Bei der Betrachtung des Zustands unserer Erde drängt sich eine Frage auf, die schwer auf der Seele lastet: Brauchen wir noch mehr „Fortschritt“? Die einst so saubere Luft ist heute von Rauch und Dunst erfüllt, die einst so lebendigen Meere sind bis zur Erschöpfung ausgeplündert, die Wälder, stolze Hüter der Natur, stehen in Flammen. Ein trauriger Katalog von Elend und Zerstörung.
Was wir jetzt brauchen, ist, um mit Nietzsche zu sprechen, eine Umwertung unserer bisherigen Werte, eine Umwertung aller Maßstäbe. Und zu diesen Werten, die mit all ihren Wurzeln in den Köpfen der Menschen ausgerottet werden müssen, gehört der verhängnisvolle Wert „Fleiß“. Weg mit der Tüchtigkeit, die die Welt zerstört! Warum etwas schaffen, das über das Wohl der eigenen Existenz hinausgeht? Warum den Planeten plündern, um sinnlosen Reichtum zu vermehren. Leistung darf sich nicht mehr lohnen. Das Geld ist zur Geißel der Menschheit geworden. Alles, was die Menschheit in ihrer langen Existenz hervorgebracht hat, hat sich als Fluch für die Erde erwiesen. Der Mensch hat sich nie um das Wohl der Erde gekümmert, im Gegenteil, er hat sich wie ein Rüpel benommen in dem Haus, das Tiere und Pflanzen bewohnen.
Mensch zu sein, bedeutet im Großen und Ganzen, wenn man es global betrachtet, Feindschaft gegen alles Lebendige, bedeutet, mit Fleiß und Geld den Planeten nach und nach in eine Wüste zu verwandeln. Diese Feindschaft, hervorgerufen durch Hab und Gier, wendet sich sogar gegen den Menschen selbst. Statt Millionären und Milliardären zu applaudieren, sollte Reichtum eher verpönt sein.
Was sind das für erbärmliche Gestalten, die in ihren goldenen Badewannen baden, während vor ihren Toren die Menschen um Unterkunft und Nahrung betteln. Welch armseliges Glück mussten sie sich erkaufen.
Ist Glück nicht genug, die Vögel fliegen zu sehen, in den Meeren die Fische, die Delphine sich bewegen zu sehen? Ist Glück nicht genug, um zu spüren, wie kristallklare Luft die Lungenflügel anregt? Ist nicht der glücklich, der die ganze Welt als Teil seiner Familie empfindet? Wir sind alle Fremde, wir sind alle Flüchtlinge, wir kommen und gehen, wir sind Besucher, und unser Haus ist die Erde. Benehmt euch wie Gäste, räumt auf, wenn ihr geht. Hinterlasst denen, die nach euch kommen, nicht das Hässliche. Vielleicht seid ihr es selbst, vielleicht kommt ihr wieder, ohne es zu wissen.
Wenn der Mensch zur Ruhe kommt, wenn er aufhört, unaufhörlich zu schaffen, zu produzieren, zu konsumieren, wird er spüren, was die Natur, deren Teil er ist, ihm zurückgibt.
Weniger Mensch sein und mehr im Strom des Lebens schwimmen.


Genau…
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Du hast ja so recht!
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Wir werden schon früh auf die falschen Werte indoktriniert. Was du sagst ist nicht verkehrt, aber es sagten schon viele vor dir. Es ist leider zur ideologischen Floskel, zur alternativen Binsenwahrheit verkommen. Das heißt aber nicht, dass man es immer wieder postulieren muss. Danke für den schönen Text 🙂
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