„Wo man liebt, wird es niemals Nacht“

Nicht der Roman hat sich dem Leben anzupassen … und jetzt quäle ich mich, das kleine Verbindungsstück, diese letzte Brücke, diese wenigen Worte zum letzten Kapitel zu finden. Werde ich es heute schaffen, oder mich wieder ablenken lassen, abwaschen, Kaffee kochen, dumme Gespräche führen, nur um mich vor dem letzten Abschnitt zu drücken?

Im Geiste bin ich in Afrika, physisch in Hamburg, ich tanze in Dakar mit den bunt gekleideten Frauen Voodoo Tänze … Die Brücke muss gebaut werden – heute (oder doch morgen?). Ich fühle mich nicht mehr frei, bin Gefangener meiner eigenen Geschichte. Frei bin ich erst wieder wenn …

Plötzlich taucht Sira auf, eine senegalesische Sängerin und Gitarristin – eine  Teuflin, die verführen will. Sie kennt Europa, sie kennt die westlichen Freiheiten, die es im Senegal so nicht gibt. Trotzdem will sie hier bleiben, in Dakar und versucht es den beiden zu erklären: es sei was Körperliches, das es in Europa so nicht gäbe.

Ja, Cate und Melissa sind in Dakar, eigentlich auf der Durchreise weiter in den Süden, auf der Spur des alten Onkels. Und tatsächlich im letzten Kapitel haben sie ihn gefunden – im letzten Kapitel, was schon geschrieben wurde

Das Leben dem Roman anpassen: zweitausend Kilometer bin ich hin nach Amalfi gefahren, saß auf einem Berg in Pontone, um weiter am Roman zu schreiben. Zweitausend Kilometer fuhr ich wieder nach Hamburg zurück, weil die Einsamkeit mich dort erdrückte. Mit dem Schreiben bin ich zugleich auf der Suche nach einem geeigneten Platz auf der Welt, den ich nicht gefunden habe. Der geeignete Platz ist die Fiktion, ist der Roman selbst. Eine Welt erfinden, die es noch nicht gibt – eine in der ich mich wohlfühle und machen kann was ich will, eine, die mich vom Alltag entfernt. Wenn das Schreiben still steht, stehe ich gleichfalls bewegungslos vor einem Abgrund, bin ich dem Alltag  ausgeliefert. Also: es gibt kein zurück – ich werde von meiner Reise – und auch der von Melissa und Cate – weiter berichten.

„Wo man liebt, wird es niemals Nacht“ (afrikanische Weisheit)

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Space Oddity – Gedanken zu David Bowie

Was ist schon der Schmerz gegen die Leere, gegen die Kälte, die das Gemüt durchfriert. David Bowie ist tot.

Space Oddity: Der Astronaut als das Sinnbild des Menschen in der sich verlierenden Unendlichkeit, träumend von Freiheit, kann er nur überleben im engsten Raum. Es ist die Tragik, dass die Realität stärker erscheint als der Traum, dass die Freiheit kleiner ist, als das was sie verspricht.

Träume sind aus Klängen gewebt, Wellen tragen dich davon und dort wo Liebe ist, ergreift die Musik dich mit Tentakel-Armen. Wenn Traum und Musik den Hochzeitstanz eingehen, ist die Realität im Sternenstaub versunken, der Ernst vernichtet – ein Lächeln auf den Lippen verschönert das Gesicht.

Als Kind wollte ich Astronaut werden – irgendwie entfliehen. Aus dem Raumschifffenster wollte ich bessere Welten erblicken und in der Unendlichkeit schweben. Wenn ich schwerelos durchs All gleiten würde, so dachte ich, dann hätte ich nur meine eigenen Probleme zu lösen, dann gäbe es kein „du musst“, kein „du sollst“, kein dick, kein dünn, kein Alter und keine Zeit – dann würden die Blumen in meinem Kopf ewig blühen und die Bäume immer fette Früchte tragen. Zwischen gestern und morgen gäbe es keine Grenze mehr, eins wäre ich und verschmolzen in Unsterblichkeit.

Major Tom steigt einfach aus, will das Glühen der Sterne spüren, doch sehnsuchtsvoll blickt er zurück auf den blauen Planeten, vielleicht auch auf die Wellen, die sich in Ozeanen regen.

Als ich „Space Oddity“ das erste Mal hörte, war ich längst kein Kind mehr, da war es eigentlich zu spät, da hatte David Bowie Ziggy Stardust schon lange zu Grabe getragen. War es nötig Ziggy sterben zu lassen, dieses Kind eines metrosexuellen Traumes?

