um den dazwischen fließenden Windzug zu spüren.

So, wie Don Juan es empfiehlt, mache ich es öfters. Es kann ja nichts schaden. Niemand wird meine komische Fingerhaltung bemerken und so kann ich unbemerkt mir erdenken, wie Energie mich dabei durchdringt. Ich mache es nicht, weil ich davon felsenfest überzeugt bin, ich bin überhaupt kein Castaneda – Jünger. Ich mache es einfach nur, weil ich mich dann der Figur Don Juans nahe fühle und in der Phantasie mit ihm durch mexikanische Wälder streife, auf geheimnisvollen Pfaden wandere und selbst ein Stück dieser Romanfigur dabei werde.

Es ist der 11. April. Zum 10. April hatte ich mir vorgenommen eine Entscheidung zu fällen. Entscheidungen sind Gefängnisse – Nichtentscheidungen aber auch – und so ging ich spazieren in der Hoffnung die Gitterstäbe der Entschlüsse ein wenig auseinander biegen zu können.

Die Sonne schien – das ist die Bedingung, damit sich irgendetwas in meinem Gefühl regen und vielleicht nach oben, in den Verstand, dem Zentrum der Entscheidung, dringen kann. Genaugenommen finden Entscheidungen im Solarplexus statt, dort entsteht ein spezieller Affekt, der mir kundtut, ob etwas richtig oder falsch ist. Logik ist kein guter Ratgeber, Vor – und Nachteile abzuwägen, heißt meist, sich gar nicht mehr zu bewegen. Ich mag lieber die Brüche; sie sind wie innere Revolten, sind wie Segel setzen durch stürmische Gefilden und hin zu einer neuen Morgensonne.

Gestern fragte mich ein Freund, was Glück bedeute und ich überlegte, ob es vielleicht eine Form von Verengung und Ausdehnung sei, vergleichbar mit der Bewegung des Herzens, der Lunge, der Pupille des Auges oder des Universums: alles zieht sich unerträglich zusammen und weitet sich aus. Unerträglich ist es die Luft in seinem aufgeblähten Brustkorb anzuhalten, genauso wie es unerträglich ist, in sich zusammengezogen, gar nicht mehr zu atmen. Es könnte sein, so meinte ich, dass das Glück sich verhielte wie der Blitz bei Heraklit: er kommt plötzlich vom Himmel geschossen, erhellt voller Schrecken das Firmament und lässt anschließend alles wieder im Dunkeln zurück. Weder die Helligkeit, noch die Dunkelheit, so mutmaßte ich, sei Glück, sondern es sitzt dazwischen, tritt nur in einem kurzen Moment auf und ist schnell wieder verschwunden. Es ist wie ein Parfum, das verfliegt, wie ein Geruch der Erinnerung, nach dem man strebt.

Ich setzte mich nieder auf die Bank, auf der ich mit ihr einmal saß, schaue hier oben von dem Hügel auf den sich bewegenden Fluss. Er fließt und fließt und mit jedem Moment ändern sich auch die Gesichter, die vor ihm stehen und ihn betrachten.

Wieso, so dachte ich, als ich hinunter zum Elbstrand ging und die kleinen Wellen, hervorgerufen durch die Fahrt eines Schiffes, sich am Ufer brechen sah – wieso hatte das Publikum Beifall geklatscht als ein achtzigjähriger Talk-Show-Gast verkündete, er sei seit sechzig Jahren mit der gleichen Frau verheiratet? Entnahmen die Beifallspender daraus eine Form des Glücks?

Welle für Welle betrachtete ich, Sehnsucht nach einem weiten, tosenden Meer kam in mir auf und ich fühlte, wie angenehm mich Unzufriedenheit durchströmte. Wie oft stand ich hier schon, gegenüber einem Wald voller Kräne und versuchte mit der Hilfe von Himmel, Sonne und Wasser irgendwelche Probleme zu lösen. Probleme, so las ich bei Bergson, seien Dinge an denen man sich entwickle – stelle man das Problem richtig, beinhalte es bereits die Lösung. Also ging ich weiter, man kann wahrscheinlich nichts anderes tun, als gehen und gehen, bis sich endlich etwas löst und in einem Aha-Effekt aufbricht. Ja, ich glaube fest an die Bewegung, früher nahm ich mir sogar einmal vor, solange die Elbe entlangzugehen, bis mir eine zündende Idee komme. Ich tat es dennoch nicht.

