Wie lange war ich nicht hier? Hier bei euch, hier bei mir. Bei mir, genau: Ich habe mich verloren, verloren in der Weltlage. Ist das ein Wunder? Wie soll man seine Gedanken ordnen, wenn man das Gefühl hat, die Welt breche zusammen? Dabei bin ich an dem Ort meiner Träume angekommen: Ich stehe auf dem Balkon und blicke auf das blaue, wirklich unglaublich blaue, meist ruhige Mittelmeer. Tief atme ich die milde, ach, immer so milde Meerluft ein, oder ich schwimme und tauche in das klare, ach, so unglaublich klare Wasser. Wenn ich tauche, öffne ich immer die Augen und liebe es, wenn das Salz des Meeres meine Pupillen benetzt. Ja, das Meer, der ebenso blaue Himmel, die weißen Wolken (weißer und schneller, nie so bedrückend wie in Deutschland) – ich könnte meinen, ich sei glücklich. Und doch verfinstert etwas mein Gemüt: die Kriegsgefahr, das Völkermorden, besonders an den Kindern in Palästina, das wir geradezu live verfolgen können. Und dann hellt es sich wieder auf, wenn ich all die tollen Menschen höre und auf den Straßen sehe, die vielen Jugendlichen, die dagegen angehen und eine andere, gerechtere, nicht auf Morden gegründete Gesellschaft wollen. Was sind schon zerbrochene Schaufensterscheiben, was brennende Autos und Barrikaden gegen das Abschlachten von Menschen …
Ich könnte ohne Ende weiterschreiben, ohne Ende anklagen, und wollte eigentlich nur sagen: Wir leben in einem Paradies, und jeder Mensch sollte das Recht haben, es auch als solches zu empfinden. Leben ist das Wertvollste, was wir als Lebende besitzen – und damit meine ich Mensch und Tier. Das Blau des Meeres und des Himmels, den Gesang des Planeten zu vernehmen, die Sonne zu spüren, die Sterne zu sehen: Das ist das Größte. Nichts kommt da heran. Darum müsste es im Kampf und in der Rebellion gehen: um leuchtende Augen ringsum. Die Aktivitäten sollten dazu dienen, die Schwere zu nehmen. Denn so wunderbar das Leben ist, so furchtbar und gräßlich, so schmerzhaft kann es auch sein. Und dann blicke ich auf das wunderbare blaue Meer, fühle die Wärme der Sonne, höre das Zwitschern und den Gesang der Vögel und denke: Das Leben ist das Beste, aber das Leben ist auch das Schlimmste.
Es fällt gerade so schwer zu schreiben, dabei ist das Schreiben jetzt notwendiger denn je. Es passiert so viel, und doch ist es zu viel: Wenn das Leid, wie Brecht sagte, wie der Regen vom Himmel fällt, erkennen wir es nicht mehr.
Nun, diese Gedanken kamen mir gerade von selbst. Eigentlich wollte ich hier auf dieser Seite meine neue Kurzgeschichte vorstellen. Sie hat nichts mit dem zuvor Geschriebenen zu tun. Ich habe mir vorgenommen, in unregelmäßigen Abständen eine Short Story für 99 Cent zu veröffentlichen. Leider ist sie aufgrund gewisser Umstände derzeit nur auf Amazon erhältlich, das wird sich aber ändern. Ich würde mich freuen, wenn ihr sie lesen würdet.
Hier ist der Link: https://www.amazon.de/dp/B0HN2H1FKH