Doch das Raumschiff, das in meinem Inneren pochte, in unendliche Weiten fort fuhr, die Astronautensehnsucht, die nie verblasste, all das war ergriffen von diesem Lied. Es war, als ginge ich den Regenbogen auf und ab, als bildeten sich neue Fluchtlinien:

I’m stepping through the door. And I’m floating in a most peculiar way. And the stars look very different today.“

EinesTages jedoch, ich stand vor der „Sagrada Familia“ in Barcelona, da musste ich an Major Tom denken. Liebesschmerz trieb mich dorthin und in meinem Wahn wollte ich alles auf einmal von der Welt entdecken. Als ich vor der Kathedrale stand – im gleichen Wahn, in dem ich mich befand, von Gaudi erschaffen – wurde mir schwindelig und ich musste mich setzen. Sonne schien auf das Wunderwerk herab und ein tiefblauer Himmel untermalte die Kulisse. Spitz ragten die Türme wie hinein in die Ewigkeit und als ich es sitzend und tiefatmend vor mir sah, war mir als befände ich mich tiefer im Kosmos als jedes Flugzeug und als jedes Sternenschiff. Major Tom, so durchglühte es mich, hätte hierher kommen müssen, berührt von der Wunde der Liebe, um das Paradies, das er suchte, zu finden. Fern war mir nun der Gedanke im Dunkeln der Unendlichkeit umher zu irren – Sonnenkrieger wollte ich werden und selbst im Schatten dem Lichte hinterher jagen.

David Bowie ist tot. Zurück bleiben Märchen. Ziggy Stardust ist am Leben! Alles ist im Kopf, alles in der Phantasie und es wird wichtig sein, dem Traum an den richtigen Platz zu bringen. Die Realität ist nur ein kleines Werkzeug den Traum zu justieren, ihn zu verfeinern, ihn mit noch mehr Bildern zu füllen.

I want eagles in my daydreams, diamonds in my eyes“

David Bowie: Er wusste, dass er sterben wird, aber er wollte entkommen. 18 Monate kämpfte er mit dem Krebs, doch die Krankheit hat ihn nicht besiegt. Er hat die Flucht nach vorne, mit dem Raumschiff seiner Träume, angetreten:

„Look up here, I am in heaven/ I’ve got scars, that can’t be seen/ I’ve got drama, can’t be stolen/ everybody knows me now“. „Black Star is waiting for me“, „You know, I’ll be free“, „Oh, I’ll be free/ just like that bluebird/ Oh, I’ll be free/ ain’t that just like me“ (aus seinem letzten Album, erschien am 8. Januar)

Lebe wohl David, wo immer Du auch bist – ich halte Ziggy Stardust tief in meinen Armen fest.

ziggy-mazoni

DASS …

Dass …… niemals die Zeit zurück sich dreht,

Dass …

… Du Deine Lippen auf meine legst

Dass …

… der Flügel des Schmetterlings die Welt bewegt

Dass …

… zu meiner Liebe der Himmel sang,

Dass …

… ein Dolch mein Herz durchdrang,

Dass …

… das Wasser ewig den Bach hinunter fließt,

Dass …

… die alte Frau im Sarg das Haus verließ,

Dass …

… der Kopf der Blume auf dem Grab sich senkt

Dass…

… bald niemand mehr den Namen kennt

Dass …

… alles richtig an seinem Platz steht

Dass …

… das Leid das Glückt versteht

Dass …

… es ist wie es ist,

Und:

Dass …

… es Dich gibt, 

Zeigt:  ——- wir sind im Paradies.

  

Oh MEIN Gott …

„Gott“: ein schöner Begriff, man sollte ihn alleine für sich gebrauchen. Wenn ich mein Gott sage, dann meine ich es auch so – es gibt ihn nur für mich. Ich will nicht deinen, nicht euren Gott, ich will nur meinen, er gehört mir ganz allein.

Ich glaube nicht an das, was andere mir prophezeien, ich bastele mir alles so zurecht, wie es mir am angenehmsten erscheint. Ich erziehe mir meinen Gott, mitunter verschmelze ich mich mit ihm – ähnlich wie in der Liebe.

Oh mein Gott! Milliarden, Trilliarden von Göttern um mich herum, jeder ist sein eigener – welch ein Chaos. Ich liebe es: die Verworrenheit, das Unbestimmte. Auf dem Unbekannten entstehen die schönsten Schlösser.

Wenn ich den Stern am Himmel stehen sehe, fülle ich mich göttlich – dann ist der Stern geschaffen für mich und ich für ihn. Wenn die Sonnenstrahlen mich durchfluten, dann sind wir eins: die Sonne und ich – wir sind die Welt um die sich alles dreht.

Oh mein Gott: Ich bin so groß – bin all das, was ich sehe. Göttlich sind wir alle. Und wer sagt, dass wir je sterben könnten, niemand hat dafür einen Beweis  erbracht. Was kümmert der Tod, wo wir uns im Leben befinden – Zukunft ist eine böse Illusion.