Sechzig Jahre verheiratet! Das werde ich nicht mehr schaffen. Nicht schaffen werde ich es, mit meiner Geliebten, wir beide aus dem Frühling kommend, gebrechlich und hinkend, im Winter unserer Gefühle, mit einer Plastikeinkaufstüte in der Hand, nebeneinander herzugehen. Nicht schaffen werde ich es, dass wir uns solange die Hände reichen, bis uns der Sabber aus dem Mund fließt, bis all unsere Leidenschaft sich einfriert in Alltäglichkeit und das Schwert der Emotionen stumpf geworden ist.

Liebe ist doch nur ewig, solange noch Wind in die Segel weht und jede Begegnung ein Rendezvous ergibt. Warum also klatschte das Publikum? Weil es allein das stoische Verharren miteinander als selig machende Form empfand? Unweigerlich musste ich an Sartre und Simone de Beauvoir denken, sie waren in ihrem Zusammensein getrennt – sie waren ein Paar, zweier sich eigenständig bewegender Menschen.

Ein kalter Wind blies mir in den Rücken, die Sonne hatte sich hinter einer Wolke versteckt, mein Haar geriet mir durcheinander, fiel mir von hinten ins Gesicht. Ich lief schneller, die Kälte wurde mir unangenehm und ich bog ab vom Strand hin zu einem windgeschützten Gehweg. Ich hörte mal, Erfrieren sei kein so schrecklicher Tod, man würde einfach einschlafen und nicht wieder aufwachen. Furchtbar. Müsste ich mir mal ein Ende bereiten, ich wollte lieber, so wie ein griechischer Philosoph, vom Kraterrand des Ätna in die Glut der Lava springen und dort verpuffen und als Wolke in den Himmel steigen. Cioran, der Todesphilosoph, meinte, man müsse sein Leben zu einem Zeitpunkt beenden, solange man noch die Handlungsfreiheit darüber hat. Er starb, welch eine Katastrophe, schließlich umnachtet in einem Altersheim. Es gibt keinen richten oder falschen Weg, jede Weisheit ist eine Illusion. Das Glück ist schwer zu erfassen, es ist der kleine Moment, der sich zwischen Blitz und Dunkelheit erzeugt.

Der Wind wurde weniger, ich strich meine Haare wieder nach hinten. Entlang ging ich den Weg zwischen den alten Kapitänshäusern, sah bunte Blumen in den Gärten, sah wie das Grün aus den Zweigen brach. Die dunkle Wolke am Himmel zog weiter und Sonnenstrahlen beschienen mein Gesicht. Wo sind all jene geblieben, mit denen ich einst hier entlang gegangen bin? Wo ist die behinderte Frau geblieben, die ich mit ihren Stöcken und schnellen Schritten damals öfters sah, wenn ich mit dem Fahrrad, jonglierend zwischen all den Menschen, hier entlangfuhr? Sie war immer alleine und soviel Freude stand in ihrem Gesicht. Wo sind all die Wörter geblieben, die ich hier in die Gegend warf? Selbst die Orte bewegen sich, sind nicht mehr die gleichen, die man mal verlassen hatte. Auch sie atmen irgendwie ein und aus, dehnen und ziehen sich zusammen, verändern sich bis zur Unkenntlichkeit.

