Der Bus nach Mondragone

Der Bus nach Mondragone, der mich nach Baia Verde bringt. Er hält in Neapel an der Haltestelle Campi Flegrei, dort, wo unter der Erde ein Vulkan bebt. Wenn man einen Sitzplatz ergattern will, muss man sich bei der Ankunft des Busses genau positionieren, damit man schnell in den Eingang kommt, denn von hinten drängeln sich schon die anderen. Ein Sitzplatz ist Gold wert, denn die Fahrt dauert lange. Und dann geht es los, vorbei an den schönsten Orten Europas: Phlegräische Felder, Lago d’Averno, Pozzuoli, vorbei am Golf von Neapel, in der Ferne Ischia. Der Bus rast mit 80 km/h über den aufgerissenen Asphalt, alles und jeder wird kräftig durchgeschüttelt, Leute rufen von hinten nach vorne, Telefone klingeln und in verschiedenen Sprachen (von denen ich keine verstehe) wird laut telefoniert.
Ja, der Bus nach Mondragone ist ein besonderes Erlebnis, oft hat der Busfahrer das Fenster geöffnet, raucht Zigaretten und wenn das Menschenschiff zu voll ist, werden andere Leute an anderen Bushaltestellen stehen gelassen und der Bus fährt an ihnen vorbei. Oft furzt jemand in der Menge und man sieht Taschentücher vor den Nasen. Der Busfahrer ist der König an Bord, eine Haltestellenklingel gibt es selten, man muss „FERMATA!“ brüllen, wenn man aussteigen will und sich höflich bedanken, wenn der Fahrer dann auch anhält. Der Bus nach Mondragone, ob schwarz oder weiß, er integriert uns alle. Angst und Sorgen verschwinden, es gibt nur eine Sorge für die Fahrt: rechtzeitig aus dem Bus herauszukommen. Dafür ist der Bus gratis – kein Kontrolleur würde es hier wagen, Fahrkarten zu kontrollieren.

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