Verlassener Bahnhof …

Hochgekrempelt der Kragen, festgeschnürt der Mantel, sitzend auf der Bank der verlassenen Bahnhofsmitte. Wie vergessen, flackert aus verrosteten Lampen spärlich noch das Licht. Wieviel Zeit ist vergangen – die Zeiger der Uhr sind abgefallen; keine Stunde, die mehr schlägt.
Zerbrochene Gleise: hinter mir die Ankunft des Vergangenen, vor mir das, welches in die Zukunft trägt.

Wird der Zug je kommen? Nein, er ist umgeleitet worden, hin zu unruhigen Zielen.

Starr bleibe ich zurück, mit der Lüge und der Wahrheit in dieser Mitte, hineingefallen in eine stille, zeitlose Welt. Über mir das morsche Dach; gibt mir den Blick frei in eine kristallene Sternennacht – Klarheit bescheint meine Sinne. Frischer Wind kühlt mein Gemüt und voll des schmerzlichen Glücks lehne ich mich befriedigt zurück; die Wüste der Verlassenheit umspült ein Lächeln meine Lippen. Was gestern ankam ist morgen wieder verschwunden. Stolz empfanden einst die Erbauer über den Bau, in dem ich sitze. Nun ist er zerbrochen und die Gleise führen nirgendwo mehr hin. Die Hoffnung ist die Niederlage des Augenblicks.

(inspiriert v. Eisscherbens „einsamen Bahnsteig“)