Auf einem Gartenbeet sprossen bunte Tulpen und als ich um die Ecke bog, passierte es: Eine schwarz-weiß gemusterte Katze, streckte ihren Kopf zwischen Gitterstäben, ich beugte mich zu ihr hinunter. Ein Flohhalsband trug sie und sie quetschte sich elegant durch die Stäbe, kam zu mir hin. Ich streichelte sie, sie schnurrte, ein warmer Strom durchzog mein Gemüt. Und als die Katze in der Türöffnung eines Hauses verschwand, da wusste ich plötzlich, was ich zu tun hatte: Die Entscheidung brach aus mir heraus, als ich mit meinen Fingern das Katzenfell berührte.

Fluss

Flucht und Grenze

Wer flüchtet, befindet sich immer im Recht – denn jede Flucht ist die Möglichkeit hin zu etwas Besserem. Eine Raserei entsteht, ein Blitz entzündet sich – es kann nicht so bleiben, wie es ist, es muss nach vorne gehen. Die Flucht ist die Heldentat, auch wenn sie nicht gelingt, sie schafft die Besinnung auf was Neues.

Grenzen werden überschritten, das ist der Sinn von jeder Flucht – es ist die Notwendigkeit des Überlebens. Eine Grenze rechnet stets mit einer Überschreitung und Verletzung – denn wofür sonst wäre sie gezogen. Wenn einmal die Zäune niedergerissen sind, ist die Luft danach viel klarer – und so widersinnig es auch klingt: die Grenze erkennt sich erst selbst durch ihre Durchdringung. Denn nun, da der Schlagbaum zerbrochen ist, besinnt man sich auf verloren geglaubte Werte, die einst von ihm begrenzt wurden. Nicht ein bequemes Zuhause, nicht der gemütliche Sessel auf dem man in seinen Anschauungen Platz genommen hat – es ist die Entfremdung, aus der man sich neu erschafft.

Der Flüchtende weiß um die Leere, in die er hineingefallen ist, er fühlt die Angst wie ein Kind, das in der Dunkelheit steht – wie ein Kind aber auch spürt er die Freude, dass der neue Morgen was anderes mit sich bringen könnte – die Flucht ist die Bejahung nach Veränderung.

Das ist genau die entgegengesetzte Bewegung des Seßhaften; er fürchtet jegliche Revision seines bestehenden Zustandes und mit aller Macht, versucht er die Grenze zu verteidigen. Seine Angst ist nicht die Angst eines Kindes, das hinaus will in die Welt, seine Furcht ist die eines Greises, der jeden Moment als was Gleiches erleben will.

Vielleicht ahnt oder fühlt er, dass der Dammbruch nicht zu verhindern ist, doch in seinem rückwärts gerichteten Denken wird er die Befestigung noch höher bauen, bis die Flut sich staut und die Ordnung noch gewaltiger zusammenbricht.bird-mazoni

Space Oddity – Gedanken zu David Bowie

Was ist schon der Schmerz gegen die Leere, gegen die Kälte, die das Gemüt durchfriert. David Bowie ist tot.

Space Oddity: Der Astronaut als das Sinnbild des Menschen in der sich verlierenden Unendlichkeit, träumend von Freiheit, kann er nur überleben im engsten Raum. Es ist die Tragik, dass die Realität stärker erscheint als der Traum, dass die Freiheit kleiner ist, als das was sie verspricht.

Träume sind aus Klängen gewebt, Wellen tragen dich davon und dort wo Liebe ist, ergreift die Musik dich mit Tentakel-Armen. Wenn Traum und Musik den Hochzeitstanz eingehen, ist die Realität im Sternenstaub versunken, der Ernst vernichtet – ein Lächeln auf den Lippen verschönert das Gesicht.

Als Kind wollte ich Astronaut werden – irgendwie entfliehen. Aus dem Raumschifffenster wollte ich bessere Welten erblicken und in der Unendlichkeit schweben. Wenn ich schwerelos durchs All gleiten würde, so dachte ich, dann hätte ich nur meine eigenen Probleme zu lösen, dann gäbe es kein „du musst“, kein „du sollst“, kein dick, kein dünn, kein Alter und keine Zeit – dann würden die Blumen in meinem Kopf ewig blühen und die Bäume immer fette Früchte tragen. Zwischen gestern und morgen gäbe es keine Grenze mehr, eins wäre ich und verschmolzen in Unsterblichkeit.

