Let’s talk about weather …

Ich klebe am Stuhl fest. Das Mittelmeer ist so warm wie eine Badewanne. Morgen wird es 35 Grad heiß. Oh je! Die Sonnenschirme am Strand sehen aus wie eine bunte Blume mit ungeordneten Blättern. Gestern hat sich eine fette Kakerlake in unsere Wohnung verirrt. Es gab laute Schreie, aber schließlich wurde sie heldenhaft eingefangen. Die Theorie besagt, wo eine Kakerlake ist, gibt es viele. Wir wälzten die Möglichkeit einer Invasion hin und her, aber die Hitze zerstreute unsere Ängste.

Zwei Drittel der Erdoberfläche sind von großen Ozeanen bedeckt. Schlaue Leute – wahrscheinlich Mathematiker oder Aquanauten – schätzen die Gesamtmenge des Wassers auf etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometer. Was sagt mir das?

In besseren Zeiten schaffte ich 3000 Wörter am Tag, jetzt sind es nur noch 300. Alles wird berechnet, eingegrenzt, kategorisiert. 210 Euro Wasserrechnung – wie viele Wörter, wie viele Tage brauche ich dafür? Wann wird endlich die Luft berechnet, zugeteilt und landet als Rechnung in den Briefkästen? 10 Wörter für einen Atemzug. Die Briefkästen sind die Tore zur Unterwelt.

Die Sonne brennt mir ins Gesicht, saugt jeden Tropfen Mineralwasser, den ich getrunken habe, aus mir heraus. Das Denken fällt schwer – das ist das Gute daran. Alles ist so schön egal. Morgen 35 Grad. Was soll’s. Hauptsache hell. Wenn es nur nicht so anstrengend wäre.

Wenn man weit, weit aufs Meer hinausschwimmt, wird das Wasser kühler. Einmal dachte ich, weit, weit hinausschwimmen zu müssen, dorthin, wo es Piraten und Seejungfrauen gibt. Als meine Gedankenspiele die Möglichkeit ersannen, in die Ferne zu schwimmen, war das Meer still und spiegelglatt. Ich dachte nicht an Wellen, sondern fantasierte Delfine, die mich auf ihrem Rücken trugen. Irgendwann war ich im Geiste so weit weg von der Küste, dass ich kein Land mehr erblicken konnte. Ein Oktopus mit großen Augen blickte mich an und zog mich in die Tiefe. Ich sagte ihm, ich sei ein Mensch und könnte nicht unter Wasser leben. Da öffnete er seinen Mund und meinte, ich könne überleben, wenn wir nie aufhören würden, uns zu küssen. Ich entgegnete ihm, das sei ein wirklich nettes Angebot, aber ich fände ihn und seinen Mund einfach zu hässlich. Das zu sagen war nicht nett von mir und gewiss, wenn wir nicht schon unter Wasser gewesen wären, hätte ich gesehen, wie Tränen über seine Wangen liefen. Es tat mir weh, ihn verletzt zu haben, er war schließlich das einzige Wesen, das Vertrauen zu mir hatte. Niemand hatte hier Vertrauen zu Menschen und das zurecht. Und auch ich, obwohl ich kein Boot, keine Atomwaffen bei mir hatte, wurde mit Skepsis betrachtet. Ich schwamm zum Oktopus, streichelte seine glatte Haut und fragte ihn, wie er heiße. Er sagte, er heiße Achtundzwanzig. Ich sagte, das sei doch kein Name, sondern eine Zahl. Zornig blickte er mich an und sagte, immer müsse ich ihn niedermachen, erst sei sein Mund für mich zu hässlich und jetzt bemängelte ich auch seinen Namen. Nein, nein flehte ich und umarmte ihn, Achtundzwanzig sei wirklich der schönste Name aller Ozeane. Da lächelte er und freute sich, und weil er sich so freute, sah er gar nicht mehr so hässlich aus. Wir küssten uns, seine vielen Arme umschlangen mich, berührten mich. Wir sanken weiter in die Tiefe, dort wo sich Korallen und bunte Fische befanden, und küssten und küssten uns, weil wir von nun an Küsse zum Leben brauchten und weil die vielen, vielen Küsse ihn immer schöner machten.

Ein Klatsch riss mich aus meinen Träumen. Eine dicke Mutter hatte ihrem Kind, einem kleinen Jungen, einen Klaps auf den Hintern verpasst. Der Junge schrie – und das zurecht, aber beruhigte sich wieder nach kurzer Zeit. Sonne. Ich ging fort, es kamen noch mehrere Mütter, noch mehr schreiende Kinder. Meine Füße brannten auf dem heißen Sand. Wahrlich, es ist Sommer, Megasommer.

Neulich war ich zu früh, aber hatte Hunger. Auf dem grauen Hemd des Pizzabäckers hatte sich ein riesiger, nasser, dunkler Fleck gebildet. Er schaute mich an, als sei ich das gleiche Ungeheuer, mit dem ich mich in den Tiefen des Ozeans geküsst hatte, weil ich mir erdreistete, um 18 Uhr eine Pizza bestellen zu wollen. Der Ofen sei noch nicht an, sagte er mir, seine Brille war vom Schweiß beschlagen, wahrscheinlich konnte er nur Umrisse von mir erkennen. Trotz meines Verbrechens, trotz des Stresses, lächelte er mich an. Er war halt ein Italiener. Ich lächelte zurück, besorgte mir woanders eine Pizza. Morgen 35 Grad – es ist wirklich, wirklich Sommer.

Selig sind die, die eine Klimaanlage besitzen. Die Ventilatoren singen hässliche Lieder, wirbeln hin und her, gaukeln eine kühle Brise vor. 35 Grad sind gefühlte 40 Grad. Jammere ich? Nein! Ich liebe die Wüste in mir.

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