Montag in Hamburg, den 25. Juli 2016
Die Sachen waren gepackt, der Beifahrer war gefunden, als ich auf die Idee kam, das Geld, das ich für die „Auswanderung“ mitnehmen wollte, noch einmal zu zählen. Ich zählte es, gerne hätte ich geschummelt und die Summer höher erscheinen lassen, als sie wirklich war. Aber es waren genau 640 Euro und mir war sofort klar, dass das Geld, wenn ich an der Amalfiküste ankommen würde, aufgebraucht sein würde. Panik ergriff mich, ich lief im Zimmer auf und ab, schnappte mir einen Stift und schrieb die Zahlen der Ein- und Ausgaben auf, um vielleicht doch noch einen traumhaften Weg zu finden, die Reise anzutreten. Doch dann musste ich mich der Realität beugen, sah mich in Gedanken hungrig durch Neapel laufen, ohne eine Möglichkeit, an Geld zu kommen. Kurz entschlossen, das Gepäck im Zimmer verteilt, brach ich die Flucht ab. Als ich heute Morgen erwachte, wurde mir traurig bewusst, dass ich in Hamburg vor Anker gegangen war. Kein Entkommen. Dafür hasse ich Hamburg. Verzweifelt zog ich mich an, ging hinaus, lief durch die schwüle Luft im trüben Sonnenschein durch den Park und überlegte, was ich tun sollte. Natürlich fiel mir nichts anderes ein, als mich in die Phantasie zu flüchten, dorthin, wo die Träume entstehen und sich erfüllen, sagte mir, ich müsse hier eine Ecke zum Schreiben finden, um die dunklen Wolken der Notwendigkeiten zu vertreiben.
Ein Junge spielte im japanischen Garten, sprang zwischen Steinen hin und her, die in einen künstlich angelegten Bach gelegt worden waren, und war ganz in sein Tun vertieft, ohne von dem Treiben um ihn herum Notiz zu nehmen. Wie wenig Träume im Leben in Erfüllung gehen, dachte ich, als ich ihn beobachtete, als Kind erschafft man sich wenigstens seine eigene Welt, ist versorgt und muss nicht Geldscheine zählen, um auf die schreckliche Summe von 640 Euro zu kommen.