Major Tom steigt einfach aus, will das Glühen der Sterne spüren, doch sehnsuchtsvoll blickt er zurück auf den blauen Planeten, vielleicht auch auf die Wellen, die sich in Ozeanen regen.

Als ich „Space Oddity“ das erste Mal hörte, war ich längst kein Kind mehr, da war es eigentlich zu spät, da hatte David Bowie Ziggy Stardust schon lange zu Grabe getragen. War es nötig Ziggy sterben zu lassen, dieses Kind eines metrosexuellen Traumes?

Doch das Raumschiff, das in meinem Inneren pochte, in unendliche Weiten fort fuhr, die Astronautensehnsucht, die nie verblasste, all das war ergriffen von diesem Lied. Es war, als ginge ich den Regenbogen auf und ab, als bildeten sich neue Fluchtlinien:

I’m stepping through the door. And I’m floating in a most peculiar way. And the stars look very different today.“

EinesTages jedoch, ich stand vor der „Sagrada Familia“ in Barcelona, da musste ich an Major Tom denken. Liebesschmerz trieb mich dorthin und in meinem Wahn wollte ich alles auf einmal von der Welt entdecken. Als ich vor der Kathedrale stand – im gleichen Wahn, in dem ich mich befand, von Gaudi erschaffen – wurde mir schwindelig und ich musste mich setzen. Sonne schien auf das Wunderwerk herab und ein tiefblauer Himmel untermalte die Kulisse. Spitz ragten die Türme wie hinein in die Ewigkeit und als ich es sitzend und tiefatmend vor mir sah, war mir als befände ich mich tiefer im Kosmos als jedes Flugzeug und als jedes Sternenschiff. Major Tom, so durchglühte es mich, hätte hierher kommen müssen, berührt von der Wunde der Liebe, um das Paradies, das er suchte, zu finden. Fern war mir nun der Gedanke im Dunkeln der Unendlichkeit umher zu irren – Sonnenkrieger wollte ich werden und selbst im Schatten dem Lichte hinterher jagen.

David Bowie ist tot. Zurück bleiben Märchen. Ziggy Stardust ist am Leben! Alles ist im Kopf, alles in der Phantasie und es wird wichtig sein, dem Traum an den richtigen Platz zu bringen. Die Realität ist nur ein kleines Werkzeug den Traum zu justieren, ihn zu verfeinern, ihn mit noch mehr Bildern zu füllen.

I want eagles in my daydreams, diamonds in my eyes“

David Bowie: Er wusste, dass er sterben wird, aber er wollte entkommen. 18 Monate kämpfte er mit dem Krebs, doch die Krankheit hat ihn nicht besiegt. Er hat die Flucht nach vorne, mit dem Raumschiff seiner Träume, angetreten:

„Look up here, I am in heaven/ I’ve got scars, that can’t be seen/ I’ve got drama, can’t be stolen/ everybody knows me now“. „Black Star is waiting for me“, „You know, I’ll be free“, „Oh, I’ll be free/ just like that bluebird/ Oh, I’ll be free/ ain’t that just like me“ (aus seinem letzten Album, erschien am 8. Januar)

Lebe wohl David, wo immer Du auch bist – ich halte Ziggy Stardust tief in meinen Armen fest.

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F***** für den Frieden …

Wie wäre es, all unser Handeln würde nur aus der Lust entspringen – was nicht feucht macht oder keine Erektion hervor bringt, ließen wir bleiben …Wie wäre es, wenn wir uns fragen würden, ob wir die Arbeit auch dann noch täten, wenn es keine Bezahlung dafür gäbe, wenn wir nur noch das erschaffen würden, was uns die größte Lust spendet …

Wie wäre es, wenn statt der Gesundung der Ökonomie, wir darauf achten würden, dass die Seele keinen Schaden nähme …

… ja, wenn all dies unser Denken und Tun bestimmen würde, gäbe es dann keine Politik mehr und keine Kriege? Wären wir dann frei und könnten einfach nur mal leben – einfach nur mal so? 

Und morgen …

Betätige ich mich als Reiseführer entlang der Amalfi Küste. Ich werde euch von dort aus den Frühling mitbringen. Buonanotte.

Terrazza dell'Infinito der Villa_RavelloTerrazza dell’Infinito der Villa Cimbrone in Ravello ( hier schrieb D.H.Lawrence 1928 Lady Chatterley’s Lover )

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Amalfi_positano Positano – das senkrechteste Dorf der Welt. Hier liegt Essad Bey („Der Orientalist“) begraben.

amalf_town3 Amalfi Stadt

Oh MEIN Gott …

„Gott“: ein schöner Begriff, man sollte ihn alleine für sich gebrauchen. Wenn ich mein Gott sage, dann meine ich es auch so – es gibt ihn nur für mich. Ich will nicht deinen, nicht euren Gott, ich will nur meinen, er gehört mir ganz allein.

Ich glaube nicht an das, was andere mir prophezeien, ich bastele mir alles so zurecht, wie es mir am angenehmsten erscheint. Ich erziehe mir meinen Gott, mitunter verschmelze ich mich mit ihm – ähnlich wie in der Liebe.

Oh mein Gott! Milliarden, Trilliarden von Göttern um mich herum, jeder ist sein eigener – welch ein Chaos. Ich liebe es: die Verworrenheit, das Unbestimmte. Auf dem Unbekannten entstehen die schönsten Schlösser.

Wenn ich den Stern am Himmel stehen sehe, fülle ich mich göttlich – dann ist der Stern geschaffen für mich und ich für ihn. Wenn die Sonnenstrahlen mich durchfluten, dann sind wir eins: die Sonne und ich – wir sind die Welt um die sich alles dreht.

Oh mein Gott: Ich bin so groß – bin all das, was ich sehe. Göttlich sind wir alle. Und wer sagt, dass wir je sterben könnten, niemand hat dafür einen Beweis  erbracht. Was kümmert der Tod, wo wir uns im Leben befinden – Zukunft ist eine böse Illusion.

Das grüne Kissen – Werdet Nomaden Vol.2

„Sie gehört uns wieder
Wer? Die Ewigkeit
Das Meer, das mit
Der Sonne kreist.“ (Rimbaud)

SIE heißt soviel wie „Sieg“ und liegt mit dem Kopf auf dem grünen Kissen, ausgestreckt auf der schwarzen Ledercouch. Wir bilden eine Karawane – das Zimmer ist die Wüste, die Gedanken sind Kamele, auf denen wir den weißen, heißen Sand durchreiten.
Tiefe Spuren hinterlassen unsere Geschichte, doch wenn wir zurück blicken sind die Abdrücke längst verweht.
Werden wir uns wiederfinden?
Verwirrung – wir finden nicht den Anfang und nicht das Ende.
SIE sagt: lass uns kein Bäumchen pflanzen, drückt mir ihre heißen Lippen auf meinen Mund.
Die Sonne umkreist uns und nicht wir die Sonne. Die Karawane zieht unbeirrt davon.

Nur der Sesshafte ist immer Opfer.

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NOMADE WERDEN! Vol.1

Wüste umgibt mich – gleißendes Sonnenlicht wirft sich auf unentdeckte Wege. Plötzlich eine Brise, die in die Dünen weht – alles wieder neu beginnt.
Endlich ist sie zurück: die Ewigkeit – hier unterm nackten Himmel. Kein Gedächtnis, das betrübt, keine Hoffnung, die hält. Alles verloren – jetzt erst kann gewonnen werden.
Das Ethos niedergebrannt, die Sprache neu geboren. Aufbauen! – auf bebender Erde. Nomade werden! Kein verharren an einem unglücklichen Punkt. Flüchten. Wüste sich denken, sich bewegen auf rollenden Steinen. Sonne, Sonne … über alles: Brennen wollen, ziellos werden, atemlos – vorwärts kommen. Rennen – dem Horizont entgegen.